Tag 7 – Alta bis Honningsvåg

Gefahrene Kilometer: 320

Getankt: 37l

Gefahrene Zeit: 7,5 Stunden

Den Abend gestern verbrachten wir zur einen Hälfte in der Küche unseres Gastgebers Jules mit Kochen und Quatschen, die andere Hälfte hingen wir in unserem Lavvu ab. Der Ofen bollerte ausreichend und sorgte für angenehme Wärme. Irgendwann zeigte unsere App (es gibt sogar dafür Apps) an, das die Wahrscheinlichkeit für Nordlichter recht hoch ist und so zogen wir uns warm an und standen draussen rum. Und dann ging es los: fette grüne Lichter, mal als Schleier, mal wasserfallartig über uns. Absolut unglaublich. Wir sprangen wie kleine Kinder vor Freude rum und versuchten mit unseren dilettantischen Kamerafähigkeiten das Ganze einzufangen. Andere Teams haben beeindruckendere Fotos veröffentlicht – aber am Ende geht es ja eben auch garnicht da drum. Überhaupt Nordlichter gesehen zu haben, DAS ist doch der Kracher.

Irgendwann wieder ins Lavvu, irgendwann in den Schlafsack. Leider war die Isolierung durch die Felle und Decken auf nicht so super, weswegen es erst von unten kalt durchkroch. Und als alle zweieinhalb Stunden auch der Bollerofen nachgefeuert werden musste war das Abenteuer Lavvu auch irgendwie ein richtiges Abenteuer. Halbseitig gar und halbseitig durchgefroren, mit schmerzenden Knochen kriechen wir am nächsten Morgen aus dem Lavvu und merken, das wir nicht mehr die Jüngsten sind. Man miss dazu sagen: Jules hat uns seine ausgebaute Scheune angeboten, wegen kalt und so. Wir wollten das mit dem Lavvu aber unbedingt.

Im Hellem zeigt sich nochmal das Besondere von diesem Ort: halb Werkstatt, halb Atelier, auf dem Grundstück stehen in VW T3, ein Lada Niva, ein alter Defender und ein Käfer, verschiedene alte Motorräder, überall Motorhauben, Nummernschilder und Kunst von Jules. Dazwischen Hühner, Tauben, Hunde (endlich wieder Hunde knuddeln! Ein wenig bin ich ja auf Entzug) und Jules mit seiner Frau und den fünf Kindern. Ein schöner Ort mit netten Menschen. Wenn man auf der Durchreise ist oder in und um Alta Urlaub machen will eine Topempfehlung.

Von Alta aus fahren wir über die E6 Richting Norden bis Skåldi. Die Strecke ist ein einziges Weiss. Links und Rechts der Strasse türmt sich der geräumte Schnee bis zu 1,5 Meter hoch, egal in welche Richtung man guckt, alles ist mit einer dicken Schneeschicht bedeckt. Hier und da lugt ein kahler Baum oder ein schwarzer Felsen aus dem Weiß – ansonsten nur Schnee. Soviel Schnee und soviel Weiss habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Völlig irre.

Bei Skåldi biegen wir ab auf die 94, und schlängeln uns am Reparfjorden entlang nach Hammerfest. Bei Kvalsund, kirz vor Hammerfest überspannt eine spektakuläre Brücke den Beritsfjord. Eine klassische Hängenbrücke, zwei hoch hinaus ragende Pfeiler an den dieBrücke mit in M-Form gespannten Seilen aufgehangen ist. Die Strasse führt an der Felswand im 90-Grad-Winkel auf die Brücke zu, biegt unmittelbar am Plattformbeginn unterhalb der mächtigen Seilverankerungen ab auf die Brückeplattform. Auf der genüberliegenden Seite genau dasselbe. Unglaubliche Brückenkonstruktion, wunderbar elegant und in der Fjordkluft nicht nur praktisch sondern sehr elegant eingepasst. Ein bisschen bin ich verliebt (entschuldige Mülheimer Brücke, du bleibst mir natürlich die liebste Hängebrücke).

In Hammerfest wird Hinne Mitglied der Royal Polar Bear Society, etwas, was er bereits 2016 werden wollte, wir den Abstecher aber nicht gefahren sind. Hätte man mir damals gesagt, was für eine schöne Brücke dort ist, ich wäre mitgefahren.

In Hammerfest vertreten wir uns ein wenig die Beine und machen uns dann auf den Weg zurück. Hammerfest ist quasi eine Sackgasse weswegen wir wieder bis Skåldi fahren, dort links auf die E6 abbiegen. Dort bleiben wir allerdings nicht wirklich lange, in Leaibevuotna am Olderfjorden auf die E69.

Die E69 hat mich 2016 bereits gecatched, jetzt ist sie der Knaller. Wir haben Sonnenschein in Wechsel mit tiefschwarzen Wolken bis auf den Meeresspiegel aus den es permanent schneit, die Strasse schlängelt sich die ganze Zeit am gigantisch großen Porsangerfjorden entlang mit ständigem Blick auf die Inseln und die gegenüberliegenden Berge des Lille Porsangfjellet. Unterbrochen wird dieser Blick 3 langen Tunneln, der längste der berüchtigte Nordkapptunnel, insgesamt 6,8 Kilometer lang mit bis zu 10% Steigung/Gefälle. Wie die meisten Tunnel in Norwegen durch die ich gefahren bin sind auch die Tunnel auf der E69 einfach in den Stein gehauen mit unverschalten, rohem Felswänden überall. Durch die starken Temperaturwechsel beschlagen Scheibe und Aussenspiegel – und da diese stark ausgekühlt sind gefriert dieser Beschlag sofort. Eine Herausforderung.

Am Ende kommen wir in Honningsvåg an, finden unser vorgebuchtes AirBnB, ein kleines Einraumstudio mit eigenem Bad, machen noch einen kurzen Spaziergang durch den Ort zum Beine vertreten und frische Lift schnappen und gehen dann zurück um Pläne für die nächsten Tage durchzudenken, etwas zu kochen und nach der letzten abenteuerlichen Nacht heute eine hoffentlich geruhsamere zu haben.

Morgen geht es dann zum Nordkapp. Und ab da nur noch Richtung Süden der Sonne entgegen.

Ein Gedanke zu “Tag 7 – Alta bis Honningsvåg

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