Tag 21 – Wasser? Das vom Himmel fällt?

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Keilriemen gewechselt

Ich hab ganz hervorragend geschlafen. Das war wichtig, denn für heute habe ich mir schwere ToDos gesetzt. Zum einen muss der Keilriemen gewechselt werden und zum anderen muss ich mir Gedanken machen, wo es mich für die nächste Zeit hinzieht.

Also schlafe ich ausreichend aus und gehe in der Bar des Campingplatzes frühstücken. Es gibt Buffet, das sich sehr an mitteleuropäischen Standards orientiert. Trotzdem gibt es diesen weißen Balkankäse, diese obergut schmeckenden Tomaten und natürlich auch diese in Fett ausgebackenen Pfannkuchen. Sagen wir es mal so: ich bin für die Tagesaufgaben gewappnet.

Während ich esse, darf ich gezwungener Maßen deutsche Selbstherrlichkeit in all ihrer Schönheit beobachten: die Übermutti diskutiert, ob der reguläre Frühstückspreis (7,50€ all in) für ihre Kinder nicht zu viel sei, es seien ja Kinder (die so Grundschulalter haben), bekommt einen Nachlass und lässt die Brut dann den Teller so voll ballern, dass ich bereits vorher weiß, dass die Kinder das nicht essen werden, ich hätte diese Mengen nicht geschafft; da wird über fehlendes Diesdas gejammert und über die Reinigungskräfte geschimpft. Es ist…ziemlich deutsch um mich rum, die anderen Nationalitäten, die hier zu Gast sind machen nicht so ein Affentheater.

Ich schalte irgendwann ab, pfeife mir noch einen Kaffee rein und gucke dem Regen draußen vor dem Fenster zu. Regen? Ja. Wasser, das vom Himmel fällt und die Temperaturen deutlich senkt, wir liegen nur bei um 20°. Verrückter Temperatursturz.

Als der Regen aufhört, kehre ich zum Auto zurück. Der Keilriemen muss gewechselt werden, der quietscht schon länger beim Losfahren, ließ sich durch Spannen aber immer zum Schweigen bringen. Seit der Fähre quietscht er auch beim Schalten und jetzt reicht es. Ich habe noch einen in Ersatz, der liegt seit ich losgefahren bin im Beifahrerfußraum und kommt jetzt drauf. Ist natürlich die Campingplatzattraktion, Haube auf, Maulschlüssel-Geklapper und Knarrengeratsche. Ist aber halt auch nur eine Sache von fünfzehn Minuten, die Schrauben der Lichtmaschine am Spanneisen lösen, die Schraube der LiMa am Motorblock lösen, LiMa ankippen und den alten Riemen abfummeln (der war etwas kurz und saß dadurch knapp, der neue ist länger), neuen Riemen drüber, LiMa in Position ruckeln, am Motorblock locker anschrauben, am Spanneisen unter Spannung festschrauben und dann am Motorblock festziehen. Kurz Probelaufen lassen, sieht alles gut aus.

Neben mir ist Aufbruchstimmung, sowohl die deutsche Familie im T4 als auch die niederländische im WoMo werden vom Regen bzw der Endlichkeit ihres Urlaubes vertrieben. Bisschen schade, hat sich eigentlich ganz gut angefühlt aber ja auch einfach die Realität von Herumreisen.

Inzwischen zieht wieder Regen auf, ich sitze erst unter dem Vordach des Zelts und lausche dem Getropfe, irgendwann wird es aber so viel, dass das Wasser vom Boden aus auch zu mir spritzt, ich kletter hoch ins Dachzelt und da der Regen sowohl das WLAN als auch das mobile Internet zu stören scheint und somit ToDo 2 des Tages nur schwer möglich ist, mache ich erst einmal ein Nickerchen. As der Regen sich legt, geht das Internet auch wieder einigermaßen. Was leider nicht geht ist, das Heimspiel des magischen FCs zu gucken, ging Sky letzte Woche im Eagle‘s Nest noch, so weigert es sich jetzt, mich irgendetwas gucken zu lassen. So bleibt mir leider nur der Ticker, allerdings habe ich dadurch viel Zeit, um auf die Karten der Länder hier zu gucken, und mir Gedanken zu machen.

Und ich komme zu einem Entschluss. Ich werde nicht durch jene Länder Richtung Nordwesten fahren, die ich auf der Hinfahrt bereits besucht habe. Ich werde weiter Richtung Osten fahren und dann in einer großen Schleife wieder hoch und zurück. Also jetzt erst einmal Richtung Nord-Mazedonien um nach Bulgarien zu kommen, von dort hoch nach Rumänien und dann Richtung Ungarn. Das dürfte mein Zeitfenster ganz gut füllen. Ausschlaggebend waren für mich am Ende mehrere Gründe: als kleiner Fan der sozialistischen Moderne ist vor allem Bulgarien spannend, hier steht einfach noch viel Brutalismus-Architektur, außerdem sind, zumindest als ich das letzte Mal hier lang fuhr, noch sehr viele dieser heroischen Denkmäler vorhanden und intakt. Da hab ich ein bisschen Bock drauf ohne jetzt groß vorab Locations zu recherchieren, ich werde eher gucken, was so auf dem Weg liegt. Ein weiteres Plus für diese Route wäre die Möglichkeit, vielleicht in Mirceaurea Ciuc vorbeizuschauen. Hier betreibt der Tierschutzverein BrunoPet ein Hundeshelter mit Kastrationsprojekt, und hier kam unser im März verstorbener Hund Maric her. Irgendwie fühlt es sich schön an, seinen Geburtsort zu besuchen und das Tierheim, von der er aufgepäppelt wurde, kennen zu lernen. Und dann lockt in Rumänien noch ein Double, das ich bisher nicht geschafft habe: die beiden Hochstrassen Transfagarasan und Transalpina in einem Rutsch zu fahren. Den Transfagarasan sind Katrin und ich bereits 2018 im Rahmen der 20Nations-Rallye gefahren und waren ultraverliebt, die Transalpina hatte da leider nicht ins Timechart gepasst. Naja. Und damit hatte diese Route ein paar fette Plus, auch wenn auf der, ich nenne sie mal „Adria-Route“ einige sehr spannende LostPlaces gewesen wären.

Jetzt geht es morgen also Richtung Nord-Mazedonien – again. Deren Einreisedatenbank wird wahrscheinlich explodieren. Um nicht über den Kosovo fahren zu müssen (ich habe keinen Bock auf dieses an der Grenze eine Versicherung kaufen müssen), werde ich die Route über die Stadt Krushevo nehmen, und damit dieselbe Strecke, die Katrin und ich damals gefahren sind. 2018 war das eine Horrorroute, die Straße war in katstrophalem Zustand, der Verkehr die Hölle und das Sicherheitslevel (also sowas wie Leitplanken in schwindelerregender Höhe) sehr überschaubar. Ich war damals nach dieser Strecke sehr abgekämpft, auch bei anderen Rallyeteams lagen nach dieser Etappe die Nerven komplett blank, Katrin ertrug die Fahrt irgendwann nur noch mit geschlossenen Augen. Ich bin mittlerweile deutlich routinierter mit dem Auto, ich hab ein deutlich besseres Gefühl für die hiesigen Verhältnisse, ich bin sehr gespannt, was da auf mich zukommt. Und ich will ehrlich sein, ein bisschen nervös macht mich diese Tagesplanung für morgen durchaus.

Den Abend verbringe ich im Restaurant am Platz, ich esse mit ordentlich Knoblauch marinierten und gebackenen Käse, Bivteki und Kartoffeln. Richtig üppig sind die Portionen nicht, es reicht aber und kostet dafür auch nicht viel. Ich werde heute früh ins Bett gehen um morgen fit zu sein und auch früh loszukommen. Das wird morgen ein langer Tag.

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