Tag 10 – Der Tag, an dem wir eigentlich nix erlebt haben

Dieser Montag fängt früh an. 07:45 Uhr klingelt der Wecker. Richtiger Montag halt. Die Werkstatt hatte Freitag gesagt, wir sollen um 08:00 Uhr da sein. Hatten wir so verstanden. Also fahren Micha und Matthias dorthin – um festzustellen, das es keine gemeinsame Begutachtung des Autos gibt. Wir werden weggeschickt, man rufe uns an wenn feststeht, was gemacht werden muss. Alles irgendwie mit Händen und Füssen kommuniziert.

Also zurück zum Platz, gefrühstückt, Blogbeitrag für gestern geschrieben und etwas rumgehangen. Und festgestellt, dass die Ameisen jetzt am Zelt von Katrin und Matthias sind. Genau da, wo die Kühlbox steht. Also zieht diese wieder um und wandert auf ihren Platz in Michas Wagen. Inklusive des Landstroms, den verlegen wir auch dorthin. Wir versuchen gegen 13:00 Uhr die Werkstatt zu erreichen, die machen aber Mittag. Kurz danach fängt es an zu donnern, ein heftiger langanhaltender Schauer folgt. Mitten in diesem Schauer dann der Anruf aus der Werkstatt: wir können das Auto abholen. Wir sind etwas irritiert – sollten wir nicht vorher über den Kurs reden?

In einer Regenpause machen sich Micha und Matthias zu Fuss auf dem Weg. Der Volvo steht schon wieder draussen, man erläutert uns mit Händen und Füssen und GoogleTranslator das Problem (irgendwas mit vorderes und mittleres Kardanwellengelenk seien nicht in einer Flucht gewesen) und versichert uns, das jetzt alles okay und die Weiterfahrt somit kein Problem sei. 158€ später sind wir raus und sowohl über Reparaturgeschwindigkeit und Preis überrascht. Das hätte deutlich länger dauern können – und deutlich teurer sein können.

Zurück zum Campingplatz, dort kurze Lagebesprechung. Heute fahren wir nirgendwo mehr hin, bis wir alles zusammengepackt haben können wir ja fast schon wieder aufbauen. Und dem Ziel, aus dieser Region zu kommen kämen wir damit auch nicht näher. Also noch eine Nacht auf dem Platz und morgen früh auf die Bahn Strecke machen. Endlich kann es weiter gehen.

Den Abend verbringen wir in der Altstadt von Finalborgo. Wir essen lecker und klettern anschließend auf den Festungsberg und schlendern durch die sehr vollen Gassen. Italien hat ab heute die Corona-Maßnahmen wieder verschärft, auf öffentlichen Plätzen und in Menschenmengen muss Maske getragen werden. irgendwie hält das die Menschen aber nicht vom Leben auf der Strsse ab, viele Künstler unterhalten große Menschenmengen. Wir streifen durch die leeren Seitengassen und bewundern die alten Häuser.

Tag 9 – der Tag, an dem wir 🥐🙂🛣⛰😧☹️⛰😅🛣😳😁🤓🛣🍕😋🛣⛺️🐜😤🤷‍♂️😴😴😴

Direkt vorab: dank einem Tip von Rudy hier im Blog wissen wir jetzt, was die Superschurken-Villa von Tag 10 in Wirklichkeit gewesen ist. Das sind die Überreste der Diskothek Domina. … Weiterlesen von Tag 9 – der Tag, an dem wir 🥐🙂🛣⛰😧☹️⛰😅🛣😳😁🤓🛣🍕😋🛣⛺️🐜😤🤷‍♂️😴😴😴

Tag 4 – der Tag, an dem wir entdeckten, das der E30 ein Dach hat

vom Dorf Tirol bis Campeggio Pradella in Sondalo

gefahrene Strecke: 220km

Start um 09:30 Uhr, Ende um 18 Uhr

getankt 19l

Pausen: einmal Jungspipi am Bach, 30 Minuten Hotel Paradiso, einen Drohnenflug, einmal Batterieprobleme für unsere Kühlbox lösen, Reschensee 30 Minuten, zwei mal Stelvio wegen Aussicht und Bremsen-CoolDown

Den Tag konnten wir beginnen, indem wir uns bedienen lassen. Zum Zimmer gehörte auch ein Frühstück, einen Großteil davon bekamen wir vom Betreiberehepaar an den Tisch gebracht. Danach starteten wir entspannt Richtung Martelltal. Dort sollte der erste Spot des Tages, eigentlich ja des Vortages liegen. Das Hotel Paradiso, ein von den italiensichen Faschisten als Erholungsort gebautes Hotel ganz am Ende des Martelltals. Dank des Unwetters ist es Morgens noch angenehm frisch, der E30 stand im Carport, der 145er draussen im Schatten und ist noch voller dicker Wassertropfen. Ein paar Mal Gas gegeben, ein bisschen zügig durch die ersten Kurven gefahren und die Wassertropfen sind angeschüttelt. Ziemlich direkt zu Beginn durchfahren wir die Stadt Meran. Sie lebt vom Skitourismus, ist aber voller alter Jugendstilhäuser. Südtirol-like ist es zwar irgendwie Italien, fühlt sich aber trotzdem alles auch irgendwie deutsch an.

Hinter Meran beginnen die Obstplantagen. Sie säumen den ganzen Vormittag unseren Weg. Irgendwann durchfahren wir auch das Ötztal, Fundort der berühmten Gletscherleiche. Nichts desto trotz war uns das keinen Stop wert. Wir folgen der SS38 bis Goldrain, dort biegen wir südwärts ab und fahren ins Martelltal.

Die Strecke hatten wir vorab nicht wirklich recherchiert, es geht auf einer engen Piste munter rauf und runter, ein ganzer Haufen Serpentinen, rechter Hand immer wieder ein Gebirgsbach an dem wir nach einiger Zeit halten und kurz die Füsse abkühlen. Die Strasse bohrt sich immer weiter ins Tal, längst sind die Obstplantagen von Nadelwald abgelöst worden. Richtung Zufrittsee, einem aufgestautem Bergbach, geht es mit bis zu 14% Steigung immer weiter hoch. Wir haben wenig anderen Verkehr, können unseren eigen Strich fahren und genießen Landschaft und Strecke.

Bis wir kurz hinter dem wirklich malerischem See auf den ersten Parkplatz mit Warnwesten-Kassierer stoßen. Rappelvoll. Und so geht es das ganze Tal über weiter. An einer Einbuchtung, wirklich den Namen Parkplatz nicht wert halten wir kurz um einige Drohnenaufnahmen zu machen. Grade fertig hält einer der Warnwestler mit deinem ziemlich runtergerocktem Panda 4×4 bei uns und will pro Auto 5€ Parkgebühr kassieren. Wir können glaubhaft versichern, wir würden nicht parken sondern dem Auto eine Verschnaufpause gönnen. Wir fahren weiter hoch ins Tal in der Hoffnung, dass diese vollen Parkplätze mit Warnwesten aufhören. Leider ist das nicht der Fall. Das Martelltal scheint beliebter Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen in den Nationalpark Stilfser Joch zu sein. Kein Wunder, das Tal selber und die Umgebung drumherum ist supermalerisch, die hinter gelagerten Berge atemberaubend. Die ganze Schönheit erschliesst sich wahrscheinlich wirklich nur wandernd, gemessen an den Parkplätzen am Ende des Martelltals tritt man sich dort aber mit anderen die Füsse kaputt. Ganz am Ende der befahrbaren Strasse ist ein Wendehammer, von dort sind es noch gut 500 Meter bis zum Faschistenhotel. Wir simulieren wieder einen Hitzekollaps beim 145er der hilfsbereit mitspielt und checken kurz das Hotel aus. Das ist wirklich Lost, niemand der Wandernden verirrt sich dorthin und außer ein paar Kühen ist dort niemand. Das Hotel selber eher unscheinbar, bei Kühen offensichtlich sehr beliebt, denn die verteidigen dieses und ihre Weide ausgiebig. Uns passiert aber nichts.

Von dort fahren wir Richtung Reschensee, auch eigentlich im Plan von Gestern. Kein LostPlace, aber ein spannendes Fotomotiv. Der Reschensee auf halber Strecke des Reschenpasses liegend ist eine Stauung. Durch die Stauung wurde das Dorf Resch (damals noch ohne Zuname „am See“) überschwemmt. Heute guckt nur noch die Kirchturmspitze aus dem Wasser und ist natürlich ein Touristenmagnet. Trotzdem wollten wir uns das geben. Der Reschenpass selber schwingt weitläufig durch Weide- und Wildwiesen, zumindest der südliche Teil. Schön zu fahren, relativ anspruchslos aber mit netten Panoramen. Oben angekommen treffen wir auf Parkplatzchaos, deswegen machen wir schnell unsere Fotos, ein paar Drohnenaufnahmen und schwingen uns dann den gleichen Weg wieder zurück.

Erstmal müssen wir jedoch Zwangspause einlegen: das elektronische SetUp im 145er mit Zweitbatterie funktioniert nur wenn wir zwischendurch an Landstrom kommen. Das war in der Pension nicht möglich und so lief die Kühlbox die ganze Nacht auf der Zweitbatterie. Und hat diese ziemlich leergesaugt. Und damit hat unsere Lichtmaschine einige Schwierigkeiten. Nach einigem Hin und her wird folgende Lösung umgesetzt: aus dem E30 fliegt die Rücksitzbank raus und wird im 145er gelagert und die Kühlbox wandert in den E30. Ab sofort wird dort auch wieder gekühlt. Unser nächstes Ziel ist die Region um den Gardasee. Dafür gäbe es die Möglichkeit, bis Meran wieder zurück zu fahren und dort die Autobahn zu nehmen. Das würde bedeuten, sich wieder auf die SS38 hinter LKW zu klemmen. Attraktiv klingt das nicht, die etwas längere Ersatzroute dafür schon: bei Schluderns auf die SS41, eine superenge Strasse durch mittelalterliche Dörfer bis zur Schweizer Grenze.

Dort werden wir anstandslos durchgewunkenund biegen bei Santa Maria im Münstertal auf den Umbrailpass ab. Einst war der Umbrailpass für venezianische Handelsleute wichtiger Verkehrsweg von Mailand nach Innsbruck. Mit Beginn der Neuzeit verliert der Pass seine Bedeutung, mittlerweile wird er noch regional und touristisch, hier vor allem von Motorradfahrenden, genutzt. Der Strassenverlauf ist supereng, häufig trennen die entgegenkommenden Autos nur ein, zwei Handbreit zwischen den Spiegeln (und das auch tendenziell nur, weil der 145 und der E30 im Vergelich zu modernen Autos ziemlich schlank sind). Wenn kein Platz mehr ist muss einer warten oder zurücksetzen. Überraschend viele Porsche sind unterwegs, überhaupt ist die Porschedichte auf Passstrassen prozentual zu allen anderen Strassen enorm. Enorm ist auch das Unvermögen der Besitzer (bewusst männlich) ihre Porsche über die Passstrassen zu bewegen. Mehr als einmal kommt uns in der Serpentine ein Porsche auf unserer Spur entgegen weil der „Enge-Kurven-fahren-Assistent“ offensichtlich auch gegen Aufpreis nicht zu kaufen war. Wir überstehen die Begegnungen schadlos, es könnte sein, dass vor allem Matthias den Wortschatz der Porschefahrer um einige liebenswürdige Anmerkungen erweitert hat.

Der Umbrailpass selber schraubt sich in immer rauhere und schroffere Felslandschaft. Jede Kehre eröffnet eine neue Perspektive, mit jedem Höhenmeter wird das Panorama beeindruckender. Kurz vor dem höchsten Punkt des Passes, verlassen wir die Schweiz wieder und reisen ohne Grenzkontrollen nach Italien ein. Und einige Meter später verlassen wir auch den Umbrailpass. Eine Abfahrt (Auffahrt wenn man vom Süden kommt) gibt es nämlich nicht. Der Umbrailpass mündet südlich knapp unterhalb der Steigungskehre des Stilfser Jochs/Passo di Stelvio auf eben jenen. Und diesen fahren wir jetzt Richtung Süden bergab. Den Stelvio bin ich bereits im Rahmen des European Mountain Summits 2018 gefahren, ein wirklich phänomenaler Pass durch ultrabeeindruckende Berglandschaft. Jetzt noch einmal eine Hälfte davon mitnehmen zu können macht Spass. Irgendwo auf der Hälfte müssen wir noch einmal eine Bremsen-Cooldown-Pause machen, auf die Erfahrung von zu heissen Bremsen und null Bremswirkung können wir gerne verzichten.

Leider wird der Himmel um so weiter wir ins Tal kommen immer grauer, die Strasse immer feuchter und irgendwann fängt es an zu tröpfeln. Im 145er garnicht so schlimm, immerhin sinken zeitgleich auch die Temperaturen, im E30 Cabrio hat Micha hingegen die Erkenntnis, das die Challenge diesen Urlaub oben ohne zu verbringen wahrscheinlich ins Wasser fallen wird. Und so kommt es wie es kommen musste, im Tal ist Schluß mit Cabrio und das Stoffdach wird geschlossen. Wir fahren durch Bormio, das hatten wir uns als Etappenziel für heute rausgesucht (und endlich mal geschafft!) und suchen uns einen Campingplatz. Der erste an dem wir vorbeikommen strotzt vor Camping-Spießigkeit, wir fahren weiter und landen auf genau dem Campingplatz, auf dem Hinne und ich nach dem Stelvio auf dem EMS 2018 bereits geschlafen haben. Es regnet immer noch, wir bauen als erstes das Tarp auf um einen trockenen Platz zu haben und machen uns dann an die Zelte. Bis wir mit denen fertig sind hat sich auch der Regen verzogen, wir genießen das Flussrauschen und grillen noch etwas. Morgen geht es dann Richtung Gardasse.