Tag 32 – nochmal Strecke machen

Vom Gokart Hotel zum Kamp Steska (Studence)

540km

49l getankt

Gutes Frühstück, eine sehr heiße Dusche und bedeckter Himmel rahmen den Start in diesen Tag. Dicke Wasserflecken auf dem Lack zeugen davon, dass es die Nacht ausgiebig geregnet haben muss. Die Entscheidung für das Hotel war also nicht ganz verkehrt.

Gestern Abend habe ich noch einen Aufruf für Musikspenden für eine neue Playlist gestartet. Beim Kilometerfressen kam ich an die Endlichkeit meiner Playlisten und brauche neuen Input. Bereits zur Wintertour hat das gut geklappt und eine amüsante Playlist generiert, ich setzte darauf, dass das auch diesmal so ist. Bis zum Morgen sind bereits sieben Stunden Musik (okay, mit zwei Podcastfolgen a eine Stunden) zusammen gekommen, im Laufe des Tages füllt sich die Liste immer mehr. Fettes Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben, ihr macht mir damit eine wirkliche Freude! Wer noch die eigenen Autofahr-Hits beisteuern möchte, kann dies unter diesem Link gerne noch machen.

Ich starte die Playlist im Shuffle-Modus und direkt der erste Song ist „The greatest song in the world“. Wenn das nicht mal nen Opener ist?! Ich muss sehr grinsen und rolle vom Hof an der Kartbahn vorbei. Da ist schon wieder heftiger Betrieb, eine zweite Schlappe habe ich mir heute Morgen erspart.

Ich habe gestern hin und her überlegt und geplant, eigentlich wollte ich aus dem Regen raus und in die Sonne zurück, das bedeutete auch, dass ich eine Strecke raus aus Rumänien planen musste. Dann da regnet es die ganze Zeit. Ich hatte Ljubljana ins Auge gefasst, Campingplätze im Stadtbereich gibt es nicht, ich habe nach AirBnBs und Hotels geschaut um vielleicht zwei Tage in der Stadt zu machen. Das gestaltete sich aber alles absurd teuer, das war ich nicht bereit zu zahlen. Also habe ich nach einem Campingplatz nach meiner Fasson gesucht, gleichzeitig die Katastrophenkarten im Blick gehabt. Ziel des Tages ist jetzt Kamp Steska, danach will ich Richtung Soca-Tal weiter.

Vom Hotel bis zur Autobahn ist es ein Katzensprung und ich klemme mich bei sehr bewölktem Himmel, über 30 Grad und immer wieder runterkommenden Schauern auf die Autobahn. Gute 500 Kilometer weit. Wie gestern gibt es hier eigentlich nichts zu berichten. Autobahn fahren ist halt Autobahn fahren.

Das Gute an Autobahn fahren ist aber ja auch, dass man wenig abgelenkt ist. Ich hänge ein bisschen meinen Gedanken nach. Ich hatte als größte Herausforderung angenommrn, dass das Alleine sein ein dicker Brummer sein würde. Abgesehen davon, dass ich im Supermarkt manchmal aufpassen muss, nicht laut mit mir selber zu reden (wo ich zu Hause aber auch Gefahr laufe), komme ich damit gut zurecht. Mein kleiner Mini-Kosmos Auto und Dachzelt, manchmal Hotelzimmer, funktioniert für mich ganz wunderbar, ewig schon habe ich die lauten ToDo-Listen, Überlegungen, Ängste, Sorgen und auch Wut und Stress hinter mir gelassen. Ich treibe im Hier und Jetzt und kann den Blick immer wieder auch auf mich selbst richten. Etwas, was ich mir sehr gewünscht hatte für diese Zeit, wieder bei mir sein, Frieden mit mir machen und mit neuen Erkenntnissen nach Hause kommen. Zurück zu mir zu finden nach vielen Umbrüchen und Veränderungen und unglaublich viel Stress in den letzten Jahren. Und das klappt erstaunlich gut, auch erstaunlich reibungslos.

Seit gut einer Woche, eigentlich seit Nord-Mazedonien klappt aber diese Reise nicht mehr gut. Es ist eine Melange aus dummen Vorkommnissen wie schlechtem Wetter oder völlig überlaufenen Zielen, es ist aber auch fehlende Vorbereitung meinerseits. Ich hatte für nach Albanien keinen Plan. Albanien war irgendwie das Ziel und danach wird schon was Gutes passieren. So ist aus der Idee, sich treiben lassen am Ende ein getrieben werden geworden. Gefühlt schreibe ich in diesem Blog seit Tagen nur noch, dass ich von A nach B fahre. Und so fühlen sich auch die Tage an. Das ist nicht zufriedenstellend. Ich bin mir garnicht sicher, was am Ende ausschlaggebend dafür ist, klar, schlechtes Wetter ist beim Zelten nen echter Grund, woanders hinzufahren. Ich bin aber auch ein bisschen müde, die Länder, die ich jetzt bereise habe ich bereits bereist. Da fehlt vielleicht ein bisschen der Kick. Ich bin hier noch nicht an einem Punkt angekommen, weiß aber, dass die nächsten Tage so für mich nicht funktionieren werden. Da muß ich nochmal ein bisschen Gehirnschmalz investieren.

Was aber klar ist, ist, das ich mich im Prinzip auf dem Heimweg befinde. Ich habe zwei Veranstaltungen übernächstes Wochenende zugesagt, auf beide freue ich mich sehr und sie sind ein wundervoller Abschluss dieser Reise. Auch freue ich mich sehr, dass mich Katrin begleiten wird, das bedeutet, dass wir noch ein paar Kilometer zusammen spulen. Denn das habe ich auch gemerkt, das mache ich lieber mit ihr (wer hier was gegen die Zeit mit Micha rausliest ist schief gewickelt. Mit Micha würde ich auch sofort wieder losfahren. Mit Katrin ist aber was anderes.). Das bedeutet also, dass ich noch gut eine Woche on the road sein werde, dann kurz im Likedeeler-HQ aufschlagen werde um Gepäck und Dachzelt abzusatteln und Katrin einzusammeln und dann los zum grandiosen Finale bei den Deichgrafen und beim Watt‘n Törn von Lars zu machen. Danach habe ich dann einfach noch gut drei Wochen Zeit für Resozialisierung.

Die Grenze verpenne ich fast. Keine Grenzhäuschen, niemand will irgendwas sehen, noch nicht einmal die Maximalgeschwindigkeit wird gesenkt. Entsprechend verpasse ich den Moment für ein Grenzfoto. So mag ich internationales Reisen. Danke Schengen, danke EU. Muss ja bei aller Kritik auch mal gesagt werden.

Was sich aber bereits kurz vor der Grenze andeutet, ist eine Wetterveränderung: der Himmel wird blau, es ist so viel Sonne da, dass ich von normaler Brille auf Sonnenbrille wechsel. Bei Mala Piresica verlasse ich die E57 und fahre Richtung Norden – an meinem geplanten Campingplatz vorbei. Ich fahre noch in den nächstgrößeren Ort, Velenje, um mich mit Getränken und ein paar Essensvorräten zu versorgen. Der Weg dorthin ist ein Flashback. 2020, mit etwas Glück so geplant, dass wir genau in dem ersten Corona-Öffnungszeitraum lagen, waren wir mit Freund:innen in Slowenien unterwegs. Mit dem Daily, deswegen gibt es dazu hier keinen Bericht. Und ich habe mich damals auf Anhieb in dieses Land und seine Straßen verliebt. Kleine, gewundene Landstraßen die sich durch Bergpanoramen mit kleinen Dörfern, die optisch auch in der Schweiz oder Österreich stehen könnten. Dazu sehr herzliche Menschen, leckeres Essen und einige beeindruckende Naturbesonderheiten. Slovenien ist so ein bisschen ein Underdog. Kann einiges, wird von den Meisten aber nur als das Land wahrgenommen, durch das man durch muss, um nach Kroatien zu kommen. Aber vielleicht sollte das auch so bleiben, dann verliert das Land seinen besonderen Charme auch nicht unter den Füßen tausender, nörgelnder Tourist:innen.

Ich bin mit allem, was ich für heute und vielleicht morgen Abend brauche, versorgt und finde den kleinen Campingplatz dank der freundlichen Frau im Radio auf Anhieb. Keine Rezeption, nur eine Telefonnummer, ich soll mir schon mal was suchen. Außer mir nur eine alte G-Klasse mit Dachzelt hier, wunderbar neue Sanitäranlagen. Später kommt noch ein Pärchen im T6. Mit schönem Blick auf die umliegenden Berge koche ich mir etwas zu essen, mache den Abwasch und werde von Regentropfen überrascht. Nur wenige. Da hat Slovenien mich mal kurz hopps nehmen wollen. Es bleibt aber trocken, ich sitze lange vor dem Auto und beobachte, wie die Dunkelheit über die Berge zieht. Die seit Wochen omnipräsenten Grillen zirpen hier ein sehr hochfrequentes Lied, ich höre einen Uhu (oder sowas), auch andere Tierlaute (ich meine auch Wölfe zu hören) sind immer wieder aus dem Wald zu hören. Die Luftfeuchtigkeit nimmt zu, gleichzeitig zieht eine frische Kühle aus dem Wald auf den Platz. Ich mag diese Stimmung, das ist etwas besonderes. Insbesondere weil kaum Streulicht zu sehen ist, keine Geräusche von anderen Menschen das natürliche Konzert der „Stille“ stören.

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