Von Kamp Stesca zur Penzion Kamp Klin (Soca)
214km
21l getankt
Es war eine traumhafte Nacht. Nichts zu hören außer Naturgeräuschen, angenehm frisch und ein beeindruckender Sternenhimmel. Ich komme auch ohne Wecker früh aus dem Bett und mache mich auch relativ direkt auf den Weg. Eigentlich wollte ich heute das Partisanen-Hospital besichtigen, einen Ort, an dem ich 2020 bereits war und der mich sehr beeindruckt hat. Während der Besetzung durch Nazi-Deutschland kämpften in Slowenien internationale Partisanen-Verbände (natürlich aber hauptsächlich slowenische). In einer eigentlich so gut wie nicht begehbaren Schlucht haben diese ein Krankenhaus eingerichtet, gut gesichert durch die Unwegbarkeit der Schlucht und zusätzlich durch versteckte MG-Nester. In diesem Krankenhaus, dass auf dem Stand der damaligen Technik war und sogar mit einem Röntgen-Gerät ausgestattet war, wurden verletzte Genossen – aber auch Wehrmachtssoldaten – versorgt. Alles, was dort eingesetzt wurde, musste zu Fuss durch die Schlucht getragen werden. Ein, wie ich damals fand, beeindruckendes Beispiel für die Widerständigkeit der Menschen gegen den Faschismus. Leider ist das Hospital auf Grund der Wetterereignisse hier in Slowenien zur Zeit geschlossen.

Alternativ hatte ich mich bei der Campingplatzbetreiberin erkundigt, ob es möglich sei, in das Logartal zu fahren, sie meinte, dass sei kein Problem. Die freundliche Frau im Radio weiß Bescheid, und ich mache mich auf den Weg. Bald schon fahre ich – über bereits geräumte – Straßen, wo links und rechts die Folgen der Überschwemmungen noch zu sehen sind. Alles im Vergleich zum Ahrtal deutlich ordentlicher, das Wasser hatte hier viel Platz und konnte dadurch nicht diese endlose Gewalt aufbauen. Ab Grusovlje wird es aber immer mehr, als ich Ljubno ob Savinji an einem großen Anlaufpunkt für – mutmaßlich – freiwillige Helfer:innen vorbei komme, drehe ich um. Ich stehe hier potentiell im Weg rum, niemand braucht Tourist:innen, wenn einem grad das Haus abgesoffen ist. Zugänglichkeit zu einem schönen Tal mit Wasserfällen und so hin oder her.

Ich fahre über die Dörfer Homec, Brdo, Smartno ob Dreti, Vologa und andere nach Bransko an der A1. Es ist eine wunderbare Strecke über kleinste Wege durch unglaubliches Alpenpanorama. Ab Vransko nehme ich die größere 414 Richtung Westen, wechsel in Kamnik auf die 413, umfahre so die Hauptstadt Ljubljana und schlängel mich danach über weitere Landstrassen immer an der A2 entlang Richtung Hrusic. Es ist eine Fahrt durch ein fast pausenloses Alpenpanorama, immer wieder parallel zu Flüssen und durch kleine Örtchen. Ab Hrusic betrete ich über die 201 den Triglav Nationalpark.

Der 838km2 große Nationalpark an den Grenzen zu Österreich und Italien liegt mitten in den julischen Alpen deren Name auf Gaius Iulius Caesar (der Caesar, dessen „Gallia est omnis divisa in partes tres…“ und der ganze Rest des „Commentarii de bello gallico“ mich in der Schule zur Verzweiflung trieben) zurück geht. Der hatte hier plus ein bisschen Land links und rechts das Municipium Forum Iulii eingerichtet, geblieben ist der Name für diesen Alpenteil (und natürlich ein paar Städte in der Gegend). Die julischen Alpen sind eine schroffe Gebirgskette mit vereinzelten Kargletschern (Eisgletschern, die sich in sonnengeschützten Mulden bilden). Der dem Nationalpark seinen Namen gebende Gipfel, der Triglav, ist 2864m hoch und für die slowenische Identität so wicjtig, dass er das Nationalwappen als zentraler Bestandteil ziert. Außerdem ist er auf der Nationalseite der slowenischen 50-Cent-Münze.

Mitten durch das Massiv der julischen Alpen führt die 206 über den Vraicpass, dem höchsten befahrbaren Bergpass Sloweniens. Seine Passhöhe liegt bei 1611m. Der Pass wurde 1915-16 als Militärstraße Österreich-Ungarns durch russische Kriegsgefangene gebaut, bei einem einzigen Lawinenunglück kamen über 400 von ihnen ums Leben. An sie gedenkt auf der Nordseite die „Russen-Kapelle“. Die aktuelle Strasse folgt nur noch grob dem historischen Verlauf, insbesondere die Südseite ist neu angelegt, trotzdem sind noch viele der 50 Serpentinen mit Kopfstein gepflastert.

Ich hatte die Strasse als anspruchsvoll in Erinnerung, beim letzten Mal bin ich sie mit unserem Daily von Süden kommend gefahren. Die Nordseite hat jedoch die Serpentinen, die auch die heftigste Steigung haben. Mit ein bisschen Schwung und teilweise im ersten Gang ziehen der 145 und ich aber zügig den Berg hoch, stoppen hier und da aber für ein Foto. Zu spektakulär ist die Aussicht.

Die Abfahrt gehe ich ruhig an, sowieso oberstes Gebot wenn man mit dem 145 in den Bergen unterwegs ist. Zwar hat der Volvo bereits Scheibenbremsen rundum, allerdings sind diese nicht wie moderne Bremsscheiben innenbelüftet. Das bedeutet, dass sie zum Aufheizen neigen und das bringt zwei Gefahren mit sich: zum einen könnten die Bremsklötze verglasen und somit tendenziell keine Bremsleistung mehr haben, zum anderen, und das ist die deutlich schneller eintretende Gefahr, erhitzt sich zwangsläufig auch die Bremsflüssigkeit, dadurch können sich Dampfblasen bilden und damit hat man keinen ausreichenden Bremsdruck mehr. Beides führt auf jeden Fall dazu, dass man nur noch notfallmäßig die Handbremse reißen kann. Hatte ich einmal im Rahmen der Lost in the Alps Tour, fand ich sehr eindrucksvoll und brauche ich nicht wieder. Deswegen lege ich bei hohen Bergüberquerungen auf den Anstiegen immer eine Cool-Down-Pause ein, wenn möglich mit einem schönem Blick.

Anschließend folge ich der Soca bis zu meinem Platz für die Nacht, einem Campingplatz ohne Parzellen, dafür mit Restaurant (was gut ist, meine Vorräte sind überschaubar). Der Platz besteht aus zwei Wiesen, eine unmittelbar an der Soca, diese ist gerammelt voll. Auf der anderen Wiese ist Platz, ich baue mein Lager auf und gehe etwas Essen. Das frühabendliche Chillen im Campingstuhl muss ich ins Dachzelt verlegen, es fängt an zu regnen und entscheidet sich dazu, auch nicht aufzuhören.

