Tag 34 – blaues Wasser

Mit dem Auto nirgendwo hin

0km

0l getankt

Kein Wecker soll diesen Morgen stören, zwar wache ich gewohnt früh auf, drehe mich aber noch diverse Male um. Irgendwann wird es mir im Zelt aber zu warm und außerdem möchte die letzte Cockta von gestern Abend wieder raus. Das in den 50ern als Konkurrenzprodukt zu Coca-Cola entwickelte Getränk basiert auf Hagebutten der Hundsrose, ist zusätzlich mit Zitronen und Auszügen aus 11 verschiedenen Kräutern versetzt. Im Gegensatz zum Konkurrenzprodukt hat Cockta kein Koffein und auch nur wenig Säure. Für mich bereits auf der letzten Slowenien-Reise ein Highlight. Und es kann sein, dass ich im Supermarkt ein wenig ausgerastet bin.

Einmal aufgestanden frühstücke ich und suche mir aus der App Komoot eine Wandertour für heute raus. Ich bleibe hier eine weitere Nacht und möchte dafür entlang der Soca ein bisschen meine Beine benutzen. Meine Tour wird mich entlang der Soca führen, dann (nicht ganz) hinauf auf den 2347m hohen Bavski Grintavec zur verassenen Alm Lemovje und wieder hinunter ins Tal und zurück.

Von Anfang an begleitet mich das leuchtende Blau der Soca. Die Werbebilder aus den Prospekten? Die lügen nicht. Der Fluss knallt ganz unglaublich. Auf den ersten Kilometern laufe ich an breiten, flachen Passagen, in denen Menschen baden, also zumindest kurz, das Wasser ist saukalt, abgewechselt von superschmalen Schluchten durch die der Fluss reißend schnell fliesst, vorbei. Der Weg verläuft unterhalb der Straße und ist eine Mischung aus Qualitätswanderweg und rutschigem Klettersteig unmittelbar am Rand der Schluchten. Entsprechend aufregend ist dieser Part.

Im Örtchen Soca wechsel ich über eine Brücke die Seiten und mache mich an den Aufstieg. Dieser hat es in sich: im Schnitt 28% Steigung, erst durch dichten Wald, anschließend über weitläufig bewachsenes Terrain und Geröllfelder. Ich habe meine Kondition ein wenig überschätzt. Wenn irgendeine Pore in den letzten fünf Wochen noch nicht geschwitzt hat, jetzt hat sie es. Mehrmals muss ich für Pausen stoppen, ich bin froh, 2,5 Liter Wasser mitgenommen zu haben, bei den letzten beiden Wamderungen, im Teth-Tal zum Wasserfall und zum Kap Tenaro hatte ich zu wenig mitgenommen und musste haushalten.

Das schöne an solch einer Anstrengung ist ja, das man von unglaublichen Aussichten belohnt wird. Für die muss man halt mal einen Berg raufklettern, die gibt es nicht vom Auto aus.

Ab der verlassenen Alm habe ich den Aufstieg hinter mir, meine Beine danken es mir. Der Weg führt über eine große Wildwiese, die Gipfel der umliegenden Berge und das Tal mit der blau funkelnden Soca im Blick. Ein Wald schließt sich an und schenkt Kühle bis der Fluss diesen Job wieder übernimmt.

Ein kleines Stückchen muss ich die 206 entlang laufen, dankenswerterweise nehmen die Autofahrer:innen hier aber Rücksicht auf mich. Entgegen des Routenvoschlages überquere ich die Soca wieder und laufe über den Ort Cresnjica landein zurück und „besteige“ dabei noch den kleinen Berg Glava. Ab dort geht es dann aber zügig bergab und Richtung Kamp Klin. Ich hänge einen Moment durch und erlaube meinen Muskeln wieder in einen Ruhezustand zu kommen, dann gehe ich duschen und lasse mir gegrillte Forelle mit Kartoffeln und Spinat und viel Knoblauch servieren. Ich sitze gemütlich auf der Terrasse bis ein kräftiger Regen einsetzt, der gut eine Stunde anhält. Ich sitze regengeschützt unter einem großen Sonnenschirm was man von meinen Sachen nicht behaupten kann: als ich zu meinem Platz komme, steht in meinen Wanderschuhen das Wasser, auf meinem Campingstuhl ist eine Pfütze und auch das zum trocknen aufgehangene T-Shirt und die Hose sind erneut naß. Naja. Trocknet ja auch wieder und zumindest einen zweiten Stuhl habe ich ja dabei.

Den Abend verbringe ich mit Blogschreiben und dem Licht dabei zu schauen, wie es sich langsam in den Bergen verliert.

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