Tag 1 – Wasser findet immer einen Weg

von Duisburg nach Hamburg

Roadtime 4:50h

km 409

Getankt: 30 Liter

Temperatur: 8-9 Grad bei Regen

Sonnenaufgang Startort 08:20

Sonnenuntergang Zielort: 16:49

Pausen: 1x tanken, 2x Pipi

Reparaturen: Kofferraumklappe von innen abgeklebt

Es ist eine unumstößliche und von uns nicht sehr geliebte Regel auf unseren Trips: am ersten Tag passiert auf jeden Fall irgendein unvorhergesehener und unpassender Unfug. In der Regel am oder mit dem Auto. Radlager, die den Geist aufgeben, Stecker am für die Ladung relevanten Kabel, fehlender Zündfunke…wir hatten das alles schon.

Weil wir aber lernfähig sind, ist unser erster Tag dementsprechend nicht der Tag, an dem wir eine Fähre bekommen müssen, sondern Tag 1 ist der Tag vor der Fährfahrt.

Unser diesjähriges Dilemma fängt aber bereits früher an. Als wir den Volvo 145 Express nach etwas längerer Standzeit aus der Garage holten, mangelte es einseitig an Bremskraft. Nicht nur dezent, die vorhandene Bremskraft riss das Lenkrad brachial nach links. Also ab in die Werkstatt und auf die Bühne mit schneller Diagnose. Der Bremssattel ist durch, Bremsflüssigkeit sifft rum. Kurzer Prozess, der Sattel kommt neu, nebenbei auch die Klötze beidseitig vorne und die Bremsflüssigkeit auch. Außerdem wurde das Öl, das wir standardmäßig fahren, gegen deutlich leichtläufigeres getauscht, das Kühlwasser für bis zu -40 Grad fit gemacht, ein erst bei 92 Grad öffnendes Thermostat verbaut und der gesamte Unterboden noch mit LanoGuard (im Prinzip Wollwachs, also Lanolin) konserviert. Parallel sind unsere beiden Sitze neu gepolstert worden, zwar ist das Leder 2009 mal neu gekommen, allerdings wurde dabei der originale Schaumstoff nicht getauscht. Dieser war mittlerweile völlig durchgesessen, die letzten Male saß man auf dem Fahrersitz schon auf der Metallbespannung.

Und die seit längerem bereits gelöste Kofferraumdichtung gegen eine neue getauscht. Und hier fängt das Problem an: denn der Kleber wollte nicht. Die Dichtung löste sich immer wieder, auch anderer Kleber brachte keine Besserung. Zeitlich befinden wir uns drei Tage vor der Abfahrt, Katrin und Matthias haben beide noch die folgenden Tage Dienstreisen. Eine provisorische Lösung will nicht funktionieren, also wird der Kofferraum verrammelt und nicht mehr geöffnet. Das macht das Beladen durch die Seitentüren etwas nervig, aber es wird funktionieren. Irgendwie. Denken wir.

Außerdem muss noch die Mittelkonsole wieder eingebaut werden, wir hatten die Hoffnung, dass der Sattler, der die Sitze gemacht hat, die retten kann. Das Plastik ist spröde und bricht überall, die nicht originale Konsole wird es nicht mehr lange tun. Der Sattler hatte keine Idee, wie er die Konsole noch retten könnte, es gibt aber unerwartet eine alternative Lösung.

Gestern Morgen also noch ein paar Kleinigkeiten zusammen suchen, die Mittelkonsole einbauen und Katrin noch ein Schaffell auf dem Beifahrerinnensitz befestigen. Und unseren ganzen Kram ins Auto packen. Einsetzender starker Regen offenbart: Das Provisorium funktioniert nicht. Es regnet am Kofferraum rein. Nicht zu knapp. Eine Abdichtung von innen klappt nur bedingt. Also stoppen wir nach der Abfahrt noch beim Baumarkt und kaufen wetterfestes, mit Minustemperaturen kompatibles Gewebeband. Sobald wir das Auto am Zielort des ersten Tages in der Tiefgarage trocken gelegt haben, dichten wir den Kofferraum geklebterweise von außen ab. Hilft ja nix, was anderes bekommen wir so kurzfristig nicht mehr hin.

Anschließend klemmen wir uns auf die Autobahnen durchs Ruhrgebiet und damit in den üblichen Freitagnachmittagsstau. Es gießt in Strömen, durch die undichte Kofferraumklappe dringt viel Feuchtigkeit ins Auto, alle Scheiben beschlagen regelmäßig. So richtig Urlaubs- und Roadtripfeeling kommt noch nicht auf.

Nach 45 Minuten im ersten Gang können wir endlich ein wenig Strecke machen. Die Kilometer spulen sich entspannt ab, der Regen begleitet uns durch ganz NRW und Niedersachsen. Mit dem ersten Knie-Picknick kommt so langsam Stimmung auf, wir hören laut Musik und spulen die A1 ab, bis wir bei den Elbbrücken in die Hafencity abbiegen. Hier parken wir in der Tiefgarage bei Freund:innen, nehmen unser Daypack und freuen uns auf einen entspannten Abend mit leckerem Essen.

Heute geht es richtig los. Nachdem die Kofferraumklappe mit Spezial-Gaffa zugeklebt wurde.

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