Von Camping Carajuan und zurück
Gefahrene Kilometer: 40
Roadtime: 3,5 Stunden
Getankt: nüscht
1x Wanderung
Der Wetterdienst sagte gestern Regen und Gewitter für heute voraus, so ab 13:00 Uhr. Damit war klar: die 7-stündige Wanderung durch die Veron-Schlucht wird es nicht werden. Es wird dringend davor gewarnt, in die Schlucht abzusteigen wenn Regen droht, Sturzfluten und ähnliches können bereits bei gringen Wetterwechseln verursacht werden. Zusätzlich ist die Erde hier durch die Hitze massiv ausgetrocknet und wird deswegen nur bedingt in der Lage sein, Wasser aufzunehmen. Das könnte dann also alles in der Schlucht landen. Und dann will man da nicht sein. Wir jedenfalls nicht.
Deswegen haben wir bereits alles zum Frühstücken vorbereitet, das gesamte Auto ist schon gepackt. Der Wecker klingelt um 05:30 Uhr, mühsam quälen wir uns in die Kälte. Noch scheint der Mond auf den Campingplatz, wir frühstücken und klappen sehr leise das Zelt ein.

Mit den ersten Sonnenstrahlen verlassen wir den Campingplatz und fahren weiter in die Schlucht hinein. Über die D952 fahren wir bis La Palud-sur-Verdon, einem klitzekleinem Dorf, dort biegen wir auf eine Straße bergauf ab. Die D23 führt dicht an den Berg geschmiegt fast 400 Meter hoch aus dem Tal zu seiner Oberkante. Das Panorama ist beeindruckend, beidseitig schroff abfallende Felswände, darunter der für uns kaum sichtbare Fluss.

Am Chalet de la Maline parken wir das Auto und machen uns auf eine kleine, zweistündige Wanderung in die Schlucht. Es ist eigentlich nur ein Hinabsteigen und über denselben Weg wieder aufsteigen, für uns angesichts der Wetterprognose aber durchaus die richtige Entscheidung. Wir verpassen dafür zwar die gut 7 Stunden Wanderung durch den Canyon mit Tunneln, Stiegen und viel Abenteuer, aber wir verpassen auch die Chance auf Unwetter. Denn es gibt auf der 7-Stunden-Wanderung keinen Exit. Hat man sie einmal angefangen ist man unten im Canyon und muß sie zwingend zu Ende machen.

Der Weg runter ist schon eine Herausforderung. Lange, dünne Schotterpfade wechseln sich mit losem Geröll und natürlichen Stein-„Treppen“. Unsere Wanderstöcke geben guten Halt, wir sind sehr froh, die Dinger dabei zu haben. Immer wieder öffnet sich zwischen den Bäumen der Blick in die Schlucht und auf die gegenüberliegenden Felswände. Wir wandern beide jeweils in unserem Tempo, immer wieder warten wir aufeinander.

Unten angekommen ist der Umkehrpunkt an einer Brücke über die Verdon, eine dünne, sehr luftige Spannbrücke aus einzelnen Metalelementen mit einem dünnem Holzsteg. Und wie das bei so Spannbrücken so ist, diese schwingt ausgiebig. Unter ihr ist sehr viel Luft und erst recht spät die Verdon, für mich ist das nichts. Wir müssen die Brücke nicht queren, also bleibe ich diesseits der Schlucht, Fabi geht in Fotomission einmal rüber und zurück.

Es folgt der Aufstieg. Gleicher Weg zurück. Da wir sehr früh gestartet sind, konnten wir den gesamten Abstieg im Schatten zurücklegen, so langsam krabbelt die Sonne aber in den Canyon hinein. Und ihr voraus kriecht eine ordentliche Hitzewand. Aber wir haben Glück: erst auf den letzten Metern holt uns die Sonne ein und badet uns in Licht und Hitze.

Ziemlich außer Atem und ordentlich durchgeschwitzt kommen wir am Auto an, verstauen unseren Kram und fahren zurück. Es ist unglaublich heiß, auf dem Campingplatz parken wir das Auto, bauen das Zelt auf, duschen und verziehen uns in den Schatten des alten Ahorns. Vorher machen wir noch eine Visite bei dem Imbiss neben der Campingplatz-Einfahrt, es gibt Pommes rot/weiß und Eis zur Belohnung.

Grade haben wir es uns wieder unter unserem Baum gemütlich gemacht, da grollt der Himmel über uns. Die Sonne verschwindet hinter dicken Wolken und die ersten Tropfen platschen auf unseren Alutisch. Also Rückzug. Wir schmeissen schnell alles ins Auto oder verstauen es unter dem Zelt in das wir dann krabbeln. Ein ordentliches Unwetter geht über uns nieder, über drei Stunden regnet und windet es. Wir machen das, was wir halt so machen können: ein Nickerchen, am Hände daddeln, Kreuzworträtsel oder einen Film gucken. Gegen 16:30 Uhr scheint sich das Wetter zu beruhigen, es ist immer noch zugezogen und grau, ein kühler Wind geht, aber der Regen hat aufgehört.

Zeit, aus dem Zelt zu klettern und den schwerwiegenden Fehler auszubügeln, den wir in der Eile beim Start des Unwetters gemacht haben: wir hatten nichts zu snacken mit dabei. Kaubonbons, Chips und Orangina regeln jetzt. Das wird uns bis zum Abendessen tragen das heute noch einmal Nudeln mit Pesto sein wird. Bis dahin legen wir aber ersteinmal unsere Füße hoch. Endlich. Weil Zelt zählt nicht.


Die Verdonschlucht – für mich eine der faszinierendsten Gegenden Frankreichs. Danke!
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Ich war 2017 dort und bin die Straße rund um die Gorge gefahren, das war schon sehr beeindruckend! In den kleinen Orten an der Straße hätte man gut auf einen snack (le snack) und einen Kaffee einkehren können.
Danke für den schönen Reisebericht, weckt Erinnerungen!
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