Tag 15 – Passierschein A38 und Gregor Samsa

Von Sainte-Croix nach Villingen-Schwenningen

Gefahrene Kilometer:

Roadtime: 6 Stunden

Getankt: nüscht

1x Pipi, 1xPipi mit Kaffee

Wir bereits an Tag 2 werden wir früh durch Kuhglocken geweckt. Die Nachtkälte hängt aber noch im Zelt, ganz so spritzig kommen wir also nicht in Wallung. Aber es hilft ja alles nichts. Als die Sonne ein wenig Wärme in das Zelt schickt, pellen wir uns aus den Schlafsäcken, gehen duschen und sind wieder einigermaßen vorzeigbare Menschen. Das Zelt lassen wir noch aufgebaut, räumen aber alles aus und ziehen die Matratze ab. Heute wird es ein letztes Mal zusammen geklappt und dann erst einmal bis nächstes Jahr eingelagert. Entsprechend soll es richtig trocken sein, ein, zwei Stündchen Sonne schaden also nicht.

Wir frühstücken mit Barbara und Besuch im Garten, die Zeit verfliegt. Gegen 12 Uhr packen wir unseren letzten Kram zusammen und klappen das Zelt zu. Und sind schon auf dem Weg. Heute ist einer dieser Tage, an denen wir Kilometer fressen werden. In der Vorbereitung hatten wir überlegt, ob wir von Barbara aus wieder den langen Ritt nach Duisburg machen, so wie an Tag 1 bereits geschehen. Wir haben uns dagegen entschieden. Es fühlte sich falsch an, nach dem gemütlichen Flow der letzten zwei Wochen jetzt so eine Monsteretappe zu machen. Und doch muß jetzt einfach ein bisschen Strecke gemacht werden.

Dieser Tunnel war das Spannendste heute auf der Strecke;)

Unser Ziel ist Villingen-Schwenningen, wir haben uns für Morgen noch eine Wanderung im Schwarzwald rausgesucht. Um dann am Mittwoch die letzte Etappe zu machen. Round about 270 km haben wir dafür zu reißen, und es macht so gut wie keinen Unterschied ob wir diese auf Autobahnen und Mautstraßen oder über Land fahren. Also entscheiden wir uns natürlich für die Landpartie.

Über die es leider nicht viel zu sagen gibt. Fahren wir am Anfang noch durch Bergwiesen und Wälder so wird es mit jedem Kilometer normaler, langweiliger. Und das erste Mal auf dem ganzen Trip zieht sich die Autofahrt. Wird uns die Musik irgendwann nervig. Und in uns beiden ist der Wunsch nach „Ankommen“ ziemlich präsent.

Und so fliessen die Kilometer an uns vorbei, es geht ein bisschen Bergrauf, ein bisschen Bergrunter, Grenzen sind kaum wahrnehmbar außer jene, die den Beginn der Bundesrepublik markiert. Hier wird der Verkehr aufgestaut, in einer Schikane an einem Bundespolizeiauto vorbei geführt in dem die Beamt:innen an ihren Handys rumdaddeln. So sieht er also aus, der Bruch von Schengen und die konsequente Bewachung unserer Grenzen. Mehr als Steuergelder für den Einsatz der Beamt:innen und unsere Zeit wird dort effektiv nicht abgewickelt. Naja. Macht ja offensichtlich irgendwas über 50% der Menschen in diesem Land froh.

Wir kommen am frühen Abend am Ziel an, parken unser Auto in einem nahe gelegenem Parkhaus und checken in unser Hotel ein. Dafür müssen wir den Passierschein A38 ausfüllen und hoffen stark darauf, dass wir nicht im Haus sind, dass Verrückte macht. Hinweise gibt es, das ganze Hotel ist voll mit Wort- und Flachwitzen. So wirbt ein Bild eines Aufzugschachtes am Boden der Aufzugkabine mit dem Spruch „Absturz gefällig“ für die Hotelbar. Unser Zimmer ist ein Traum in anthrazit, hochglanz-weiß und rot. Und verfügt über indirekte Beleuchtung in jeder Farbe. Wir nehmen pink. Passt gut zum rot-weiß.

Wir schlendern ein wenig durch die Altstadt, Zeit, um uns mit diesem Ort zu beschäftigen hatten wir noch nicht. Es ist nett hier. Es gibt Restaurants, die auf haben UND warme Küche haben. Richtig gut, wertschätzen wir. In einem Restaurant mit lokaler Küche kehren wir ein, es gibt für uns Flädle-Süppchen, gebratenen Ziegekäse und Cordon Bleu. Und zum Abschluss ein Träumchen aus weißem Schokoladenschaum, Biscuit und Mandarinen. Alles in vollformatigen Portionen, wir sind kurz vorm Fresskoma, als wir fertig sind. Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als den Rest des nur noch überschaubar kurzen Abends bewegungsunfähig auf dem Rücken in leicht erhöhter Oberkörperlage vor uns dahin zu vegetieren. Im Gegensatz zu Gregor allerdings in einem Zustand der Glückseligkeit und mit der Hoffnung, dass uns das Hotel morgen noch nicht als untragbar aussortiert.

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