von Villingen-Schwenningen nach Duisburg
Gefahrene Kilometer: 613
Roadtime: 5 und 7 Stunden
Getankt: 44 Liter
Diverse Pausen und Stops
Die erste Nacht im RGB-beleuchteten Hotelzimmer haben wir tief und fest geschlafen. Geweckt werden wir von auscheckenden Hotelgästen, die exakt unter unserem Fenster auf ihr Taxi warten und lautstark den Aufenthalt Revue passieren lassen. Ich drücke mir die Ohropax noch etwas tiefer in die Ohren, am Ende gewinnt aber die sich einschleichende Wachheit.
Wir hatten Abends schon mal kurz gecheckt, wo wir etwas zu frühstücken bekommen und ein Cafe unmittelbar um die Ecke auf der Haupteinkaufsstraße als erfolgsversprechend identifiziert. Die Terrasse ist zwar schon sehr voll belegt, wir bekommen dennoch ein Plätzchen im Schatten. Die Portionen sind sportlich großzügig, ich kämpfe und gewinne nicht ganz mit dem Frühstückspaket. Aber darüber will ich nicht meckern, in Villingen-Schwenningen steht das Preis-Leistungs-Verhältnis im Gastrobereich noch in einem sehr gutem Verhältnis.

Mit dem Auto fahren wir ins Groppertal, hier laufen wir einen Rundwanderweg durch den Schwarzwald. Über größtenteils naturnahe Wege und Pfade geht es für uns gute drei Stunden schattig durch wunderschöne Natur. Die Wanderung selber ist einfach, wir wollten uns an das Ende der Reise keinen dicken Klopper setzen, auch weil morgen ein paar Kilometer Autobahn anstehen. Da wäre ein Muskelkater und Erschöpfung eher ungut.

Aus den Hängen neben unserem Weg sprudeln immer wieder kleine Quellen über den Weg und nähren den im Tal verlaufenden Brigach, ebenfalls ein kleines Bächlein. Die Wanderung ist ein bisschen Phänomenal-Detox, nach krachenden Landschaften bewegen wir uns durch die Ruhe, Kühle und Einfachheit eines Mischwaldes. Was überhaupt nicht verkehrt ist. Hier ballern keine Superlative, nichts ist hier das dritthöchste, zweitweiteste oder überragendste. Auch in der Einfachheit eines normalen Waldes an einigen Hügel- und Bergwänden liegt eine wunderbare Schönheit.

Über eine Wildwiese geht unser Weg auf die andere Seite des Tals, ein kleines Gasthaus wartet hier auf uns. Anders als bisher erlebt hat es auf, wir werden supernett begrüßt, bestellen uns ein paar ordentlich zischende Kaltgetränke und dazu Kuchen und einen Eisbecher. Eigentlich hatten wir geplant, hier zu Mittag zu essen – wir sind aber beide noch völlig gesättigt vom Frühstück. Mit vollem Bauch und gutem Zuckerspiegel gehen wir das letzte Drittel der Wanderung zurück zum Auto.

Bevor wir zurück nach Villingen-Schwenningen fahren, machen wir noch einen kleinen Abstecher in den Doniswald bei Königsfeld im Schwarzwald. Hier sind die Eichhörnchen angeblich so zutraulich, dass sie einem aus der Handfressen sollen. Der Wald und seine Wege sind sehr barrierefrei angelegt, das Ganze scheint eine Art Kurort oder ähnliches zu sein, es gibt Markierungen am Wegesrand, die zeigen, wie fit man ist wenn man es in 6 Minuten bis zu dieser Markierung geschafft hat. Wir liegen im Bereich „es gibt keine Markierung mehr für uns“ und laufen ein bisschen durch den Wald. Wir sehen ein, zwei Eichhörnchen, diese huschen tatsächlich sehr nah und unbeeindruckt an uns vorbei – auf Tuchfühlung gehen sie mit uns aber nicht. Ist auch okay, die Gewöhnung von Wildtieren an Menschen ist jetzt eh nicht sooo cool.

Anschließend geht es zurück ins Hotel, duschen und den Dreck und Schweiß des Tages abwaschen. Danach gönnen wir uns einen Spaziergang durch die Altstadt. Sie ist nett, verwinkelt und freundlich. Es gibt einen Haufen kleiner Geschäfte, nicht nur Ketten. Obligatorisch besuche ich die beiden Kirchen, der Kontrast zwischen evangelisch und katholisch könnte nicht krasser sein. Die evangelische Kirche ist hell und voller Nüchternheit, die katholische Kirche ist ein Fiebertraum in Barock.



Unser Abendessen gibt es wieder auf der Straße, wir testen ein zweites Restaurant aus. Auf seiner Terrasse bekommen wir erneut unglaublich großzügig dimensionierte Portionen serviert, sehr satt und zufrieden rollen wir ins Hotel. In der Lobby schieben wir noch ein paar Runden Billard mit den verbliebenen Kindern-Queues, die großen Queues scheinen alle außerordentlicher Krafteinwirkung zum Opfer gefallen zu sein.

Die Nacht ist diesmal ruhig, zum Wecken hat sich die Stadt diesmal etwas anderes einfallen lassen: alle Bauern der Umgebung jauchen ihre Felder und es regnet. Die gelösten Duftstoffe hängen über der Stadt. Wir sind früh im Cafe um die Ecke, bekommen einen der wenigen nicht reservierten Tische und bestellen direkt. Wir haben aus gestern gelernt, es gibt „nur“ strammen Max, Butterbrezeln und Rührei. Mit dieser guten Grundlage im Bauch packen wir unseren Kram zusammen, tragen alles die gut zehn Minuten Fußweg zum Parkhaus und verzurren alles ein letztes Mal im Auto.
Und machen uns auf den Weg. Über 500 Kilometer liegen vor uns, die Meisten davon auf der deutschen Autobahn. Gut fürs Strecke machen, langweilig wie nichts sonst. Bis auf wenige Staus kommen wir gut durch, die Landschaft zieht hinter Schallschutzmauern an uns vorbei.
Am späten Nachmittag erreichen wir Wuppertal. Hier teile ich mir mit Paul eine Halle. Paul kenne ich über seinen YouTube-Kanal, irgendwann haben wir uns mal getroffen und sind ein paar Kilometer zusammen gefahren, er in seinem Käfer, ich in unserem 145. Irgendwann ist Paul ein Volvo 244 über den Weg gelaufen, ich hatte ein paar Teile rumliegen, er hat sie mir abgekauft. Als mein Tätowierer und Freund Danko von einem Kunden erzählte, der grade eine Volvo-Community in NRW aufbaut, hab ich dessen Kontakt auch an Paul weitergeleitet, die sehr nette und liebenswerte Redblocks NRW Gang hatte damit ein neues Mitglied. Nur so nebenbei: das ist eine wirklich sehr sweete Gang. Ich hab leider viel zu wenig Zeit um mit dabei zu sein – aber wenn das jemand liest und aus NRW ist und einen Redblock -Volvo fährt und auf Sexismus, Homophobie, Rassismus und ähnliches verzichten kann, auf der Homepage oder über Insta könnt Ihr mit der Gruppe kKontakt aufnehmen. Macht das! Das ist wirklich die beste Volvo-Gang in Town. Also in NRW;)

Ich hab natürlich meine Hallenschlüssel zu Hause gelassen, Paul kommt netterweise zur Halle um aufzuschließen. Er hilft uns auch direkt, das Zelt vom Dach zu schrauben und in der Halle zu verstauen. Damit wäre Teil 1 der Enturlaubisierung des Auto erledigt. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis Duisburg, diverse Autobahnsperrungen halten uns jetzt auch nicht mehr auf. In Duisburg besorgen wir noch etwas Thai-Essen, dringend nötig nach über sieben Stunden auf der Bahn, im Likedeeler-HQ wartet auch Katrin auf uns. Gemeinsam essen wir und lassen die letzten zwei Wochen noch einmal Revue passieren. Anschließend entladen wir das gesamte Gepäck, das Auto ist wieder leer, die Wäschekörbe voll. Und dieser Trip an seinem Ende.
