20 Nations 2018 – Tag 16

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Gefahrene Kilometer: Rallye—Kilometer 525, insgesamt 860

Getankt: Rallye 55, insgesamt 99

Nachgefüllt: 1,5l Öl

Roadtime: Rallye 08:15—15:00, insgesamt bis 01:30

Pipipausen: —

Start: Camping Rehbocktal

Über: Zieleinlauf Bremen

Ende: Köln

Der Tag beginnt mit einem Novum, zumindest für die letzten 14 Tage: wir dürfen Autobahn fahren. Und das machen wir. Auf dem kürzesten Weg fahren wir im Konvoi mit The Lekers und den Benz Brothers zur Autobahn und fahren über A4 und A14. Es fängt wieder an zu regnen, 20 Grad kommen uns mittlerweile recht kühl vor. Verrückt wie sich Kälteempfinden verschiebt wenn man zwei Wochen in einem ungedämmten Bratschlauch vor sich hinköchelt. An den Rasten kommen uns die Menschen unfreundlich und verbissen vor, gefühlt begegnete uns man trotz häufiger Sprachbarrieren in den durchreisten Ländern freundlicher und gutgelaunter. Matthias latenter Menschenhass, die letzten zwei Wochen eigentlich ziemlich abhanden gekommen ist wieder in voller Ausprägung da als er seinen Platz in der Schlange beim Rast—Macces gegen renitente Seniorinnen verteidigen muss, danach stellt sich fast Lethargie ob des Zustandes dieser Menschen ein. Auch im Strassenverkehr ist der um sich greifende Egoismus zu spüren. War der Verkehr zeitweilig absurd chaotisch und obwohl es so schien das manche Fahrer_innen in völliger Ignoranz jeglichen Selbsterhaltungstriebes fuhren so war der Verkehr deutlich entspannter und weniger auf das eigene Recht pochend als der „geordnete“ Verkehr in Deutschland. Spätestens auf der Autobahn sind sie wieder alle da: die Leasing— und Dienstwagentiefflieger mit Dauerlichthupe, die LKWs, die einen nicht wirklich beschleunigenden Oldtimer nicht auf die Bahn auffahren lassen, die Erzieher…hach, home, sweet home.

Die autobahnbedingten höheren Geschwindigkeiten machen sich direkt auch beim Spritverbrauch bemerkbar, dafür läuft der Volvo konstante 120km/h. Wir essen die letzten Zitronenwaffeln, sie fanden hier bisher keinen Eintrag begleiten uns aber die ganze Rallye über schon als kleiner Stimmungsaufheller.

Im Radio wird eine Vollsperrung (oder Stau, die verschiedenen Verkehrsmeldungen sind sich da nicht einig) auf der A7 durchgesagt, wir umfahren über Hodenhagen in der Nähe von Walsrode und fahren über Land direkt auf die A27 Richtung Bremen. Kurz vor Bremen kommt die Sonne wieder raus, Katrin lässt sich zu der untypischen, aber ernst gemeinten Aussage „endlich wieder 30 Grad“ hinreissen.

Bremen und den Zieleinlauf am Schuppen erreichen wir genau in der Mitte des offiziellen Zeitfensters, gut eine Stunde vor Ende des Zieleinlaufs sind alle Teams eingetroffen. Einige haben in den letzten Tagen aufgegeben und sind frühzeitig über die Autobahn nach Hause gefahren, teils Lustbedingt, teils krankheitsbedingt. Zum Ziel sind sie trotzdem gekommen. Ein Team kommt ohne Auto, ihr T3 hat kurz vor der deutschen Grenze den Geist aufgegeben. Sie kommen mit ADAC—Leihwagen.

Bei der Zieleinfahrt werden alle Roadbooks eingesammelt und dann heisst es warten denn die Orga—Jungs sind jetzt mit der Auswertung aller Roadbooks beschäftigt. Die Zwischnezeit nutzen wir um mit den Jenaer Asphaltpiraten Döner zu bestellen und einen letzten Rallyeschnack mit den anderen Teams zu machen. Drinks gehen wieder auf die Orga, so ist die Sonne nicht ganz so schlimm. Für ungewohnten Anblick sorgt das Biberle Racing Team (mit dem zweitältesten Auto im Starterfeld, ihr Karmann ist mit Baujahr 73 nur ein Jahr jünger als unser Volvo) deren Karmann Ghia von einem Haufen Frauen in Pettycoats für ein Fotoshooting ausgeliehen wird.

Gegen 18:30h ist es soweit: Max und Alex verkünden nach einigen persönlichen Worten zur Rallye, zur Orga und vor allem zu den letzten 16 Tagen die Sieger_innen: den ersten Platz belegt das Low Budget Team auf Traant 601 Universal, den zweiten Platz das Schlibo Adventure Team auf Hyundai Galloper und den driten Platz The Lekers auf Chevrolet Impala Bestattungswagen. Und, und das ist ja nicht ganz unwichtig für diese Rallye, die Teams haben insgesamt mehr als 28.000€ für ihre verschiedenen Spendenprojekte gesammelt. Am Ende liegen wir mit unserer Sammlung bei 2703€, einer phänomenalen Summe!

Das Verabschieden zieht sich, alle wollen nicht so wirklich los, quatschen noch ein wenig und tauschen Kontaktdaten aus. Der Wunsch nach Wiedersehen ist gross. Die Siegesflasche alkoholfreien Sekt, leider gut durchgewärmt, teilen wir noch mit den Asphaltpiraten, und machen uns dann alleine auf den Weg nach Hause und begeben uns auf für uns ausgefahrene Wege: die gute A1 hat uns wieder. Zweimal überholen wir noch hupend und winkend die Schlibos, machen natürlich halt an unserem Pflichtstop auf Dammer Berge und haben danach noch einmal die Lekers vor uns. Sie einzuholen erfordert Vollgas und wir gucken überrascht:140km/h sind ohne Stress drin. GPS—gemessen. Denn das dürfen wir ja auch wieder. Zugegeben: es ging ganz leicht bergab. Niedersachsen—bergab. Bei Osnabrück biegen die Lekers ab und damit ist die Rallye und Rallyefahren endgültig vorbei. Bei Münster geht es auf die A43, von dort Richtung Duisburg unseren Hund bei Matthias‘ Eltern abholen. Hier hat er es sich die letzten zwei Wochen gut gehen lassen, freut sich aber ziemlich uns jetzt wiederzusehen. Nach kurzem Bericht über die Rallye geht es nach Köln. Um 01:30h parken wir den Volvo im Hof, hier schnaufen die E—Lüfter noch eine Zeit vor sich hin und wir fallen in unser eigenes Bett. Das nach wie vor beste Bett der Welt.

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