20 Nations 2018 – Tag 3

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Gefahrene Kilometer: 386

Getankt: 65 Liter

Nachgefüllt: 1l Öl, 300ml Kühlflüssigkeit

Roadtime: 09:15h bis 22:00

Pipipausen: 4

Start: Hobby Camping Interlaken

Über: die Alpen

Ende: Pratz (Österreich)

Der Tag startet mit einer ordentlichen Dusche auf dem sehr sauberen Campingplatz. Ganz in Ruhe bauen wir ab, packen alles zusammen und machen uns auf Richtung Alpen. Nach acht Kilometern fällt einem Teil des Teams auf, dass die Schuhe, die noch neben dem Auto standen samt der letzten Flasche Fritzkola noch immer neben dem Auto stehen. Zumindest theoretisch. Denn das Auto ist ja mittlerweile acht Kilometer entfernt. Also umgedreht und diese auf dem Campingplatz noch abgeholt. Dabei rutschte dann auch das Dauerstromkabel für den Tracker raus (leere Batterie sollte uns nicht noch einmal passieren!). Dank aufmerksamer Beobachter unseres Zracking bekamen wir den Hinweis über den dadurch sinkenden Batteriestatus aber recht zügig und konnten das Kabel auch rechtzeitig zurückstecken. Danke dafür!

Nächste Herausforderung: die zu nehmende Strasse in die Alpen ist baustellenbedingt gesperrt. Die Umleitung führt über die Autobahn. Also keine Alternative. Irgendwie erklärt uns einer der Bauarbeiter wie wir fahren müssen und als wir uns auf den Weg machen kommt uns Team Danex entgegen. Wir winken zum Stoppen und die beiden entscheiden sich sich erstmal an uns dran zu hängen und mit uns einen Weg um die Baustelle ohne Autobahn zu suchen. Über eine schmale Anliegerstrasse fahren wir parallel zur Autobahn und bei einem zufälligem Halt beim örtlichen Nissanhändler auf eben dieser Strasse (Team Danex brauchte einen neuen Tankdeckel) holten uns auch noch die Organisatoren der Rallye samt Unterstützung ein. Kurzer Schnack am Wegesrand, der Hinweis das alles tutti ist und schon ging es weiter.

Die Landschaft durch die wir fahren ist phänomenal: gigantische Berge in der Ferne, noch nebelige Seen links und rechts, Wasserfälle, Schafe, Kühe, Holzhäuser und enge Gassen. Die Schweiz hat alles gegeben um unsere Vorurteilskiste zu bestätigen. Was gar nicht schlimm ist. Die Strassen bocken richtig schlimm, es ist eine wahre Freude da lang zu fahren. Richtung Alpen.

So richtig hatten wir uns im Vorfeld nicht wirklich Gedanken über diesen Teil der Rallye gemacht. Über Balkan und sein Klima und die entsprechenden Notwendigkeiten haben wir nachgedacht, auch über die Strassenbedingungen. Das da ein paar Hügel im Weg sein werden und das diese, wenn man nur Landstrassen fahren darf, oben rum gequert werden hatten wir nicht wirklich auf dem Schirm. Um so herausfordernder war dieser Tag: gequert wurde über den Grimselpass (2164m) und den Furkapass (2431m). Das Roadbook wollte weiter über den Gotthard und als eventuellen Zusatz das Stilfserjoch.

Da bereits die ersten beiden Pässe uns und vor allem den Volvo an Belastungsgrenzen führten (im zweiten Gang bei Vollgas die Pässe hoch, in den Spitzkehren setzen wir teilweise mit dem Hintern auf wenn wir sie mit Schwung nehmen, ohne Schwung schaffen wir sie nicht, und Berg runter drückt die Motorbremse ohne Ende Hitze und belastet Kupplung und Getriebe und trotz Intervallbremsen laufen uns die Bremsen mehrfach so heiss das wir unbeabsichtigte Pausen auf den Abfahrten einlegen müssen, zweimal sogar ohne Bremswirkung dumm aus der Wäsche ggucken, aber Glück haben) entscheiden wir uns nicht über den Gotthard zu fahren sondern den direkten Weg Richtung Ziel zu nehmen. Das bedeutet das wir, und hier zeigt sich wie wenig wir uns mit der Gegend beschäftigt haben, über den Oberalppass (2048m) nehmen müssen um im Anschluss noch über den Flüelapass (2383m) zu fahren. Der dann noch folgende Reschenpass ist mit 1394m da kaum noch zu erwähnen. Im Klartext: um den Gotthard (2107m) zu vermeiden nehmen wir zwei gleich- bzw. höhere Pässe aus Schusseligkeit. Belohnt wurde das mit beeindruckenden Panoramen und Aussichten. So wurde aus dem Drei- bis optional Vier-Pass-Tag ein stabiler Fünf-Pass-Tag. Team Danex startete auf dem Flüelapass auch ihre Drohne und machte eine schöne Fahrsequenz die auf ihrer Facebook- und Instagramseite zu sehen ist (Verlinkung folgt, sie sind aber zu finden).

Die Strecke war jeden Kilometer wert, auch die zusätzlichen Kilometer, nicht ein Stückchen Strasse war enttäuschend. Es war nur übelst anstrengend und hat unser Material ziemlich stark gefordert. Und somit ist eines sicher: der European Mountain Summit im September wird mit einem anderem Auto gefahren. Unser Volvo 745, Baujahr 1989 darf sich darauf freuen ein waschechtes Rallyeauto und Teammitglied zu werden. Diese Tortur muten wir dem 145 nicht noch einmal zu auch wenn wir ziemlich stolz auf die abgelieferte Leistung sind.

Am Fusse des Flüelapass brauchten wir Stärkung und kehrten ein – es gan recht gute Schnitzel zu ultraguten Preisen, 75€ für ein Schnitzel mit Pommes, ein Vorson Bleu mit Pommes, eine Cola und ein alkoholfreies Weizen stehen in guter Konkurrenz zu 60€ für zwei Pizzen und zwei Colas in Helsinki beim BSC2016. Aber es war nötig für den restlichen Weg.

Geschlafen haben wir auf einem Campingplatz an der Inn bei Pratz, kein schöner Platz, kaum richtige Wiese und sehr eng. Wir entschieden uns auch angesichts der fortgeschrittenen Zeit für eine Nacht im Auto. Mittlerweile wissen wir was wir für Belüftung und ein gutes Schlafklima tun müssen, glücklich werden wir damit wahrscheinlich trotzdem nicht mehr. Jede Bewegung lässt das Auto stark schaukeln und zu zweit ist es doch stark beengt. Wir werden in Zukunft auch weiterhin das Zelt bevorzugen, zur Not tut es aber auch das Auto.

Auf dem Campingplatz selber waren noch diverse andere Teams, so dass wir uns ein wenig austauschten und gemeinsam die Strecken planten und diskutierten. Es ging jedoch für die meisten auch recht früh ins Bett. Mit Team Danex verabredeten wir eine gemeinsame Strecke für den Folgetag und gemeinsame Abfahrt.

weiter mit Tag 4