Etappe 9

Wie gehabt: ambulant geschrieben, schön wird später!

Tag 9

Gefahrene Kilometer: 637

Getankt: 56l

Nachgefüllt: –

Roadtime: 08:20-22:30 (inklusive Zeitzonenwechsel +1 Stunde)

Pipipausen: 4

Start: Hotel Skorpion, Koshevo

Über: Prilep

Ende: Buzludzha

Manchmal ist das Glück ja mit den Dummen: wir hatten innerlich schon unsere Tagesaufgabe vom Vortag (Besuch am Makedonium) geskippt, keinen Bock mehr auf Koshevo und eigentlich der Plan so schnell wie möglich durchzustarten. Bis wir beim Frühstück realisieren, dass unser Hotel keine fünf Gehminuten vom Makedonium entfernt liegt. Manchmal muss man einfach Glück haben. Also schnell hin, danach zu unserem Auto das irgendwo in der Altstadt steht. Dank phänomenaler Orientierungsfähigkeiten in vollkommen unbekanntem Terrain (Katrin) und beeindruckender Erinnerungen a la „Oh, an das Auto erinner ich mich“ (Matthias) finden wir unser eigenes Auto flott und so wie wir es verlassen haben. Zum Glück! Um die Stadt zu verlassen müssen wir uns häufiger durchfragen, erklären mit Händen und Füssen was wir wollen und bekommen mit Händen und Füssen und viel Sprache den Weg erklärt. Hilfreich ist am Ende ein junger Polizist. So geht es uns in den nächsten Dörfern immer wieder, die Beschilderung ist spärlich, die Kreuzungen nicht mit eindeutigen Strassenverläufen. Doch die Menschen sind hilfsbereit, zeigen in viele Richtungen und versuchen unsere Karten zu verstehen. Einmal stösst ein junger Mann dazu, er dolmetscht mit grandiosem Englisch und als wir alles wissen, was wir wissen müssen schenkt er uns am Ende eine ganze Tüte voller Pflaumen und Trauben. Wieder mal liegt ein Pass auf unserem Weg, 8% Steigung lachen wir mittlerweile aber aus, unter 1000m Höhe ebenfalls. Mit Prilep durchfahren wir den südlichsten Punkt der Rallye, ab jetzt geht es tendenziell wieder nordwärts.

50km vor der bulgarischen Grenze (Nummer 15, sie liegt an dieser Stelle auf 1085km) fahren wir in ein Dorf, um eine Kurve und stehen mitten in einer feiernden Menschenmenge. Vorne und hinten zwei Typen die den Verkehr Autoweise üner eine Spur leiten, dazwischen Blaskapelle, tanzende Männer und spielende Kinder. Und am Rand auch die Frauen. Völlig skuril. Ob das eine Hochzeit war, der Sieg im Schluchtenweitsprung über das andere Dorf oder alle einfach nur „Hoch die Hände-Wochenende“ auf einem Montag machen (es ist doch Montag, oder?) lässt sich nicht sagen.

Grenzübertritt nach Bulgarien verläuft problemlos, man sollte immer in historischen Leichenwagen Grenzübertritte machen. Diese Mischung aus Neugier, Faszination und Belustigung ist hilfreich um flott durchgewunken zu werden. Wenn der Hocker dann noch beklebt ist wie eine ganze Kirmesbude erst recht. Bulgarien begrüsst mit schöner Landschaft und relativ guten Strassen. Wobei: nach Albanien sind gefühlt alle Strassen mindestens okay. Wir können richtig viel Strecke machen und kloppen ordentlich Kilometer. Fühlt sich gut an mal wieder vom Fleck zu kommen und den Wagen laufen zu lassen. Der Volvo rennt wie Sau, beschleunigt ordentlich durch und läuft richtig gute Geschwindigkeiten. All die Arbeit die wir in Maschine und Antrieb gesteckt haben zahlt sich doppelt und dreifach aus, sowohl bei den Aussentemperaturen, Belastungen am Berg als auch höheren Reisegeschwindigkeiten mit bis zu 120km/h max. der Spritverbrauch hält sich dabei in Maßen, einzig Öl kippen wir sehr regelmäßig nach obwohl nichts tropft.

Mittag gibt es auf einer Ranch, überall hängen Portraits von diversen bekannten Kommunisten. Komische Mischung. Die Karte verstehen wir nicht weil auf kyrillisch, anhand von ein wenig Englisch und unserem Zeigebuch (keine Zwiebeln! No! No! No!) bekommen wir Fleischbällchen (Riesendinger, 80g/Stück) mit Kartoffeln und Gemüse vom Grill. Superlecker, wir sind zufrieden und satt und stürzen uns in den Verkehr. Der ist nir mäßig chaotisch, einzig die kyrillischen Schilder machen uns zu schaffen da wir im Prinzip Piktogrammvergleiche anstellen müssen und dies im Vorbeifahren auf die Schnelle nur schwer möglich ist. Die Schilder sind aber besser und logischer aufgebaut, auf den großen Schildern stehen auch immer die Namen in lateinischen Buchstaben.

Vom Gefühl her erinnert Bulgarien Katrin sehr an die DDR, es scheint gleiche Planungsstäbe für Bushaltestellen und Hausbau gegeben zu haben. Rundherum saftig grüne Landschaft. Immer wieder fällt uns auf unseren Touren auf wie sehr wie das brauchen. Diese vertrockneten und dadurch braunen und staubigen Landschaften des Südens sind nicht unser. Umso mehr geniessen wir die Kühle, also die Idee von Kühle durch die Waldstücke und den Ausblick auf grüne Wiesen. Wir durchfahren grade eine Waldstrasse als unmittelbar vor uns ein großes Flugzeug supertief über die Waldschneise fliegt. Auf unseren Karten steht aber nichts von einem Flughafen in der Nähe, kurz befürchten wir Ersthelfer bei einem Absturz sein zu müssen, sehen aber nichts weiter. Seltsam. Nur kurz später, es dämmert inzwischen passiert der Moment nachdem wir behaupten können im Stassenverkehr wahrscheinlich alles gesehen zu haben: wir fahren mit knapp 100km/h als über die bergige Und kurvige Waldstrasse als uns von hinten ein Q7 mit einem Anhänger auf dem ein Rennwagen festgebunden war mit mindestens 40-50km/h Differenz überholt. Wir verpassen irgendwie die große Abzweigung die wir nehmen müssen und fahren dafür mal wieder über kleine Nebenstrassen, diese sind aber gut ausgebaut so dass wir keinen großen Umweg oder zeitlichen Verlust machen. Lediglich die unbeleuchteten Radfahrer und plötzlich auftauchenden Fussgänger stressen etwas. Selbsterhaltungstrieb scheint es hier nicht zu geben.

Unser Ziel ist Buzludzha Peak, eine Bergspitze auf der ein Monument der bulgarischen, kommunistischen Partei steht. Den Fuss des Berges erreichen wir im Dunkeln und fahren die enge Passstrasse mit unzàhligen, wirklich schlimmen Schlaglöchern langsam hinauf. Online hattem wir dort ein Hotel vorgebucht, knapp unterhalb des Gipfels. Katrin versucht aus den sehr detaillierten Reise Know-How-Karten die Abfolge der Serpentinen zu lesen und sagt diese an, Matthias bemüht sich den Wagen nicht in den Graben zu setzen. Die Tortour lohnt sich aber: das Hotel ist luxuriös eingerichtet und wartet mit bequemen Betten, Balkon unter beeindruckendem Sternenhimmel und großzugigem Bad auf uns. Wir nutzen alles ausgiebig, hauen uns zeitig ins Bett und sind nach diesem Tag auch wieder mit der Tour befriedet. Heute war ein rundum guter Tag.

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