Tag 36 – Fahr‘n, fahr‘n, fahrn auf der Autobahn

von Naturcamping Mauerhäusl nach Duisburg

830km

85l getankt

Der Morgen kommt mit strahlendem Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Und dem campingplatzüblichen Geräuschen und Gerüchen. Ich drehe mich noch etliche Male um, heute steht eine lange, langweilige und anstrengende Etappe ins Haus. Ich fahr heute nach Hause, über 800 Kilometer. Ich hab mir vorgenommen, diese Etappe nicht mit der Brechstange zu machen, sollte ich zwischendurch durchhängen und keinen Bock mehr haben, suche ich mir ein Plätzchen für die Nacht und fahre dann morgen den Rest.

Auf dem Campingplatz bleibe ich verhältnismäßig lange, um 11:00 Uhr muss ich weg sein, sonst müsste ich einen weiteren Tag bezahlen. Das will ich maximal ausreizen, das Dachzelt soll trocken sein wenn ich es einpacke. Sollte ich es bis nach Hause schaffen, dann wird es so schnell nicht wieder aufgeklappt. Entsprechend ziehe ich auch das Bettlaken ab und mache alles soweit fertig, dass es eingemottet werden kann. Meinem Kofferraum hingegen merkt man an, dass ich mich auf dem Heimweg befinde. Bereits gestern habe ich die für einen Roadtrip notwendige Ordnung nicht mehr richtig eingehalten, auch jetzt fliegt alles nur noch oben drauf. Natürlich gesichert und so, aber ein schnelles Zugreifen auf Alles ist so nicht mehr möglich.

Es ist Sonntag, es sind Sommerferien, also stehe ich ab der ersten größeren Landstrasse im Stau bzw. zähfliessenden Verkehr. Damit habe ich gerechnet, ich habe ein bisschen abgewogen zwischen Urlaubsverkehr am Sonntag oder LKW-Verkehr am Montag. Und da die A9 hinter München eine riesige Baustelle ist, habe ich mich für den tendenziell besser fließenden Urlaubsverkehr entschieden. Ich tingel also durch das letzte Alpenpanorama bevor es auf der Autobahn hinter mir im Rückspiegel langsam verschwindet. Unmittelbar vor der Auffahrt die Grenze, lediglich durch ein Schild markiert.

Was jetzt folgt sind endlos viele Autobahnkilometer. A93, A8, A99, ab München dann A9 um bei Nürnberg auf die A3 zu wechseln und ab da bis kurz vor Duisburg nur noch gradeaus zu fahren. Der Verkehr ist mäßig zu ertragen, es ist irgendwie verrückt, dass zwar alles „geordnet“ abläuft, jedenfalls geordneter als das, was ich die letzten Wochen erlebt habe, dafür das offensive Potential krass viel höher ist. Ich versuche, eine Lehre des Balkanverkehrs zu verinnerlichen: einfach machen lassen. Und sein eigenes Ding durchziehen.

Ich freue mich auf zu Hause, ein richtiges Bett, dauerhaft feste Wände um mich herum und ein stillen Ort, an dem ich auch Nachts in Ruhe sitzen kann ohne mich vorher anzuziehen, eine Leiter runterzuklettern, über feuchte Wiesen zu laufen und dann gegen Spinnen kämpfen zu müssen. Nach über fünf Wochen on the road ein richtiger Luxus.

Was bleibt nach 10.076km in 36 Tagen (für die Statistik: es waren 280km/Tag im Schnitt, ich habe insgesamt 952l Benzin getankt, also im Mittel 9,5l/100km verbraucht, 3 Liter Öl nachgekippt, ein Radlager tauschen müssen, Elektrik-Quatsch repariert und den Keilriemen getauscht)?

Diese Frage hat mich jetzt ziemlich lange beschäftigt und ist auch der Grund, warum dieser Artikel so endlos spät erscheint. Bis hierhin war er direkt nach Ankunft im LikedeelerHQ geschrieben.

Eigentlich bleibt ein Haufen schöner Erinnerungen. Tonnen an Fotos dokumentieren tolle Landschaften und schöne Momente. Die Zeit mit Micha war ein ganz hervorragender Trip, kurzweilig, witzig und auf wundervolle Weise völlig entschleunigt. Danke dafür! Griechenland wegen der massiven Hitze zu skippen war der erste Downer der Tour, das wurde aber durch eine herausragende Zeit in Albanien ausgeglichen. Ab da fehlte ein wenig die Perspektive. Mangelnde Planung und ein paar schlechte Entscheidungen und Situationen haben die Tour eher anstrengend werden lassen, Slowenien hat es noch einmal ein wenig rausgerissen.

Ich hab ein bisschen nachdenken müssen, um das Gefühl der letzten Tage nicht die ganze Tour überschatten zu lassen. Mir ging es auf anderen Touren aber auch schon so: die Langeweile der Transfer-Tage heim überschattet dann irgendwie die Aufregung und die Abenteuer der ganzen Zeit davor. Wichtige Lektionen also für die Zukunft: nur treiben lassen funktioniert nur bedingt, ein grober Plan mit Eckpunkten und Anlaufstellen ist wichtig. Und die Abreise muss irgendwie auch in das Abenteuer integriert werden, muss auch was besonderes sein.

Würde ich sowas wieder machen? Unbedingtes ja. Der Antrag für eine Teilzeitregelung mit verblockter Freizeitphase in 2025 liegt bei meiner Personalabteilung auf dem Tisch. Und vielleicht klappt es dann ja mit der Mongolei.

2 Kommentare

  1. <

    div dir=“ltr“>hi matthias, schönes ende der geschichte ….. absichtlich so spät? ich fahre donnerstag wieder für 2-3 Wochen

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  2. Dankissimo,  lieber Matthias,  jetzt ist die Sache rund. Ich habe auch diesen Beitrag mit Freude gelesen,  vor allem freut mich,  dass es für dich so positiv war, dass du einen derartigen Trip wiederholen magst.  Gruß von Ute… die gerade auf einer Autobahn in Schlesien im Bus sanft geschuckelt wird. Von meinem/meiner Galaxy gesendet

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