Polar Lights Express 2025

Das Jahr 2024 neigt sich dem Ende zu und wir stellen mit Schrecken fest: es ist ein grades Kalenderjahr und wir haben mit einer Likedeeler-Tradition gebrochen. Grade Jahre waren bisher unsere Roadtrip-Jahre: im Sommer 2016 waren wir beim Baltic Sea Circle 16 Tage wach, 2018 haben wir fast ganz Europa mit der 20 Nations Rallye unsicher gemacht, 2020 sind wir bei Lost in the Alps durch verlassene Wohnhäuser und Casinos geklettert und haben es 2022 zum 50. Geburtstag von unserem Volvo 145 S Express im Schnee ordentlich krachen lassen.

Klar, davor und dazwischen lagen noch andere Trips, aber die Originalbesetzung Likedeeler bestehend aus Katrin und Matthias in einem alten Volvo ist in graden Kalenderjahren bisher immer los. Und 2024? Das war irgendwie ein Jahr, das ersten anders kam und zweitens als man denkt und in dem deswegen kein so richtiger Platz für einen guten Trip war. Und jetzt, zum Jahresende fällt uns das auf und wir merken, das lässt dieses Jahr löchrig erscheinen. Wir haben Sehnsucht. Nach der Straße. Dem regelmäßigen Klackern der Stößelstangen während sie im Takt der Verbrennungen die Ventile öffnen und schließen. Dem Rauschen der Reifen auf dem Asphalt und des Fahrtwindes um die Karosserie. Nach phänomenalen Landschaften, tollen Ausblicken, überraschenden Entdeckungen und Begegnungen mit fremden Menschen. Nach ein bisschen Abenteuer und Aufregung. Nach Vorfreude und Erinnerungen. Und auch nach dem richtigen Wegsein, physisch und psychisch, das bei einem Roadtrip schon fast automatisch passiert.

Und mitten in diese Feststellung und die aufkeimende Sehnsucht flattert folgende Nachricht: dieser Winter ist Polarlicht-Winter. Und das nicht einfach nur so dahin gesagt, sondern wissenschaftlich festgestellt. Auf der Sonne toben in einem wiederkehrendem Rhythmus an- und abschwellende Sonnenstürme, erkennbar vor allem durch eine Zunahme von Sonnenflecken aus denen ab und an heftige Eruptionen heraus brechen. Diese schleudern Strahlen- und Teilchenwolken ins Weltall und wenn die auf die Erdatmosphäre treffen, zaubern sie Polarlichter an den Himmel. Die Intensität dieser Stürme nimmt in über einen Zeitraum von 11,1 Jahren zu und befindet sich genau jetzt auf dem Peak. Es wird also so viel Strahlen- und Teilchenkram ins All geschleudert wie seit 11,1 Jahren nicht mehr – und wie die nächsten 11,1 Jahre auch nicht. Deswegen war es in den vergangenen Monaten sogar bis in den mitteldeutschen Raum hinein möglich, Polarlichter zu sehen. Um es mal ins Verhältnis zu setzen: während einer Minimumphase an Sonnenflecken, also dem, was es für Polarlichtervorkommen braucht, liegt die monatliche Zahl zwischen null und zwanzig, beim Maximum, also jetzt aktuell, bei achtzig bis dreihundert. Hinzu kommt, dass dieser Sonnenzyklus von einer ungewöhnlich hohen Intensität und damit Aktivität ist.

Was unterm Strich bedeutet: der Winter 2024/2025 könnte richtig fette Polarlichter bringen, besonders wenn man sich in den Bereichen befindet, wo sie eh schon immer am Besten zu sehen gewesen sind. Also so hoch im Norden wie möglich, Norwegen zum Beispiel lädt dazu grade zu ein.

Norwegen, dieses Land, von dem wir bis jetzt nur den äußersten Norden kennen. Beim Sommer Baltic Sea Circle sind wir von Schweden aus auf der Höhe von Namsos nach Norwegen rein gefahren und das ist in etwa auch die südlichste Gegend von Norwegen, die wir kennen. Und ein Blick auf die Karte verrät, dass da noch viel Land Richtung Süden ist, dass auch Norwegen heißt. Und das wir schon immer auf unserer „da wollen wir mal hin“-Liste hatten, aber sich noch keine Gelegenheit dazu geboten hat.

Mit Gelegenheiten ist das ja so eine Sache: man kann darauf warten, dass sie sich ergeben. Oder man liest die Zeichen und schafft sie. Und Hummeln im Hintern, die wahrscheinlich beste Chance in dieser Dekade auf Polarlichter und Neugier auf Norwegen – all das schreit grade zu nach einem Roadtrip! Und wer sind wir, dass wir uns dem verwehren. Es ist eh noch etwas Resturlaub über, im Nachgang zur letzten Tour hatten wir ein paar sehr warme Schuhe und dicke Wollpullover angeschafft die noch keinen richtigen Einsatz hatten und der Volvo Leichenwagen ist doch eigentlich eh ready to rock.

Alles, wirklich alles sagt: macht das jetzt! Und was sagen wir? Wir machen das jetzt!

Ein entspannter Urlaub in Dänemark im späten Herbst hat den perfekten Rahmen geboten, um in Ruhe über der Routenplanung, Vorabrecherche und Kalkulationen zu sitzen. Denn eins zeigen die Erfahrungen: man muß sich immer neu Gedanken machen, wir werden nicht ins Blaue fahren sondern mit recht konkretem Plan unsere Tour bestreiten. Und so sieht dieser Plan aus:

Ausrüstungsmäßig sind wir gut vorbereitet, die Lücken der letzten Tour sind weitestgehend gestopft. Insbesondere hatten wir uns bessere Kleidung ins Lastenheft geschrieben. Weniger Kunstfasern, mehr Naturmaterialien. Und warmes Schuhwerk. Außerdem haben wir einen kleinen Elektrolüfter für die Steckdose besorgt. Einige Unterkünfte waren kaum vorgeheizt und die montierten Heizungen brauchten Stunden zum Aufwärmen, teilweise war es erst warm als wir wieder abreisten. Hier versprechen wir uns Besserung durch den eigenen Lüfter, und wenn wir ihn uns wie einen Ventilator auf den Couchtisch stellen können. Verpflegung werden wir wieder ausreichend selber mitnehmen, insbesondere die Abendessen werden wir zum größten Teil vorkochen und einwecken.

Dringende Nachbesserung ist beim Sitzmobiliar unseres 145 Express notwendig. Zwar wurde vom Vorbesitzer 2009 alles einmal neu geledert, leider wurden die Schaumstoffkerne dabei aber nicht getauscht. Diese sind völlig durch, man sitzt schief und im Steißbereich nahezu ungepolstert. Das hat auf der Illyrian 2023 nur noch randständig funktioniert, mittlerweile sind die Polsterungen so am Ende, dass es wirklich keinen Spaß mehr macht, sich in das Auto zu setzen. Also orderten wir bei Buttkereit in Duisburg neue Schaumstoff-Stücke für die Sitze, diese mussten allerdings noch angepasst und montiert werden. Das hat ein Autosattler in direkter Nähe zu dem Volvo-Teiledealer in Duisburg übernommen. Außerdem haben wir derzeit Probleme mit der Bremsanlage, nach längerer Standzeit bei kühlen Temperaturen bremst der Wagen nur einseitig – auf trockener Straße bei stärkeren Bremsungen ist das bereits eindrücklich, bei Eis und Schnee wird das sicherlich ein Alptraum sein. Die in die Jahre gekommen Hauptscheinwerfer sind mittlerweile gegen neue ausgetauscht, eine H4-Fassung und frische Reflektoren leisten ganze Wunder. Auch das Fahrwerk ist nach der Tour 2023 einmal komplett neu bebuchst worden, Spurtreue sollte also kein Problem sein. Ansonsten müssen natürlich einmal alle Flüssigkeiten getauscht und auf -30 bis -40 Grad angepasst werden, das bedeutet vor allem leichtlaufendes Öl und besserer Frostschutz. Spikes, Schneeketten und das alles liegt noch im Keller.

Bleibt die Route. Norwegen soll ja ein Schwerpunkt sein. Deswegen lag unsere Präferenz auf schnellem Hochkommen und entspanntem Zurückfahren. Das Nordkap lassen wir diesmal aus, so spannend ist es am Ende doch nicht und wir waren mittlerweile sowohl im Sommer als auch im Winter dort. Anders als bisher werden wir nicht auf eigener Achse nach Skandinavien übersetzen. Ab Kiel werden wir die Fähre Richtung Göteborg nehmen. Diesmal wollen wir das Saab-Museum besuchen, danach auf direktem Wege mit langen Transitetappen an der Ostsee hoch Richtung finnische Grenze. In Finnland werden wir uns einen Day Off gönnen – ein bisschen Sauna gehört ja fast zwingend dazu. Unser Umkehrpunkt wird diesmal Alta sein, von dort geht es in die Lyngen Alpen und auf die Lofoten. Und anschließend in einem gemütlichen Bogen an der norwegischen Atlantikküste entlang bis Bergen, wo wir wieder eine Fähre nehmen werden, diesmal bis Hirtshals in Dänemark. Für die ganze Tour werden wir uns drei Wochen Zeit nehmen, Ende Januar wird es losgehen.

Natürlich gibt es noch einiges vorzubereiten, und natürlich wird die Zeit hinten raus wahrscheinlich wie immer etwas knapp. Bei einer Sache bauen wir auf unsere Leser:innen: jeder Roadtrip braucht einen guten Soundtrack. Und uns hat es immer Spaß gemacht, wenn dieser Soundtrack nicht nur mit unserer Musik gefüllt war, sondern wenn uns Menschen Songs geschenkt haben. Das geht ganz einfach. Wir haben eine offene Spotify-Playlist erstellt, zu dieser kann man, Spotify-Account vorausgesetzt, Lieder hinzufügen. Das hat mit dieser oder dieser Playlist zum Beispiel schon hervorragend funktioniert und uns auf den Trips eine richtig gute musikalische Untermalung beschert. Und deswegen möchten wir Euch einladen, uns auch diesmal Songs zu schenken. Und zwar Euren liebsten Roadtrip-Song, Euren liebsten Party-Song, Euren liebsten Chill-Out-Song und Euren liebsten Feel-Good-Song. Und das ganze in dieser Playlist: Polar Lights Express 2025. Wer keinen Spotify-Account hat, kann gerne unter diesem Artikel seine vier Songs im Format Interpret – Titel kommentieren, wir fügen diese dann unserer Playlist hinzu. Tausend Dank dafür schon einmal!

8 Kommentare

  1. Liebes Likedeeler-Team

    folgende Musikstücke möchte ich Euch anempfehlen:

    1. Don´t Worry, Be happy (Bobby McFerrin); ein Gute-Laune-Stück für die verschiedensten Lebenslagen und Pannensituationen
    2. Er ist nicht mein Präsident (Mitch Ryder); bei der Vorbeifahrt an amerikanischen Horchposten mit offenem Fenster zu genießen
    3. The Best Years of Your Lives(unbedingt die LIVE-Fassung wählen; Steve Harley & Cockney Rebel); ein Selbstvergewisserungssong für spätjugendliche Nordland-Fahrende
    4. Parce midi domine (Jan Garbarek & Hilliard Ensemble)), diese Schutz-/ Verschonungsbitte an den, der uns alle im Blick hat, wirkt im hohen Norden zusätzlich gegen vergorenen Konservenfisch
    5. Simon Says (1910 Fruitgum Company); ein fröhliches Mitmachlied, das die allerersten Übungsleiter des St.Pauli unter dem obigen Pseudonym geschrieben und zur ersten Vereinshymne gekürt haben

    Ich wünsche Euch weiterhin gute Vorbereitungen und viel Vorfreude auf das nahende Abenteuer.

    ARB

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  2. Spotify mobbt mich wieder…

    Daher so:
    Klabusterbären – Der Fluss (kleiner musikalischer Gruß aus Halle)
    The Ataris – The Boys Of Summer (der Roadsong für kalte Orte und Tage)
    Russkaja & Dubioza kolektiv – Drushba (You’re Not Alone)
    Le Fly & Russkaja – Senorita Bam Bam

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  3. Sry kein spotify!
    1. motorhead – orgasmotron
    2. ccr (Creedence Clearwater Revival) – fortunate son
    3. the cult – rain
    4. b52s – Planet claire
    5. the cure – a Forest, Fascination Street und unbedingt 10:15 Saturday Night

    Habt Spaß ‼️‼️🏴‍☠️

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  4. Dann gute Fahrt, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel… oder so ähnlich… ;=*). Ich wünsche Euch nicht nur die Polarlichter, seufz, bisschen Neid, sondern auch wunderbare nächtliche Sternenhimmel.

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