von Skei bis Bergen (Radisson Blu Royal Hotel)
223 gefahrene Kilometer
Roadtime: 04:35 Stunden
Sonnenaufgang Start: 08:20 Uht
Sonnenuntergang Ziel: 17:23 Uhr
Temperatur: -7 Grad über 0 Grad (gefühlt 4) bis 3 Grad
26 l getankt
1x Luftdruck geprüft, 3x Pipi mit Foto, 1x Fähre (30 Minuten) 1x Foto, 1x tanken, Reifen bei jeder Pause überprüft
Als Matthias heute Morgen in aller frostiger Frühe zum Auto geht, um die zwei Schalter zu betätigen, fällt ihm auf, dass die Reifen ein bisschen schlapp aussehen. Obligates zurückkrabbeln ins warme Bett und irgendwann dann richtiges Aufstehen, fertig machen, frühstücken, Auto packen. In der Routine sind wir inzwischen ziemlich gut. Wir fahren das klitzekleine Stückchen zur E39, direkt an der Einmündung auf diese ist eine Tankstelle. Hier prüfen wir schnell den Luftdruck der Reifen. Und das ist bitter nötig. Der niedrigste Druck liegt bei 2,0 bar von benötigten 2,7 bar. Ordentlich aufgepumpt geht es auf die letzte große Etappe durch Norwegen mit Sicht auf die kommende Sonne. Wir hoffen auf einen weiteren Tag mit ständigen Brillenwechseln – schließlich möchten unsere Sonnenbrillen auch ein paar Nutzungsstunden in diesem Urlaub verbuchen können.

Die Straße ist komplett eis- und schneefrei und wird es den ganzen Tag auch bleiben. Danke, Gamle Bybroen, so hatten wir uns das vorgestellt! Noch ist alles von Raureif bedeckt. Hier und da glitzert die Straßendecke ebenfalls, Instabilitäten verursacht das aber nicht.

Wir klettern über enge Serpentinen hoch in die Berge, die Wasseraufzählung des gestrigen Tages ließe sich auch heute ausufernd fortführen. Unzählige große und kleine Bergseen säumen unseren Weg. Die meisten sind noch zugefroren, auch wenn man erkennen kann, dass die tendenziell positiven Temperaturen hart daran arbeiten, diesen Zustand zu ändern.




Wir fahren in einem ständigem Wechselspiel aus Serpentinen, Tunneln und Fjordstraßen. Die Fahrbahn kann sich nicht richtig entscheiden, wo sie denn eigentlich verweilen möchte und scheint, einem hibbeligen Kind gleich, einem alles auf einmal zeigen zu wollen. Dabei ist sie mal breit und großzügig, an Steigungen teils sogar zweispurig, mal ist sie eng und schmalspurig, mal öffnet sie den Blick, mal versteckt sie sich in kleinen und großen Tunneln. Abwechslungsreich, so könnte man das Ganze beschreiben. Wie gestern bereits sind wir beeindruckt, was hier aufgefahren wird, obwohl wir nicht auf der Scenic Route sind.




Und gerade als es läuft, kommen wir an einen Knackpunkt. Ein Knackpunkt, der bereits wiederholt auf dieser Tour ordentlich geknackt hat. Wir müssen eine Fähre benutzen. Im Vorfeld hatten wir natürlich recherchiert, ob das easy peasy wird oder ob es eine „auf Abruf“-Fähre ist. Angeblich fährt sie regelmäßig, alle zwanzig Minuten. Und als wir auf den Fähranleger zufahren, läuft gerade auch die Fähre ein. Als hätten wir es so geplant, warten wir unter fünf Minuten bis wir an Bord fahren. Keine zehn Minuten nachdem wir auf den Anleger gefahren sind, legen wir ab. In gut zwanzig Minuten überqueren wir den Sognefjord.


Die Hälfte der Strecke haben wir für heute geschafft. Katrin hat bis hierher nicht allzu viele Fotos gemacht. Zum einen war sie noch mit der Auslese für den Blogbeitrag zu Tag 20 beschäftigt – gestern Abend war so dermaßen die Luft raus, dass wir nach Sauna und Essen lieber an unseren Kissen gelauscht haben – zum anderen ist mittlerweile ein reger Verkehr, so dass unsere Scheiben eigentlich durchgehend mit Salzmatsch verschmiert sind. Denn gesalzt ist die E39 als ginge es darum, sie für die nächsten Jahre haltbar zu machen.


Um 14:00 Uhr ploppt ein Termin auf Matthias Handy auf (wir haben im Artikel zu Tag 20 bereits darüber geschrieben). Ab jetzt sind unsere Gedanken woanders. Wir sind abgelenkt. So richtig haben wir keinen Blick mehr für die Landschaft. Diese Nachricht muss erst einmal sacken.

Wir nähern uns immer weiter Bergen, der Verkehr nimmt drastisch zu. Auch das müssen wir erstmal verdauen. Die letzten Wochen sind wir mehr als zehn Autos in einer halben Stunde echt entwöhnt gewesen. Richtung Bergen fahren wir in einer permanenten Schlange von Fahrzeugen. Nach einem Tankstop auf der linken Straßenseite ist es gar so voll, dass wir nicht nach links in „unsere Richtung“ zurückbiegen können, sondern erst einmal rechts müssen und über eine Kreuzung mit Ampel anschließend wenden. Neben unserem Hotel gibt es ein kleines Parkhaus. In diesem finden wir eine ruhige Ecke mit genug Platz. Wir checken kurz ein, bringen unsere Sachen aufs Zimmer und anschließend wechseln wir zum vierten Mal auf dieser Tour den Radsatz.

Morgen fahren wir ca. 10 bis 15 Minuten bis zum Fährterminal. Es ist kein Schnee angesagt und wir setzen jetzt darauf, dass es so bleibt. Ab Deutschland wären Spikereifen verboten. Das bedeutet, wir müssten irgendwo in Dänemark umschrauben. Vielleicht sogar bei Regen und Schnee. Dann doch lieber hier im Trocknen – so haben wir diese schweißtreibende Tätigkeit von der Brust und können direkt duschen.

Den Nachmittag verbringen wir mit einem Stadtbummel in Laufgeschwindigkeit. Wir möchten zum Sonnenuntergang gerne auf den Fjord gucken und entscheiden uns erst einmal für die falsche Ecke – wir landen im Industriehafen.

Also alles noch einmal zurück und auf die andere Seite des Hafens. Am Aussichtspunkt angekommen stellen wir fest: Wir hätten uns nicht beeilen müssen. Der Sonnenuntergang wird von einer massiven Wolkenwand versteckt. Wo die in der Zwischenzeit hergekommen ist, weiß der Geier. Die Dame an der Rezeption meint jedenfalls, Sonne in Bergen sei überaus selten, wir hätten wohl Glück. Wir denken „jein“ und freuen uns an den schönen Lichtern einer abendlichen Stadt.





Die Stadteile Nordnes, Verftet und Nøstet schauen wir uns noch an, um am Ende in einem kleinen, sehr leckeren Thai-Restaurant zu landen. Der Rückweg ist frostig. Wie der Tag begann, so endet er auch. Die Gehsteige sind von Raureif überzogen und glitzern im Licht der Neonreklamen. Wir sind ganz offensichtlich wieder zurück in der Zivilisation. Morgen checken wir für die längste Fährfahrt dieser Tour ein. 18 Stunden werden wir auf See sein.


Nachtrag: Bei einem Fotostopp tauchen diese vier Gesellen auf. Sie schwimmen zielstrebig auf Katrin zu und lassen sie nicht mehr aus dem Blick – beide Seiten scheinen fasziniert & misstrauisch zugleich zu sein.



Bei Bergen kommt mir immer wieder diese Story ein. Wird ein kleiner Junge gefragt wie lange es denn schon regnet in Bergen. Seine Antwort: weiss ich nicht, ich bin erst acht Jahre alt 🌧️
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