Tag 1 – Dreiländertag

Von Duisburg bis Saint Croix (Schweiz)

Kilometer: 725

Roadtime: 10:10

Getankt: 59l

2x Tankpause, 3x Pipipause, 1x Einkaufen, 1x Mittagessen

Der Wecker klingelt heute früh, um 06:00 Uhr wollen wir losmachen. Etwas über 700 Kilometer stehen auf der Uhr, heute scheppern wir bis fast in die Nähe des Startpunktes der Route des Grandes Alpes. Unser Ziel ist Saint Croix in der Schweiz, ein verschlafenes kleines Nest auf 1060 Meter Höhe kurz hinter der französischen Grenze. Hier wohnt Barbara in einem alten Bauernhaus umgeben von Felder, Wald und dem Geklimper von Kuhglocken. Barbara ist Saab-Enthusiastin durch und durch. Wir haben sie im Rahmen eines Bildungsurlaubes in Warschau kennen gelernt und wie es der Zufall so will, passieren wir fast ohne Umweg Saint Croix.

Bis wir dort sind dürfen wir allerdings U-Boot fahren. Initial stehen wir im Stau der Ruhrgebiets-Autobahnen und ihrer gefühlt endlosen Baustellen und maroden Brücken. Draussen ist es grau, es nieselt bei um die 16 Grad. Umso weiter wir Richtung Süden fahren, umso kälter wird es, Tiefpunkt erreichen wir bei 13 Grad, da sind selbst mir kurze Hose und T-Shirt zu wenig und ich ergänze um einen Kapuzenpullover. Proportional zu den sinkenden Temperaturen schüttet der Himmel immer mehr Wasser auf die Straße, wir zweifeln zwischendurch daran, ob eine Camping- und Wandertour in diesem Sommer die richtige Idee war.

Ohne nennenswerte Besonderheiten passieren wir den Taunus, wechseln kurz vor Frankfurt auf die A67, kurz darauf auf die A5. Wir steuern regelmäßig die Autohöfe an in der Hoffnung, etwas zum Frühstück zu bekommen – leider haben alle Restaurants noch geschlossen. Also ziehen wir bis zum Mittag durch und halten erst gegen Mittag am Autohof Europapark um dort etwas ordentliches zu essen. Kurz hinter Neuenburg am Rhein tanken wir kurz und wechseln dann auf die A36. Mit ihr überqueren wir den Rhein und sammeln damit den ersten Länderpunkt dieser Tour.

Bester Ort zum Bananen nachreifen

Frankreich begrüßt uns mit immer blauer werdendem Himmel, mit jeden Kilometer wird das Wetter schöner und das Thermometer klettert stetig bis hoch auf 22 Grad. So haben wir uns das vorgestellt, wir nehmen das als gutes Omen und herzliche Einladung nach Frankreich.

Ein paar Mautstationen später verlassen wir die französische Autobahn bei Rang und folgen der D31 Richtung Süden. Wir streifen die westlichen Ausläufer des Parc naturel regional du Doubs Horloger und durchqueren das Juragebirge. Hier liegt die Wiege des französischen Uhrmacherhandwerkes, seit 2020 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.

Uns beeindruckt die an uns vorbeiziehende Landschaft, schnuckelige, kleine Bergdörfer schmiegen sich in eine sehr schwungvolle und abwechslungsreiche Landschaft. Eben scheint hier nichts zu sein, Hügel reiht sich in jede Richtung an Hügel, eingefasst vom Jura-Faltengebirge. Der Name dieser Gebirgslandschaft kommt nicht von dem gleichnamigen Zeitalter, bereits die Kelten nannten diesen Landstrich Jor, die Römer Juris, beides synonym für Wald oder Waldland verwendet. Tatsächlich hat das Jura-Zeitalter, also jener Zeitraum vor 200 bis 145 Millionen Jahre, seinen Namen von diesem Gebirgszug.

In diesem Zeitraum befand sich hier ein bis zu 200 Meter tiefes Meer, das so genannte Urmittelmeer. In den immer wieder trockenfallenden Randbereichen des Meeres verdunstete viel Wasser und schuf so die heute in der Region bekannten Salz- und Gipslager. Gegen Ende der Jurazeit zog sich das Meer Richtung Südwesten zurück, in den verbleibenden Sedimenten bildeten sich zahlreiche Fossilien – von Saurierskeletten bis hin zu gut erhaltenen Fußabdrücken eben jener.

Vor 10 bis 2 Millionen Jahren schepperte dann der afrikanische Kontinent durch eine Nordverschiebung gegen die eurasische Platte, die Alpen sind quasi die Kaltverformung dieses Aufpralls. Das letzte bisschen kinetische Energie nahm das ehemalige Urmittelmeer auf und so faltete sich das Juragebirge übereinander.

Diese Faltung – in Verbindung mit ordentlich Erosion – bildet die hier charakteristische Landschaftszeichnung aus Hügelmulden und Faltenscheiteln aus.

Das Ergebnis: eine wunderschöne Landschaft durch die sich die D31 in wunderbaren Schwüngen und einem lebhaftem Auf und Ab windet. Es macht Spaß, hier Auto zu fahren.

Bei Avoudrey wechseln wir auf die Ausbaustrecke D461, einer recht grade und eher schnöden Schnellstraße, die wir ab Epenoy recht schnell wieder hinter uns lassen. Wir folgen der D32 weiter Richtung Süden, diese führt uns auf die N57 der wir bis La Gauffre folgen. Ab dort geht es über die D6 Richtung schweizer Grenze. Ich bin neugierig, was uns dort erwartet. Bei diversen Trips haben wir hier schon unterschiedlichste Grenzverfahren erlebt. Heute treffen wir auf eine komplett verwaiste Grenzstation, entsprechend flott stecken wir den zweiten Länderpunkt der Tour ein. Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis Saint Croix.

Hier erwartet uns Barbara und wir verbringen den späten Nachmittag und Abend in der Sonne mit Panoramablick, Abends gibts es Ratatouille und zum krönenden Abschluß das beste Fernsehprogramm der Welt: Sonnenuntergang über Idylle.

Genauso früh wie der Tag begann, endet er auch. Wir sind müde und uns stecken die 700 Kilometer in den Beinen. Mit der schwindenden Sonne wird es wieder kühler und Mücken freuen sich über uns als Buffet. Im letzten Rest Tageslicht klettern wir die Leiter zum Dachzelt hoch und winken Barbara noch eine gute Nacht hoch zu ihrem Schlafzimmerfenster. Morgen starten wir dann die eigentliche Tour. Wir haben Bock!

2 Kommentare

  1. Und auch jetzt freue ich mich wieder auf tolle Bilder und lustig, informative Texte und den blöden Wunsch, so ne Tour auch mal mit Eddie zu machen.

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