Tag 4 – per Pedes

von Camping Domelin nach Camping Domelin

Gefahrene Kilometer: 30

Roadtime: 4,5 Stunden

getankt: nüscht

1x Wanderung mit Mittagessen

Nachdem uns gestern die Kälte in Kombination mit der Feuchtigkeit des Flusses ins Bett getrieben hat, war die Nacht so, wie es der Abend versprochen hat. Gut eingemuckelt in unsere Schlafsäcke hat sich das aber gut ertragen lassen und als morgens die Sonne ihre ersten Strahlen über die umliegenden Bergrücken schickt, wachen wir mit gutem Tatendrang auf.

Für heute steht nur eine sehr kurze Autofahrt mit anschließender Rückkehr auf diesen Campingplatz auf unserem Programm. Wir haben uns eine Rundwanderung oberhalb des Lac de Roselend, einem Stausee, gesucht. Die 80 Meter breite und 150 Meter hohe Mauer staut hier seit 1960 den Doron um ein Wasserkraftwerk anzutreiben, 546 Megawatt können dadurch erzeugt werden. 187.000.000 Liter Wasser fasst der Stausee in Gänze, heute scheint er nicht vollständig gefüllt zu sein. Seinen Namen hat der Stausee von dem Dorf, dass jetzt auf seinem Grund liegt. Zu der Wasserkraftanlage gehören weitere Speicherbecken, der Lac de Saint-Guérin und der Lac de la Gittaz. Über ein über 30 Kilometer langes Zuleitungssystem wird die Kraftwerkzentrale La Bâthie gute 12 Kilometer von Roselend entfernt mit Wasserdruck versorgt, außerdem werden noch zwei kleine Kraftwerke in Sauces mit 18 Megawatt und in Pierre Giret mit 6,2 Megawatt versorgt.

Bedeutet vor allem: hier ist ein wunderschöner See mit Satumauer in Alpenpanorama ohne störende Industriebauen. Richtig fettes Plus!

Wir fahren frühstücken, rüsten uns wandertauglich aus, packen alles ins Auto und klappen das Zelt zusammen und los geht es. Gemütlich fahren wir durch das schon sehr wache Beaufort um auf der Hälfte auf die D218A abzubiegen. Die Straße ist unglaublich schmal und führt in engen Kurven und Serpentinen den Berg hinauf. Es sind unglaublich viele Fahrradfahrer:innen unterwegs, es ist zeitweilig kaum möglich, sie zu überholen. Nicht, weil Gegenverkehr kommt (Gott sei Dank kommt der nur sehr selten!), sondern weil die Fahrbahn für Rad und Auto nebeneinander einfach zu schmal ist. Hinter Arêches wird es endgültig sportlich, in 14 180°-Turns geht es steil zwischen Almwiesen bergauf. Wir machen uns keinen Stress, warten auch mal länger hinter einem Rad und kommen schlußendlich auf der 1703 Meter hohen Passscheide des Col du Pré an. Wir finden unmittelbar einen Parkplatz obwohl es schon recht voll ist, packen unseren Kram und laufen los in den dichten Wald. Der recht matschige Weg ist breit, hat eine ordentliche aber schaffbare Steigung und wir kommen gut voran. Bis wir merken, dass wir sehr selbst bewusst uns für den komplett falschen Weg entschieden haben. Nur der Vollständigkeit halber weil es Menschen gibt, die behaupten ich würde das Konzept „sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ auch sehr erfolgreich auf Ortskenntnisse und Orientierung übertragen würde: ich bin nicht vorgelaufen!

Also drehen wir um und haben am Ende auf diese Weise ca. 1,5 Kilometer auf unsere Wanderroute addiert. Das war natürlich geplant, dieser kurze Ausritt war natürlich zum Muskel aufwärmen. Zurück am Col du Pré nehmen wir diesmal den richtigen Weg und steigen ebenfalls durch den Wald aber diesmal steil und über ausgewaschene Wurzeln bergan. Durch die Bäume erahnen wir immer wieder die beiden Motive der Wanderung: unten glitzert das tiefe Blau des Lac de Roselend, dadrüber funkelt der Mont Blanc. Und eigentlich gibt es noch ein drittes Motiv, das neben den beiden anderen fast ein wenig untergeht: 360° um uns herum ist bestes Alpenpanorama. Berge und Weite in jede Richtung.

Die ersten zwei Kilometer haben es in sich, es geht direkt 400 Meter hoch. Wir sind sehr froh, Wanderstöcke dabei zu haben, das macht den steilen Aufstieg (und später den Abstieg) deutlich angenehmer und sicherer. Nach 2,5 Kilometern erreichen wir das theoretische Gipfelkreuz des Roche Partire. Bereits mit überqueren der Baumgrenze sind wir geflasht vom Panorama, jetzt setzen wir uns hin, machen eine gute Pause zum Trinken, Abkühlen und die Atmung beruhigen. In alle Richtungen guckt es sich phänomenal, ums uns herum sind Wildkräuterwiesen in denen die Grillen zirpen.

Über einen langen, schmalen Grat laufen wir über das Roche Partir-Massiv, zwischendurch mit sehr genauem Blick dafür, wo wir unsere Füße aufsetzen. Um uns herum ist eine Kuhherde, schätzungsweise 30-40 Tiere denen die Wildkräuter offenbar hervorragend schmecken. Und das führt zu überall herumliegenden und der Umgebung einen deutlichen Duftstempel aufsetzenden Hinterlassenschaften.

Schließlich neigt sich der Grat auf dem wir Wandern größeren Wegen an der Bergflanke entgegen, wir biegen scharf links ab und sind auf einem breiten und geschottertem Weg. Ganz offensichtlich wird dieser zur Bewirtschaftung der Viehzucht genutzt, wir laufen an einer mobilen Melkstation, Treckern und anderen Maschinen vorbei. Gemütlich geht es bergab, während die ersten 2,5 Kilometer 400 Höhenmeter bergauf hatten, verteilen sich diese jetzt auf gut 5 Kilometer. Wir schnacken (nicht, weil es vorher nichts zu schnacken gegeben hätte, jetzt haben wir aber auch die Puste dafür) und sind gefühlt sehr flott wieder am Auto.

Anders als unten im Tal hat die Lokalität auf dem Pass durchgehend warme Küche, wir finden einen schönen Platz auf der kleinen Terrasse mit Blick auf den Stausee und den Mont Blanc, lassen uns die Karte bringen und entscheiden uns für Omelette. Einmal mit Beaufort-Käse und einmal mit Beaufort-Käse, Zwiebeln und Speck. Wir wissen nicht genau, womit wir rechnen müssen und spekulieren noch auf Crêpes oder Creme Brulee als Nachtisch bis unser Essen kommt. Die Omelettes sind aus locker 5-6 Eiern gemacht und ordentlich gefüllt. Und fluffig – ich glaube, so fluffige Omelettes habe ich noch nie gegessen. Dazu gibt es eine stabile Menge Grünzeug, die Gesundheit soll ja nicht zu kurz kommen.

Ganz entspannt zischen wir ein Kaltgetränk, genießen den Ausblick und das Essen. Crêpes und Creme Brulee streichen wir, nicht, weil wir nicht wollen sondern weil wir nicht können. Gesättigt und zufrieden vom Tag steigen wir wieder ins Auto und fahren Richtung Tal, diesmal die andere Seite des Berges entlang runter zum Lac de Roselend. Die Straße ist deutlich breiter als die Anfahrt, unten am See biegen wir sehr schnell auf die Staumauer ab und genießen die frische vom Wasser aus hereinwehende Brise. Und dann geht es flott, wir sind sehr schnell in Beaufort, biegen auf unseren Campingplatz ab, bauen Zelt und Lager wieder auf und duschen uns den Schweiß und den Dreck des Tages ab. Und hängen den Rest rum, irgendwie verstreicht die Zeit hier schneller. Immer noch satt vom Omelette snacken wir Mitgebrachtes und regenerieren. Bis die Familien der umliegenden Zeltplätze wieder da sind, dann geht das abendliche Aufdrehen wieder los. Aber das kennen wir ja schon von gestern Abend, so viel Ausdauer haben den Tag über ausgelaugte Kiddies ja nicht.

1 Kommentar

  1. Dieses Omelette mit all der Landschaft macht mich ganz neidisch! Gegönnt sei es euch trotzdem von ganzem Herzen!

    Und danke für die Klarstellung mit dem Weg. Das innere Bild der Situation war schon gezeichnet … 😜

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