Tag 6 – Entschleunigung

Von und zum Camping d‘Orelle

Gefahrene Kilometer: 46

Getankt: nüscht

Roadtime: 6 Stunden

1x Wanderung, 1x Sommerrodelbahn, 1x Essen und chillen

Gestern hatten wir kurzfristig unsere lange Wanderung für heute gecancelt. Das war durchaus auch richtig so. Bereits die Nacht hatte es in sich, das Thermometer fiel nur auf knapp unter 20 Grad und das auch nur sehr wiederwillig. Wir hatten alles an Luken auf, was das Zelt zum Lüften vorsieht. Und obwohl wir heute morgen eigentlich „ganz in Ruhe“ geplant hatten, treibt die aufgehende Sonne vor allem mich aus dem Bett. Fabi ist da schon auf den Beinen.

Wir frühstücken ganz in Ruhe, packen unseren Kram und bauen alles ab. Das ist der wirkliche Nachteil eines Dachzeltes, wenn man einen Tagesausflug machen möchte, muß man halt alles einpacken und abbauen. Aber ich und inzwischen auch Fabi haben da mittlerweile Übung drin.

Wir fahren einen Teil der gestern zurückgelegten Strecke noch einmal, bei La Norma haben wir einen Rundwanderweg durch ein Waldstück gefunden. Das klang für uns super, bei der ziemlich knallenden Sonne durch schattigen und hoffentlich etwas kühleren Wald zu laufen. Besser jedenfalls als über der Baumgrenze dauerhaft der Sonne ausgesetzt zu sein. La Norma ist eines von diesen an skigünstigen Berghängen gelegenen Dörfchen mit mehr touristischen Schlafgelegenheiten als Einheimischen. Wir zählen drei Skilifte und dutzende Schneekanonen. Die Wanderung sah auf den ersten Blick nach einem anstrengenderem Spaziergang aus, wir haben unsere Turnschuhe an und laufen engagiert los. Diesmal tatsächlich aus Anhieb in die richtige Richtung. Durch eine nette kleine Parkanlage geht es am lokalen Schwimmbad vorbei in den Wald und zack sind wir auf einem anspruchsvollen und sehr schönem Wanderweg. Schmal, mit Wurzeln und Steinen durchzogen und steil auf und abgehend. Das ist tatsächlich mehr „Abenteuer“ als wir dachten, wir sind damit aber fein. Es gibt einige Aussichtspunkte auf das Tal, leider wird die Aussicht hier von einem gigantischem Kieswerk oder ähnlichem gestört.

Mit ein bisschen Mühe geht es auch ohne Kieswerk;)

An einer der ersten Abzweigungen entscheiden wir uns für einen anderen Weg, wir sind neugierig was „Les Tuffs“ auf den Hinweisschildern wohl ist. Es soll nur 15 Minuten bis dorthin sein. Steil geht es bergab und nach 15 oder 20 Minuten bergab googlen wir mal, was „Les Tuffs“ eigentlich sind. Und finden nichts. Also drehen wir um, stapfen den Berg gut gelaunt wieder hoch und folgen dem eigentlichen Weg.

Dieser führt uns in einer großen Runde durch den Erika-Wald um La Norma herum, Erika von den Blumen, sie stehen in Frankreich auf der roten Liste und sind geschützt. Sie wachsen hier überall in Pflanzkästen, auf Verkehrsinseln und in Vorgärten – nur in diesem Wald nicht. Warum er den Namen trägt? Erschließt sich uns nicht.

Zwischendurch wird es aufregend: der Weg führt über eine Hängebrücke, die ersten Holzbretter des Tritts sind so rutschig-glatt, dass ich mich mit meinen Turnschuhen fast hinhaue. Doch auch dieses Hindernis meistern wir bravourös, natürlich hätten wir auch den fünf Meter nebenan verlaufenden normalen Weg nehmen können, aber einem echten Abenteuer gegenüber sind wir natürlich nicht abgeneigt. Ob die Brücke 1,5 Meter über dem Boden der überspannten „Schlucht“ richtig Sinn macht, diese Frage stellen wir uns nicht. Mit der richtigen Perspektive sieht die Brücke fast gefährlich aus. Zumindest im Internet.

Während des Aufstieges zurück Richtung Dorf kommen wir an einer Sommerrodelbahn vorbei. Die hatten wir gestern im Vorbeifahren bereits gesehen, 8€ für die bis zu 40km/h schnelle Abfahrt klingt nach einem super Deal und wir holen uns zwei Tickets. Während wir anstehen klären wir kurz die individuellen Erwartungen an die gefahrenen Geschwindigkeiten und einigen uns auf zwei Dinge: jede:r einen Sommerrodel, die Person mit dem höheren Geschwindigkeitswillen fährt zuerst.

Die Fahrt macht richtig Laune. Untypisch, dass man oben einsteigt, runter rodelt und dann wieder hoch geschleppt wird. Die Bahn ist so konstruiert, dass die Sommerrodel in einem Schienensystem laufen, man kann also theoretisch die ganze Zeit Knallgas fahren, vor dem Transfer per Kabelzug nach oben bremst der Wagen automatisch von selbst. Alles also risikofrei – Spaß macht es trotzdem sehr. Kühler Fahrtwind im Gesicht, schnelle Kurven, Huggel und lange Graden, und ruckizucki sind wir wieder unten auf Straßenniveau. Verrückt, wie flott der Weg, den wir grade mühsam hochgelaufen sind, zurück gelegt werden kann.

Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung zum komplett durchgeglühtem Auto, wir fahren – wie die ganzen letzten Tage – mit offenen Fenstern los. Der freundlichen und ortskundigen Frau im Radio haben wir den Arbeitsuaftrag gegeben, uns noch einmal zu dem netten kleinen Außengastro-Ding zwischen den Festungen von Gestern zu bringen. Unser Plan: noch einmal Gallette, dann was im Schatten abhängen und vielleicht noch ein Crêpes hinterher schieben.

Da wir beide Freund:innen von „bewährtes funktioniert“ sind, bestellen wir das Gleiche wie gestern. Und werden wiedererkannt. Das ging schnell, zweiter Besuch und schon „wie immer“. Anschließend ölen wir rum, quatschen und lassen einfach die Zeit verstreichen bis wir bereit sind für eine Runde Crêpe. Wir wählen den Belag geschmolzene Butter, Zucker und Zitrone – und es ist ein Träumchen. Fotos gibt es von den Crepes nicht, wir waren schlicht und ergreifend zu gierig.

Anschließend ziehen wir uns ein paar Liegestühle unter eine alte Platane und machen ein Nickerchen. Ganz ehrlich: es geht wirklich schlimmer. Savoir vivre, wie man hier so sagt.

Natürlich muss irgendwann irgendwer laut werden, unser Nickerchen wird unterbrochen und nachdem wir wieder aus dem kombiniertem Gallette-Crêpe-Koma zurück in die Realität gewechselt haben, machen wir uns auf den Weg zurück zum Campingplatz. Hier das übliche Ritual: Zelt aufbauen, Auto in ein Lager verwandeln, Füße hochlegen. Fettes Minus: wir haben keine Liegestühle sondern nur Klapphocker zum Füße hochlegen. Wir leiden deswegen ziemlich, snacken irgendwann noch ein wenig zum Abendbrot und machen uns derweil Gedanken über den morgigen Tag. Wir haben zu wenig Strecke für zu viel Zeit, dass heißt, wir könnten unterwegs noch irgendetwas unternehmen.

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