20 Nations 2018 – Tag 6

zurück zu Tag 5

Gefahrene Kilometer: 543

Getankt: 58l

Nachgefüllt: /

Roadtime: 08:00-00:30

Pipipausen: 4

Start: Gorni Babin Potok

Über: Plitviker Seen

Ende: Camping Solitudo

Der Tag beginnt mit einem Frühstück in der Küche unserer Gastgeberin. Der Herd hat den Raum muckelig warm aufgeheizt, es gibt Berge an selbstgemachtem Käse, selbstgemachtem Brot, Wurst, Mamelade, Spiegeleier und einen Kaffee der Tote wieder zum Leben erweckt. Wir schaffen noch nicht einmal die Hälfte von all dem und bekommen dafür fast wie bei Omma zu Hause Ärger und traurige Blicke. Selten haben wir uns bei Fremden so wohl gefühlt. Ganz im Ernst. Wir schieben hier nochmal den Standort nach, wer immer dort in die Nähe der Plitvicker Seen kommt und dort nächtigen möchte: that’s the place to be.

Von dort geht es zu den Seen mit ihren berühmten Wasserfällen und dem, was diese Berühmtheit leider mit sich bringt: Trilliarden Touristen. Mindestens. Matthias rollen sich alleine beim Anblick der ganzen Busse schon die Fussnägel hoch, die Vorstellung sich mit den daraus herausquellenden Menschenmassen einen idyllischen Ort teilen zu dürfen löst massive Innere Gegenwehr aus. Aber es hilft ja alles nichts, wenn man schon mal da ist kann man sich das für 35€ (!!) pro Person auch geben. Superblaues Wasser weil irgendeine chemische Reaktion (natürlicher Art, irgendwas mit Mikrosowieso und Mineralien) das Wasser krass einfärben. No filter needed sozusagen. Schöne Wasserfälle, alles erreichbar über kleine Holzstege. Wirklich, wirklich schön. Wenn nicht die eine Quadrillionen Menschen wären die sich da durch quetschen und gegenseitig fast ins Wasser schubsen um die beste Selfieposition zu haben. Absurd. Also zügig weiter. Auf dem Weg an die Adriaküste nehmen wir noch einen Lost Place um die Ecke mit. Objekat 505 bei Zeljava liegt inmitten von Minenfeldern die noch nicht gänzlich geräumt sind. Hier wurde eine weitläufige Airbase angelegt die nach dem Jugoslawienkrieg teils gesprengt und teils sich selbst überlassen wurde. Die Besonderheit: am Ende des Rollfeldes steht noch ein alter Bomber. Der eigentliche Kracher sind aber die Hangars: sie wurden in den Berg gebohrt und boten Platz für bis zu 80 MiGs mit allem was an Versorgung dazugehört, die Hangareingänge sind passgenaue Ausschnitte im Fels. Zum Flugzeug kamen wir,leider waren Rollfeld und Hangars durch Security gesperrt. Dreharbeiten. Geht mir schon in Köln auf den Keks,hier erst Recht.

Also weiter: es geht durch die weite Prärie Winnetous (die Filme wurden hier gedreeht), gesäumt von Häusern in denen zum Teil noch die Einschusslöcher zu erkennen sind. Viele sind inzwischen nur noch Ruinen von denen sich die Natur ihren Teil zurückholt. Und wieder die Erkenntnis: es gibt kein größeres Leid als dass, das die Menschheit sich getrieben von Neid, Missgunst und Zwietracht selber antut.

Irgendwo werden wir von Strassenhunden in voller Fahrt angegriffen, schaffen es aber trotzdem runter ans Meer. Und nutzen die erste sich bietende Gelegenheit um die Badebuchsen anzuziehen und reinzuhüpfen. Bei Temperaturen um 30 Grad draussen und noch einmal plus 5 Grad on top im Auto eine absolute Wohltat. Im Anschluss suchen wir uns ein Restaurant direkt an der Strasse und essen etwas. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn kaum sitzen wir scheint weiter vorne ein Unfall stattgefunden haben. Vollsperrung, praktischerweise nir so lange bis wir fertig gegessen haben. Ja, wir hinken wieder etwas hinterher, Objekat 505 und schwimmen gehen waren das aber wert.

Die Strasse führt uns die Adriaküste entlang,mittem durch Ballermann-artige Partyzonen und wir werden begleitet von einfach auf die Strasse laufenden Fussgängern und völlig wildgewordenen Autofahrern. Strassenverkehr gone wild. Wir beschliessen aufzuholen und in die Nacht zu fahren und passieren die Grenze nach Bosnien-Herzegowina (Grenze 10) rutschen einmal schnell durch und sind schon wieder in Kroatien (Grenze 11). Das war nur rüber gespuckt. Nach einem Gewaltritt kommen wir in Dubrovnik an, es gibt dort einen Campingplatz (Solitudo) auf dem bereits einige Teams sind die Bescheid gesagt haben dass noch Nachzügler kommen. Leider wissen Rezeption und Security nichts davon, ein wenig Englisch, ein wenig Französisch, viel Diskutieren und Lamentieren und die beiden Autos (Team Danex Nissan Patrol Diesel und unser Volvo) mit laufendem Motor vor der Tür überzeugen dann doch letztendlich dass wir auf den Platz dürfen. Wir pennen im Auto, der Boden war supersteinig und Zeltaufbauen somit nervig (und wir ziemlich müde)- und es klappt hervorragend. Mittlerweile haben wir den Dreh raus!

weiter zu Tag 7