On a Norway to hell

Stage 3, Stage 4, Stage 5 and Stage 6 (20.6. – 23.6.16) (jedes „ö“ hier sollte ein „Ø“ sein, den Streit darum hat aber der Computer gewonnen)

Tag 3: Von Snavlunda über Östersund nach Krokom/Bole

Tageskilometer – 706
getankte Liter – 72,7
Zeit unterwegs – 12,5 Stunden
repariert – MTX-Vergaserreiniger eingefüllt

Den Morgen begannen wir mit einem gemeinsamen Frühstück mit der Reisegruppe „GinLikePolarAvil“ und zusammenpacken. Der freundliche Pfarrer der Gemeinde Snavlunda verabschiedete uns noch, nicht ohne uns noch seine zweite CD mit Eigeninterpretationen von Elvis-Stücken zu schenken. Und dann waren wir wieder auf der Straße. Wir hatten uns dazu entschieden, die nächste Etappe als Kolonne zu fahren und da wir die hochauflösenste Karte hatten, wurden wir an die Spitze zur Navigation gesetzt. Im Auto haben wir uns mittlerweile eingerichtet, wir wissen, was praktischerweise wie gepackt werden muss und haben sogar einen Trockenbereich für Handtücher und nasse Klamotten dank quer durchs Auto gespannter Wäscheleine. Fehlt nur noch der Gartenzwerg und es wäre fast ein Zuhause 😉
Auf der Straße waren wir jedoch nicht allzu lange. Wegen einer gemeinschaftlichen Fehlinterpretation einer Landstraße als Autobahn nahmen wir die Umfahrung bei Venjan, die uns über 30 km Schotterpiste durch den Wald führte. Nicht ganz leicht zu fahren, vor allem mit drei weit über dreißig Jahre alten Autos und einer sportlichen Stadtlimousine. Dafür wurde die Anstrengung aber mit toller Landschaft belohnt. Und die Autos sehen jetzt auch optisch etwas mehr nach Rallye aus.
Als wir den Fehler bemerkten und uns zurück auf die Landstraße bewegten, hängten sich noch vier weitere Teams an uns ran. Die Kolonne war also ordentlich. Wir fuhren grade auf Östersund zu, als uns ein deutlich lebensmüdes Reh mit Anlauf aus dem Gebüsch fast vor den Kühler sprang. Harte Vollbremsung bei uns, hektisches Bremsen und Ausweichen in der Kolonne. Dank weit auseinander gezogener Fahrweise aber keine Schäden. Kurze Zeit später vor Östersund haben wir dann auch die erste Elchkuh gesehen. Diese stand ziemlich lethargisch am Straßenrand und interessierte sich für bunte Autos nicht die Bohne, weswegen wir auch erst sehr spät realisierten, was wir da eigentlich gesehen haben.
In Sveg konnten wir es uns nicht nehmen lassen, ein swag-es Foto zu machen, dieses folgt irgendwann.
Zu den Fotos und Filmen: Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, deswegen muss es zur Zeit ohne gehen. Auch regelmäßige Blog-Updates sind schwierig, wir erleben so viele Abenteuer, die wollen wir nicht durch den Zwang, was zu posten, verpassen. Außerdem: Wenn man vor dem Laptop sitzt, erlebt man nichts, worüber man schreiben kann!
An einer Tankstelle schloß sich uns, nachdem die anderen vier Teams weitergefahren sind, noch das Team „Dr. Georg II.“ an, ein amerikanischer Leichenwagen mit Vater-Sohn-Besatzung. Außerdem haben wir für die morgige Tagesaufgabe noch eine Dose Surströmming gekauft, eine lokale Delikatesse: Vergorener, alter Fisch in der Dose.
Auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz, der gleichzeitig auch ein guter Platz für unsere Tagesaufgabe „Catch a Fish“ ist, haben wir kleine Stichwege zu einem See ausprobiert. Als Navigationsteam fiel uns die Scout-Aufgabe zu, was zu einem sich zuziehenden Waldweg führte, aus dem wir rückwärts (man kann im Innenspiegel dank Ladung nichts sehen!) wieder heraus manövrieren mussten. Hier zeigte sich: Kapitänin und Steuermann sind ein hervorragendes Team und manövrieren unser Dickschiff genauso elanvoll aus der Sackgasse wie in sie hinein.
Unser Platz am See war dann irgendwo zwischen Krokom und Böle. Das wurde dann auch unser erstes Zelten im Regen. Geht, dank gutem Zelt. Ist trotzdem nicht so super. Zu uns am See gesellte sich noch das Team Ragnarök-Racing, Dr. Georg II. verteilten dänische Sprite und Bier, es gab Lagerfeuer, Benzingespräche und einen rundum gemütlichen Abend. Der trotzdem etwas seltsam war, denn es wollte einfach nicht richtig dunkel werden. „Dunkel“ war in etwa das Licht kurz vor einem starkem Gewitter. Wir haben die Auswirkungen auf unseren Schlaf dadurch unterschätzt, trotz Schlafbrille und Tuch um die Augen wollte unser Körper am „helllichten Tag“ nicht zur Ruhe kommen.
Kleiner Sidefact: Die Gegend, in der wir uns den ganzen Tag bewegten, ist rappelvoll mit im Alltagsgebrauch bewegten Oldtimern. Klar, viele alte Skandinavier, aber vor allem richtig viele großvolumige Amis und sogar alte Vorkriegsschätzchen.

Tag 4: Von Krokom über Valsjöbyn (Grenze Schweden-Norwegen), Polarkreis und Brodö nach Gimsöya (Lofoten)

Tageskilometer – 961
getankte Liter – 92
Zeit unterwegs – 23 Stunden
nachgefüllt: 2 Liter Öl

Nach dem Frühstück haben wir die Dose Surströmming geöffnet. Unter Wasser, denn die steht unter Druck und beim Öffnen in freier Wildbahn spritzt die Suppe nur so raus. Unkontrolliert, in alle Richtungen. Und das Zeug stinkt bestialisch und erzeugt fast direkt Würgereize. Wer lustig ist, guckt sich bei YouTube mal Surströmming-Videos an. Da ist nichts gestellt. Es ist riecht so ekelig wie es aussieht. Gut verpackt transportierten wir den Surströmming dann 200km, zum Beweis haben wir ein Foto mit Kilometerstand am Anfang der Aufgabe und am Ende gemacht. Allein das Reinhalten der Dose ins Auto hat für anhaltenden Gestank gesorgt. Und weil unser Team zur Hälfte aus wirklich harten Typen besteht, hat Katrin sich am Ende sogar getraut, den Fisch zu probieren. Nix was man braucht, aber wohl bei weitem nicht so ekelig wie der Gestank vermuten lässt.
Die Grenze nach Norwegen haben wir über Valsjöbyn passiert. Dass wir das Land gewechselt haben, war nur an dem anderen Verkehrsbelag, anderen Schildern und neuen Laternen zu bemerken. Es gab keinen Schlagbaum, keinen Grenzposten, nichts.
Und dann haben wir den Polarkreis überquert. Ab jetzt wird es nicht mehr dunkel. Dafür haben wir unseren ersten Schnee mitten im Sommer angefasst. Der liegt hier einfach so rum. Und wenn wir uns angucken, wie viel Schnee hier mitten im Sommer noch rumliegt, lässt sich erahnen, wie viel das erst mitten im Winter sein muss. Eine Idee davon geben die endlos vielen Wasserfälle, Taubäche, Flüsse und Seen an denen wir vorbeifahren.
Dank vieler Baustellen und damit verbundener Umleitungen über enge Schotterpisten kamen wir nur langsam voran. Dabei waren wir unter Zeitdruck, hatten wir doch die Fährüberfahrt von Brodö nach Sörvagen auf den Lofoten um 00:59h vorgebucht. Das wäre eigentlich kein Problem gewesen, wenn nicht diese elendig vielen Umleitungen und Umfahrungen gewesen wären.
Und dann kam es richtig dicke: Kurz vor Rognan war der Tunnel der E6 vollgesperrt, es gab keine Umleitung. Die Absperrungsbeauftragte erklärte uns sehr freundlich und hilfsbereit, dass, wenn wir warten würden, wir die Fähre wahrscheinlich nicht bekommen würden. Es gäbe eine Möglichkeit, die bestünde aus einer ganzen Strecke zurück, einem kleinem Weg über die Berge nach Mistvae und dann quasi von hinten herum zum Hafen. Mit ein bisschen Knallgas und Glück würden wir das wohl schaffen können. Sagte sie, und sah dann unsere Autos. Und zuckte mit den Schultern. Wir entschieden uns für diesen Weg und was dann folgte, war eines Collin McRae würdig. Im Leitfahrzeug steuerte GinTourismo mit präzisen Kurvenangaben dank detailiertem Kartenmaterial den Konvoi mit Hochgeschwindigkeit über besagten Weg, der sich als Teil einer großen Schafsweide herausstellte. Also war die Herausforderung nicht nur, unsere schwer beladenen Autos mit Vollgas über den Weg zu prügeln, sondern auch keine Schafe dabei zu Abendessen zu verarbeiten.
Um es kurz zu machen: Wir haben die Fähre so grade eben noch bekommen. Und zwar alle vier. Die Fährüberfahrt selber war direkt die nächste Herausforderung: Der eigentliche Plan, die vier Stunden Überfahrt für Schlaf zu nutzen, wurde durch das Wetter als nicht durchführbar erklärt. Riesige Wellen ließen die Fähre schlingern und stampfen, die Brecher schepperten gegen den Rumpf und das Ergebnis war kein Schlaf, ein leerer Magen und weiche Knie. So geht zwar Seefahrt, als Kölner ist uns Binnenschifffahrt dann aber doch irgendwie…angenehmer. Vom Hafen aus fahren wir in strömendem Regen zur Partylocation und können uns dort, dank sehr früher Ankunft einen guten Platz zum Aufbau unserer Wagenburg und Zelte sichern. Gut, im Sinne von nahe bei den Duschen (endlich!) und etwas entfernt vom Partygeschehen und somit ruhiger. Zu diesem Zeitpunkt hat Team Avilius uns bereits verlassen und fährt alleine weiter.
Endlich heiß duschen, was essen und nach 23 Stunden on the road ein bisschen Schlafen. Was nicht wirklich ging, denn die Sonne kam pünktlich zum zu Bett gehen (um ungefähr zehn Uhr morgens) raus und verwandelte die Zelte in Bratschläuche.

Tag 5: A day off in Gimsöya

nachgefüllt: 1 Liter Öl

Der heutige Tag zeichnet sich vor allem durch eins aus: Durch die frühe Ankunft morgens auf dem offiziellem SAC-Party-Spot, einer ordentlichen Runde Schlaf (siehe alles noch Tag 4) und danach: Stillstand. Kaum zu glauben, aber wahr: Den heutigen Tag haben wir uns als autofrei herausgefahren. Das hieß chillen in der Wagenburg, über den Platz laufen und meet´n´greet mit anderen Teams machen, Autos angucken und fachsimpeln. Und sich die Geschichten der letzten Tage erzählen. Sich die Geschichten der Vorbereitungen erzählen. Sich die Geschichten von anderen Rallyes erzählen. Einfach unter Leuten sein. Und nicht durch drei Wagenlängen getrennt mit 80-100km/h in die gleiche Richtung fahrend.
Absolutes Highlight: Katrin hat ein Snickers aufgetrieben und der Schoko-Entzug konnte ein wenig abgefedert werden. Mit unseren Reisegruppen-Buddys vom Polarkreisverkehr und GinTourismo haben wir dann an den legendären Wikingerspielen teilgenommen und sind grandios in der ersten Runde gescheitert. Dank Knock-Out-System blieb uns leider, leider nichts anderes übrig, als den anderen bei typischen Wikingerspielen wie Tauziehen, Seesackweitwurf und ähnlichem zuzuschauen und anzufeuern. Wirklich traurig waren wir da nicht drum. Die Organisatoren der Rallye hatten große Grills aufgestellt, auf denen selber mitgebrachtes Fleisch gegrillt werden konnte. Da unsere Kühlbox ja vor einigen Tagen unbemerkt den Geist aufgegeben hatte und nicht nur sich selber, sondern auch unser Kühlgut in den Abgrund gerissen hatte, durften wir uns von dem Grillgut unserer Reisegruppe partizipieren. Herzlichen Dank noch einmal! Abends dann Party am Strand, mit Riesenfeuer und nicht untergehender Sonne. Wirklich beeindruckend und einmalig!
Zufällig fanden wir beim Strandspaziergang die Flaschenpost des Teams „Lütt op jöck“ von der Knight of the islands-Rallye 2016 – hier war eine Aufgabe, eine Flaschenpost zu versenden, die, wenn sie pünktlich zur BSC-Rallyeparty auf den Lofoten ankommen sollte, eine Wildcard für den nächsten BSC gewinnen kann.
Die Tagesaufgabe war, die beim Start ausgehändigten Kisten Bier – pro Teilnehmer_in eine – ungeöffnet auf der Party abzugeben und beim Vernichten zu helfen. Grundsätzlich bereitete uns diese Aufgabe natürlich keine Probleme, lediglich an der Grenze haben wir etwas geschwitzt, hatten wir doch auch noch eine Palette Dosenbier und Jägermeister-Kurze als „Bestechungs“-Gelder für eventuell notwendige Hilfe unterwegs mit dabei und kratzten mit all dem deutlich die Oberkante der Einfuhrmöglichkeiten. Aber, da – wie bereits geschrieben – keine Grenzkontrollen stattfanden und alles tutti lief, erledigten wir diese Aufgabe mit Bravour und in Likedeeler-Art: Die Vernichtung des Alkohols überließen wir dankbaren und hilfsbereiten Rallye-Kolleg_innen.

Tag 6: Von Gimsöya nach Tromsö

Tageskilometer: 485
getankte Liter: 22,4
Zeit unterwegs: 8 Stunden

In der Nacht entschied sich das Wetter nach „wechselhaft“ (mit der Bandbreite „warme Sonne und blauer Himmel“ bis „Starkregen mit böigem Wind“ innerhalb von 5 Minuten) für „Sturm mit Regen“ und unsere Wagenburg offenbarte ihre Schwachstellen. Leider bedeutete das für das Dachzelt auf dem T3 vom Team Polarkreisverkehr einen Abriss des Vorzeltes, weswegen die beiden sich noch in der Nacht auf den Weg in Richtung nächster Etappe machten, in der Hoffnung, ein windstilleres, trockeneres Plätzchen zu finden.
Wir brachen morgens gemeinsam mit dem Team GinTourismo im Konvoi auf und machten uns an das Einholen von den Vorgefahrenen. Jetzt zeigten sich die Lofoten von ihrer besten Seite, die Sonne schien und wir kurvten gemütlich durch atemberaubende Fjorde. Ein Versprechen gaben wir uns, dem Volvo und den Inseln: Lofoten, ja, wir werden wieder kommen. Mit mehr Ruhe und Zeit. Denn die seid ihr auf jeden Fall wert!
Unsere Tagesaufgabe wurde von Katrin gelöst: Sie schoss einen Elfmeter gegen ein lokales Fußballteam. Dank frühem Aufbruch waren wir die erstem am Trainingsplatz – andere Teams berichteten uns von einem deutlich genervten Trainer, als schon wieder irgendwelche Leute um ein Foto mit Elfmeterschuss baten. Zum Elfmeter selber gibt es nicht viel zu sagen: Das Tor war weiträumig frei, der Torwart zwar motiviert ,aber ein Zwerg und sprang in die falsche Ecke – leider hatte unsere Schützin kein Zielwasser getrunken und schoss direkt auf den Torwart. Wir schieben das auf eine unglückliche Kombination aus veränderten klimatischen Bedingungen, Kunstrasenplatz ohne passende Schuhe, plötzlichen Windböen und fehlendem Aufwärmen nach stundenlangem Sitzen im Auto. Außerdem wollte Katrin die Kinder nicht demotivieren und zum Weinen bringen.
Derweil waren unsere Reisegruppen-Genossen vom Polarkreisverkehr bereits in Tromsö angekommen und nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns, dass sie für uns alle ein Hotel vorbuchen sollten. Bett, vier Wände, eine Dusche – all das erschien nach der stürmischen Nacht auf den Lofoten sehr verlockend. Um das Luxuspaket voll zu machen, ließen wir den Gaskocher stecken und glaubten TripAdvisor, dass das Hildr in Tromsö eine hervorragende Adresse sei. Recht hatten sie. Typisch norwegisch ist es hier zwar etwas kostenintensiver, dafür bekamen wir hervorragende norwegische Küche aufgetischt. Matthias gönnte sich direkt das komplette 5-Gänge-Menü, bestehend aus Rote-Beete-Carpaccio mit Ziegenkäse und Mandelsplittern, falschem Tatar aus Walfleisch, Wolfsbarsch mit Blumenkohl und Blumenkohl-Kartoffel-Pürree und geröstetem Spargel, Lamm mit Kartoffeln und einem Joguhrtpfannkuchen mit Rhabarberkompott. Katrin hatte den Wolfsbarsch als große Portion und frisches Tatar. Lecker ist untertrieben: Es war die beste Entscheidung hier zu essen!

2 Gedanken zu “On a Norway to hell

  1. Ihr Lieben, großartig. Haben uns schlapp gelacht und konnten vieles gut nachvollziehen, z.B. das lofotische Wetter, welches wir auch schon mehrfach genießen konnten. Danke für die Berichte. Bitte weiter so. Wir können es kaum erwarten. LG DuC

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