Ausgetretene Bundesstrasse

Im Gegensatz zum Baltic Sea Circle vergangenes Jahr starte ich, Matthias, in die B8-Spritztour vollkommen ohne aufwendige Vorbereitungen: lediglich die Route wurde en Detail recherchiert. Schließlich ist meine interne Vorgabe möglichst viel „originale“ B8 zu fahren.

Der Volvo wurde nur aus dem Winterschlaf geweckt, bekam seine Rallye-Puschen angezogen und ins Liege-Abteil eine alte Futonmatratze gelegt. Drei gepackte Kisten mit Klamotten, Elektrik, Essen und Trinken, Ersatzteilen und Werkzeug nehmen nicht all zu viel Platz weg so daß unterm Strich mehr Platz als im Zelt bleibt.

IMG_4090Heute ging es früh morgens los. Um acht Uhr habe ich mich auf die A3 Richtung niederländische Grenze gehangen und zwei Stunden langweilige Autobahn-Kilometer gefressen. Erste Abfahrt nach der Grenze runter und mit der Karte wage im Kopf den Beginn der B8 gesucht. Kein wirklich Abenteuer, aber etwas tricky, denn sie fängt als ganz kleine anderthalb-spurige Strasse an.

Das änderte sich schnell und zügig war die B8 eine der klassischen Niederrhein-Ballerstrecken. Gut ausgebaut, lange Graden mit überraschend engen Kurven. Als ich noch auf der Intensivstation gearbeitet habe waren diese Landstrassen am Wochenende grundsätzlich und im Frühjahr und Sommer ein tragischer weil zuverlässiger Patienten-Lieferant. Entsprechend ruhig habe ich es angehen lassen – nun kenne ich diesen Teil der B8 auch ziemlich gut. Nach platter und weiter niederrheinischer Landschaftslangeweile begrüßte Duisburg, und somit die originale Spritztour-B8 mit liebgewonnenem aber abgehocktem Schwerindustrie-Charme. Der Norden ist einfach immer noch keine Perle. Quer durch Duisburg durch zu meinen Eltern im Süden, dort hervorragend gefrühstückt und so gestärkt Richtung Düsseldorf. Ab jetzt kenne ich die B8 wirklich Schlagloch für Schlagloch.

IMG_4091Völlig neues Fahrgefühl machen meine neuen Autofahrer-Handschuhe. So klassische Dinger mit Löchern auf den Knöcheln, offenem Handrücken und halben Fingern. Aus feinem Peccary-Leder. Ich hatte Katrin mal welche geschenkt und sie war so begeistert, dass ich mir auch welche geholt habe. Keine schwitzigen Lenkrad-Hände mehr und bei dem riesigem aber dünnem Volvo-Lenkrad benötige ich nur noch einen Bruchteil an Kraft beim Lenken. Und das alte Schätzchen will ja viel gelenkt werden, vor allem bei dem böigem Wind heute waren ständige Korrekturen von Nöten.

Entsprechend schnell durch Düsseldorf, angrenzendes Hinterland nach Leverkusen, der Verkehr wurde auch dichter und nerviger und ohne Zwischenstop an der Likedeeler-Homebase vorbei. Alles was danach kam war bis Siegburg ein mehr oder weniger urbaner Einheitsbrei. Wenig spaßig zu fahren, nervige Speckgürtel-Kennzeichen mit behuteter und deutlich gealterter Fahrerklientel gaben ihr letztes oben drauf.

Hinter Siegburg öffnete sich die Landschaft, gegen frühen Abend lichtete sich auch der Verkehr. Und noch etwas lichtete sich: die Öffnungszeiten von Tankstellen. Sonntags, 18:00 Uhr ist Schicht im Schacht. Zwei Rallyes über jeweils 8000km durch strukturschwache Gegenden gefahren und dann im wohlhabenden Rippenstück zwischen Rheinland und Frankfurt doch noch den 20-Liter-Reservekanister nutzen müssen. Und ich hatte schon überlegt, den rauszuschmeissen.

Und trotz all dem Wohlstand hier gibt es etwas, das ultrakrass Mangelware ist: Toiletten. Denn wenn die Tanken zu haben gibt es auch keine Toiletten mehr. Kein Ding, gibt ja Gottes großes Klo.An das man nicht kommt. Denn es gibt im Prinzip außerhalb der geschlossenen Ortschaften keine Anhaltemöglichkeit. Keine Parkplätze nix. Meistens eine schöne solide Leitplanke am Rand. Das stellte mich nach etlichen Kilometern dringender Suche doch vor Probleme mit denen ich nicht gerechnet hatte. Ist gut gegangen. Trotzdem: da können unsere Strassenplaner mal was nachbessern.

IMG_4097Hinter Limburg dunkelte es langsam. Und aus der Erfahrung der Rallyes nicht im Dunkeln nach einem Schlafplatz zu suchen sondern diesen vorher bereits gefunden zu haben habe ich mich auf einem Schottenplatz im Naturpark Traunstein mitten im Wald eingerichtet. Hier schreibe ich jetzt auch diese Zusammenfassungdes Tages und habe, Achtung, Tusch, die Aufnahmen der Actioncam zu einem kleinem Film zusammengeschnitten. Natürlich gibt es ein Aber: ich Depp habe meine eigentliche Videosoftware nach Neuinstallation des Rechners nicht nachinstalliert, deswegen musste ich mich mit dem, was ich halt drauf habe begnügen. Deswegen ist am Ende Stille und keine Musik mehr und deswegen sieht es auch nicht ganz so top aus. Wobei: ist wahrscheinlich eins der besten aus dem Liegeabteil eines Leichenwagens produzierten Videos. Musikalisch war heute Deutsch-Rao pumpen angesagt, die Anlage im Volvo zaubert mir immer wieder ein Grinsen ins Gesicht. Die drückt einfach richtig ordentlich. Die Hook von dem Lied ist Motto des Urlaubs: „Schmeiß dein Handy in die Luft, wenn Dich jemand anruft geh nicht ran.“

In diesem Sinne, ich hau mich jetzt aufs Ohr um Morgen früh zu starten.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s