Etappen 6 bis 7

Ihr wisst schon: ambulant geschrieben, wird später schön gemacht. Für Fotos checkt unser Facebook und Instagram

Tag 6

Gefahrene Kilometer: 543

Getankt: 58l

Nachgefüllt: /

Roadtime: 08:00-00:30

Pipipausen: 4

Start: Gorni Babin Potok

Über: Plitviker Seen

Ende: Camping Solitudo

Der Tag beginnt mit einem Frühstück in der Küche unserer Gastgeberin. Der Herd hat den Raum muckelig warm aufgeheizt, es gibt Berge an selbstgemachtem Käse, selbstgemachtem Brot, Wurst, Mamelade, Spiegeleier und einen Kaffee der Tote wieder zum Leben erweckt. Wir schaffen noch nicht einmal die Hälfte von all dem und bekommen dafür fast wie bei Omma zu Hause Ärger und traurige Blicke. Selten haben wir uns bei Fremden so wohl gefühlt. Ganz im Ernst. Wir schieben hier nochmal den Standort nach, wer immer dort in die Nähe der Plitvicker Seen kommt und dort nächtigen möchte: that’s the place to be.

Von dort geht es zu den Seen mit ihren berühmten Wasserfällen und dem, was diese Berühmtheit leider mit sich bringt: Trilliarden Touristen. Mindestens. Matthias rollen sich alleine beim Anblick der ganzen Busse schon die Fussnägel hoch, die Vorstellung sich mit den daraus herausquellenden Menschenmassen einen idyllischen Ort teilen zu dürfen löst massive Innere Gegenwehr aus. Aber es hilft ja alles nichts, wenn man schon mal da ist kann man sich das für 35€ (!!) pro Person auch geben. Superblaues Wasser weil irgendeine chemische Reaktion (natürlicher Art, irgendwas mit Mikrosowieso und Mineralien) das Wasser krass einfärben. No filter needed sozusagen. Schöne Wasserfälle, alles erreichbar über kleine Holzstege. Wirklich, wirklich schön. Wenn nicht die eine Quadrillionen Menschen wären die sich da durch quetschen und gegenseitig fast ins Wasser schubsen um die beste Selfieposition zu haben. Absurd. Also zügig weiter. Auf dem Weg an die Adriaküste nehmen wir noch einen Lost Place um die Ecke mit. Objekat 505 bei Zeljava liegt inmitten von Minenfeldern die noch nicht gänzlich geräumt sind. Hier wurde eine weitläufige Airbase angelegt die nach dem Jugoslawienkrieg teils gesprengt und teils sich selbst überlassen wurde. Die Besonderheit: am Ende des Rollfeldes steht noch ein alter Bomber. Der eigentliche Kracher sind aber die Hangars: sie wurden in den Berg gebohrt und boten Platz für bis zu 80 MiGs mit allem was an Versorgung dazugehört, die Hangareingänge sind passgenaue Ausschnitte im Fels. Zum Flugzeug kamen wir,leider waren Rollfeld und Hangars durch Security gesperrt. Dreharbeiten. Geht mir schon in Köln auf den Keks,hier erst Recht.

Also weiter: es geht durch die weite Prärie Winnetous (die Filme wurden hier gedreeht), gesäumt von Häusern in denen zum Teil noch die Einschusslöcher zu erkennen sind. Viele sind inzwischen nur noch Ruinen von denen sich die Natur ihren Teil zurückholt. Und wieder die Erkenntnis: es gibt kein größeres Leid als dass, das die Menschheit sich getrieben von Neid, Missgunst und Zwietracht selber antut.

Irgendwo werden wir von Strassenhunden in voller Fahrt angegriffen, schaffen es aber trotzdem runter ans Meer. Und nutzen die erste sich bietende Gelegenheit um die Badebuchsen anzuziehen und reinzuhüpfen. Bei Temperaturen um 30 Grad draussen und noch einmal plus 5 Grad on top im Auto eine absolute Wohltat. Im Anschluss suchen wir uns ein Restaurant direkt an der Strasse und essen etwas. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn kaum sitzen wir scheint weiter vorne ein Unfall stattgefunden haben. Vollsperrung, praktischerweise nir so lange bis wir fertig gegessen haben. Ja, wir hinken wieder etwas hinterher, Objekat 505 und schwimmen gehen waren das aber wert.

Die Strasse führt uns die Adriaküste entlang,mittem durch Ballermann-artige Partyzonen und wir werden begleitet von einfach auf die Strasse laufenden Fussgängern und völlig wildgewordenen Autofahrern. Strassenverkehr gone wild. Wir beschliessen aufzuholen und in die Nacht zu fahren und passieren die Grenze nach Bosnien-Herzegowina (Grenze 10) rutschen einmal schnell durch und sind schon wieder in Kroatien (Grenze 11). Das war nur rüber gespuckt. Nach einem Gewaltritt kommen wir in Dubrovnik an, es gibt dort einen Campingplatz (Solitudo) auf dem bereits einige Teams sind die Bescheid gesagt haben dass noch Nachzügler kommen. Leider wissen Rezeption und Security nichts davon, ein wenig Englisch, ein wenig Französisch, viel Diskutieren und Lamentieren und die beiden Autos (Team Danex Nissan Patrol Diesel und unser Volvo) mit laufendem Motor vor der Tür überzeugen dann doch letztendlich dass wir auf den Platz dürfen. Wir pennen im Auto, der Boden war supersteinig und Zeltaufbauen somit nervig (und wir ziemlich müde)- und es klappt hervorragend. Mittlerweile haben wir den Dreh raus!

Tag 7

Gefahrene Kilometer: 237

Getankt: 23

Nachgefüllt: /

Roadtime: 08:00-16:00

Pipipausen: 2

Start: Camping Solitudo (Dubrovnik)

Über: Kupari

Ende: Camping Legjenda

Wir entscheiden uns morgens gegen alles: gegen Frühstück, gegen Dubrovnik (obwohl hier ja die Szenen für Königsmund aus Gane of Thrones gedreht wurden). Den Berichten der anderen Teams zufolge war das auch richtig.

Wir entscheiden uns dafür für früh los, Strecke machen, früh am ersten Partyspot sein und für ein kleines Schmankerl für uns: wir biegen von der Hauptstrasse nach Kupari ab. Hier steht über eine ganze Bucht hinweg gebaut ein Komplex von fünf Luxushotels mit zusätzlichen Gebäuden wie kleinen Geschäften, Schwimmbädern und Terassenanlagen. Das Besondere: während des Bürgerkrieges wurde um die Anlage gekämpft, sie wurde geplündert und brannte zum Teil schwer aus. Und steht seitdem verlassen in der Bucht. Die Einschusslöcher der Granaten sind deutlich an den Balkonen zu sehen, die Brandspuren überall präsent. Es muss so heiss gebrannt haben das sich die Glasscherben zusammengerollt haben. Wir streunern durch zwei der fünf Hotels, gucken uns Zimmer und Logistikräume an und überlegen was wo gewesen sein könnte. Teilweise liegen Einrichtingsgegenstände wie Sofas noch rum, vieles ist aber inklusive der Unterputzleitungen rausgeholt worden. Wir klettern bis aufs Dach, geniessen den Ausblick und machen uns dann wieder auf den Weg. Ein beeindruckender Ort.

Wir überqueren die Grenze (Nr. 12) nach Montenegro und folgen weiter der Küstenlinie. An einer sehr ausladenden Bucht kann man eine Fähre als Abkürzung nehmen, zeitlich tatsächlich kaum relevant, nervlich hingegen schon. Wir entscheiden uns im Vorbeifahren dagegen, wir haben kein lokales Geld in Cash und haben keinen Bock auf Diskussionen in der Schlange ob Kreditkarte geht. Oberfail. In Montenegro ist Euro Zahlungsmittel. Steht sogar ordentlich vorbereitet im Roadbook. So folgen wir also der Küstenlinie, biegen irgendwann Richting Albanien ab und passieren Grenze Nummer 13. Ab hier werden die Strassen endgültig abenteuerlich. Wir nehmen die Europastrasse, das sollte schon gehen. Denkt man so. Die Strasse variiert von gut ausgebauter Asphaltpiste über schlaglochverseuchter Feldweg bis hin zu nicht mehr identifizierbarer Weg. Auf weniger als einem Kilometer Länge. Spannend ist nett ausgedrückt. Herausfordernd trifft es sehr genau. Irgendwann kommt uns auf der Strecke ein schwarzer Rolls Royce mit Eskorte in G-Klasse, ebenfalls schwarz, beide mit Komplettscheibentöning entgegen. Die Vorurteilsschublade wird ganz weit dabei aufgerissen.

Aber wir überstehen auch das und kommen am Partyspot, dem Campingplatz Legjenda an. Durch eine schäbige Einfahrt geht es einen Rumpelweg vorbei an Stacheldrahtzäunen und einem heruntergekommenen Kunstrasenplatz um die Ecke…und es ist eine andere Welt. 20Nations-Fahnen sagen uns das wir richtig sind, das Empfangskomitee checkt die bis zu diesem Zeitpunkt zu erledigenden Roadbookaufgaben und dann geht es auf den Platz. Wir sind ja immer noch mit den Jungs von Team Danex unterwegs und gemeinsam sind wir Nummer vier und fünf. Nicht, dass dies irgendeine Bedeutung hätte außer: wir können uns die Stellplätze aussuchen und länger chillen als die später Kommenden. Und das ist gut so. Im doppelten Sinn wie sich herausstellen soll.

Der Platz ist liebevoll angelegt, um einen Pool herum sind im Kreis die Stellplätze angeordnet, es gibt eine nette Bar und ein Restaurant. Wir kommen an, springen in den Pool und versorgen uns mit Getränken. Alles ist bestens bis Matthias unters Auto krabbelt um doch mal nach diesem Scheppern zu gucken. Die Folge: der Wagen wird aufgebockt und das Werkzeug ausgepackt. Der vordere Auspuffhalter, unmittelbar nach Krümmer und Hosenrohr ist komplett abgerissen. Das Problem: er ist zwischen Getriebe und Getriebehalter verschraubt. Also muss das Getriebe abgestützt und der Halter losgeschraubt werden. Dafür muss zuerst der Unterfahrschutz runter. Als wir das Teil endlich in den Händen halten zeigt sich, dass es komplett von oben bis unten an der ungünstigsten Stelle, nämlich der Bohrung für die Verschraubungen gerissen ist. Ein Angestellter vom Campingplatz tut ein Schweissgerät auf und schweisst das Teil an Ort und Stelle. Nicht schön, aber haltbar. Zum Dank will er nur einen feuchten Händedruck, alles andere lehnt er empört ab. In einem Land in dem das Durchschnittseinkommen fünf mal unter dem Deuschlands liegt will jemand nicht für seine Arbeit bezahlt werden weil er möchte dass man gut weiterfahren kann.

Matthias versucht den Halter wieder zwischen Getriebe und Getriebehalter zu bekommen und alles wieder zu verschrauben aber die Teile verrutschen gegeneinander und nach zwei Stunden unter dem Auto ist die Luft raus. Das sieht auch Alex von Team Danex und übernimmt. Mit neuer Kraft und frischer Geduld bekommt er alles zusammengeschoben und -geschraubt und wir sind somit wieder im Rennen. Tausend Dank dafür! Wenn ihr mögt checkt Team Danex bei Instagram und Facebook, das lohnt sich. Nicht nur weil die Beiden uns geholfen haben.

Im Anschluss gibt es Essen und Trinken, Rallyeschnack mit den Anderen, ein bisschen Folklore und dann vor allem aber Bett. Mit der ungeplanten Schrauberei am Ende war das ein hammerharter aber guter Tag!

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