Etappen 11 bis 13

Ambulant geschrieben, geschönt wird später.

Tag 11

Gefahrene Kilometer: 502

Getankt: 49l

Nachgefüllt: —

Roadtime: 08:30 — 21:00

Pipipausen: 4

Start: Motel Mesterul Manole, Cuerta de Arges

Über: den Transfagarasan

Ende: Camping Mark, Jula, Ungarn

In Ermangelung des ausgeschriebenen Restaurants in unserem Hotel starten wir früh und bleiben bei bewährten Knieschnitten. Relativ unmittelbar hinter Cuerta deArges beginnt der 150km lange Transfagarasan, in einer bekannten britischen Autosendung als die schönste Strasse der Welt beschrieben. Auf Grund der Bilder dazu im Netz stand diese Strasse (und eigentlich auch ihr ebenfalls rumänisches Pendant, die Transalpin, diese fiel wegen der Streckenführung aus) in Matthias‘ internem Roadbook dick angemarkert. Umso besser das die 20Nations genau hier lang führt. Die Strasse selber beginnt unauffällig und unspektakulär, sie zieht sich durch Dörfer denen man anhand der Hotels und Restaurants und ihrre unrumänischen Aufmachung den touristischen Aspekt dieser Strecke durchaus anmerkt. Langsam schlängelt sich die Strasse einem bewaldetem Berg entgegen, irgendwann werden wir von den Teams The Lekers und Benz Brothers überholt als wir unsere Actioncam startklar machen. Ansonsten ist nicht viel los, vereinzelt brausen Moppedfahrer_innen an uns vorbei, Verkehr kann man das aber nicht wirklich nennen. Nach kurzer Strecke halten wir an einem gigantischem Staudamm, oberhalb befindet sich eine Prometheus—Statue und bei und mit ihr eine Roadbook—Aufgabe. Und so richtig geht es danach erst los: die Strasse schlängelt sich in wunderschönen Kurven und Steigungen und Gefällen am Stausee entlang, immer in Sichtweite zum Wasser, meistens im Schatten der Bäume. Der Volvo rennt wie eine Eins, es macht unglaublich viel Spass die ganzen Kehren, Wendungen und Böschungen zu nehmen. DerStrassenzustand ist top, die Landschaft malerisch. Kurz bevor es langweilig wird kilometerlang durchden Wald zu fahren beginnen langgezogene Serpentinen den Berg hinauf, immer wieder durch Tunnel führend windet sich dieStrasse ihrem höchsten Punkt auf 2042m entgegen. Dabei müssen wir immer wieder anhalten um die beeindruckenden Aussichten zu geniessen. Die Spitze ist ekelhaft touristisch und völlig überlaufen, wir halten hier nicht an den unzähligen Nippes—Verkaufsständen sondern machen uns an den Abstieg. Wieder über langgezogene Serpentinen, wieder mit phänomenalen Ausblicken. Natürlich müssen wir unterwegs Bremsenkühlpausen einlegen, das sind wir bei Pässen ab 1700m in etwa ja mittlerweile mehr als gewöhnt. Matthias ist deeply in love mit diesen 150km rumänischer Strasse.

Nach dem Transfagarasan glättet sich das Land und wir fahren durch die letzten Ausläufer der Karpaten und Transsylvaniens. Es ist eine Gegend, für die wir klare Bilder im Kopf haben. Leider stark durch Hollywood und Romanerzählungen geprägt und in der Realität deutlich anders, weniger schroff, karg und felsig. Insgesamt ist Rumänien weniger so wie in unserer Vorstellung. Das Land wirkt beim durchfahren sehr abwechslungsreich,Wälder, Siedlungen und Agrarflächen wechseln sich schnell aufeinander ab, die Kontraste sind zum Teil sehr heftig, reich und arm lebt existiert sehr nah beieinander, es gibt wunderschöne Häuser direkt neben verfallenen Ruinen, top asphaltierte Strassen enden unmittelbar in fürchterlichen Buckelpisten. Immer wieder fahren wir an grossen Infrastrukturprojekten vorbei wo Strassen, Versorgungseinrichtungen u.ä. Ausgebaut werden.

Überrascht werden wir von plötzlichem, intensivem Starkregen, überrascht werden wir auch vom neuerdings bei jedem einlegen krachendem dritten Gang. Mit Zwischengas geht es einigermassen, in der Seele tut das dauernde Getriebekrachen trotzdem. Der Regen begleitet uns, er kühlt ab, die Luft riecht satt und feucht. Als dazu noch starke Windböen kommen und wir vor lauter Wasser in der Luft nichts mehr sehen wird uns kurzzeitig doch etwas anders. Mit reduzierter Geschwindigkeit geht es bis zum Rand der Unwetterfront, danach ist schnell wieder strahlender Sonnenschein.

Bei Ineu entscheiden wir uns für Mittagspause und Essen gehen und fahren deswegen in den Ort. Mit Händen und Füssen und unserem Zeigebuch sowie Google Translator bestellen wir etwas zu essen (Katrin Pansensuppe, Matthias Steak) und haben grade unsere Getränke bekommen als auf einmal Micha vom Team Polarkreisverkehr (wir fuhren 2016 den BSC zusammen — und seitdem haben wir uns nicht mehr aus den Rückspiegeln verloren)auf uns zu kommt. Welch eine Überraschung. Micha war mit einem Freund in Timisoara, hat uns auf dem Tracker verfolgt und festgestellt das wir auch bald vorbeirauschen und uns quasi aufgelauert. Sein Plan, uns hupend auf der Strasse zu überholen wurde von unserer Mittagspause durchkreuzt, gefunden hat er uns trotzdem. Grosse, grosse Überraschung und kaum in Worte zu fassen.

Wir sitzen 1,5 Stunden zusammen und quatschen, dann fahren wir gemeinsam weiter, Micha begleitet uns. Natürlich fahren wir vor, erstens weil das eigentlich schon immer so bei uns war und zweitens weil wir natürlich die Navigation machhen müssen! Gemeinsam mit Micha überqueren wir die ungarische Grenze (Grenze 17) und suchen uns in Jula, der ersten ungarischen Stadt direkt dahinter eine Campingplatz. Dieser ist klein, liegt direkt unter der lokalen Burg und wird von einer resoluten, alten Dame bewirtschaftet die uns herzlich empfängt. Der Spass kostet uns für 2 Autos, 3 Leute und ein Zelt grade mal 20€ und ist somit die günstigste Unterkunft auf der Tour. Die Uhr wird wieder zurückgestellt, Wir haben mit der ungarischen Grenze auch eine Zeitzone überquert.

Der Abend klingt gemeinsam mit Micha aus, gefühlt gehen wir viel zu früh ins Bett, der Rallyealltag wartet am nächsten Tag trotz Besuch auf uns.

Tag 12

Gefahrene Kilometer: 260

Getankt: 25l

Nachgefüllt: —

Roadtime: 09:00—14:30

Pipipausen: 1

Start: Camping Mark

Über: nichts

Ende: Zugligeti Niche Camping, Budapest

Wir starten früh in den Tag. Durch das geskippte Schwarzmeer und die zusätzlichen Kilometer nach Ungarn rein haben wir ein paar Stunden plus zur Roadbookplanung und die wollen wir in Budapest verbringen. Deswegen nehmen wir den direkten Weg. Es geht über gute Land— und Schnellstrassen, links und rechts gesäumt von endlosen Sonnenblumenfeldern und riesigen Gänsefarmen. Irgendwann steht ein Erdmännchen auf der Strasse, checkt die Lage und quert als wir vorbei sind. Hinter uns immer noch Micha, wir möchten Budapest zusammen angucken. Roadbookaufgabe des Folgetages ist ein Flohmarkt am Stadtrand von Budapest, wir wählen die Route so dass wir direkt an ihm vorbei kommen. Nach einigem Fragen finden wir ihn, hilfreich ist, dass viele in Ungarn Deutsch und mindestens Englisch können. Gefühlt sind wir zurück in Mitteleuropa. Der Flohmarkt soll voll mit Kuriositäten sein, obwohl wir am späten Mittag dort sind haben viele feste Geschäfte geschlossen, wir sehen reichlich viel Standard—flohmarkt—Kram, einige schöne Holzschränke und viel Nazi— und direkt daneben Stalindevotionalien gemischt mit obskuren Sexskulpturen. Irgendwie bizarr, aber auch irgendwie eher überflüssig dort zu sein.

Im Anschluss fahren wir direkt zum Campingplatz und Spot der zweiten 20 Nations—Rallye—Party. Und wieder haben die Orga—Jungs einen wunderschönen Ort aufgetan. Bereits der Partyspot in Albanien war besonders und einzigartig. Der Campingplatz liegt eine halbe Stunde Autofahrt vom Stadtkern entfernt auf der Buda—Seite und ist eine ehemalige Strassenbahnendhaltestelle. Das Bahnhofshäuschen ist liebevoll aufgearbeitet, am Eingang stehen als „Rezeption“ zwei ausrangierte Strassenbahnen. Gezeltet wird auf kleinen Tableaus im bewaldeten Hang des ehemaligen Bahndamms. Wir sind mehr als rechtzeitig fürs offizielle Zeitfenster da, werden herzlich begrüsst und parken unseren Volvo neben dem Chevrolet Impala, ebenfalls einem Ex—Bestattungswagen des Teams The Lekers. Nach kurzer Besichtigung des Platzes und in Angesicht des doch immer noch sehr durchwachsenem Wetters mit Regenschauern und starken Windboen entscheiden wir uns für eine Nacht im Auto. Da wir mehr als früh da sind fahren wir gemeinsam mit Micha in seinem Auto runter in die Stadt. Ganz standard entscheiden wir uns erst für die falsche „Innenstadt“, merken den Fehler nach gefühlt 2478 Treppenstufen, korrigieren noch einmal unseren Kurs und landen dann doch in der Altstadt. Parkhäuser scheinen alle voll (oder zu klein für Michas VW—Bus), wir parken irgendwo (und Micha erhält in Folge die teuerste Knolle die wir jemals gesehen haben. 142€) und gehen in der Altstadt um ein paar Blocks und essen frisches Langhos. Viel Zeit bleibt leider nicht, der offizielle Teil am Partyspot startet schon bald.

Im Bahnhofshaus gibt es Rallyeschnack, das Gulasch und die Getränke gehen auf den Deckel der Orga. Zum gemütlichen Abhängen ein Toport allerdings keine richtige Partylocation. Deswegen startet um 22:00h ein Busshuttle vom Campingplatz zum ältesten und bekanntesten Ruinenclub in Budapest, dem Szimpla Kert. Ausgestattet mit VIP—Bändchen und Freigetränkemarken entern wir den Club und sind geflasht. Eine Mischung aus Fusion, Punkrockkneipe, Abrissparty und Wohnzimmer—Hangaround. Mit Kreditkartenzahlung an jeder Bar. Verrückter Ort. Um 01:00 startet das die erste Shuttlebustour zurück und wir sind mit an Bord. Zu kaputt und müde sind wir von den letzten Tagen und unser Plan sieht vor am nächsten Tag zügig loszukommen. Um den ganzen Laden in seiner Kuriosität zu erfassen hätte es mehr Zeit gebraucht, andere Teams nehmen sich diese auch — und den Erzählungen nach auch einige Drinks. Auf dem Tracking kann man am nächsten Tag jedenfalls verfolgen dass einige Teams durchaus lange für den Aufbruch brauchen.

Wir verabreden uns mit den Teams The Lekers und Benz Brothers für einen gemeinsamen Start am nächsten Morgen.

Nichts desto trotz: ein toller Abend der die Rallyegemeinschaft wieder etwas mehr hat zusammen rücken lassen.

Überhaupt: der Spirit dieser Rallye, sicher auch durch die überschaubare Teilnehmendenzahl ist unglaublich. Eine super Stimmung, man kennt sich, wir haben mit den meisten mehr als Hallo und Guten Weg gewechselt. Das Ganze wird von den Aufgaben im Roadbook unterstützt und die beiden Organisatoren leben hier spürbar einen Traum in den sie alles stecken.

Tag 13

Gefahrene Kilometer: 412

Getankt: 32l

Nachgefüllt: 1l Öl, Vergaserdämpferöl

Roadtime: 09:00—18:00

Pipipausen: 1

Start: Zugligeti Niche Camping, Budapest

Über:Slowakei

Ende: Hotel Vienna Easy, Krakau, Polen

Der Tag beginnt mit einem umfangreichen, ungarischem Frühstücksbuffet auf dem Campingplatz, ebenfalls auf den Deckel der Orga—Jungs (Danke!). Auf die Strecke starten wir mit The Lekers im Chevy Impala Bestatter, den Benz Brothers im W124 und dem Low Budget Team im Trabant P601 Universal (hier sind wir uns der Bezeichnung nicht hundert Prozent sicher). Bereits an der ersten Kreuzung verlieren wir den Trabant, über Funk gibt er durch erstmal alleine sich durchzuschlagen. Micha bleibt noch zum wach werden auf dem Campingplatz, er fährt wieder Richtung Deutschland.

Wir fahren durch einen Haufen Regen und Nebel, die Navigation übernehmen dankenswerterweise die Lekers. Das bedeutet für uns erst einmal nur hinterherfahren, auch wenn wir die Route ständig im Auge haben etwas Entspannung. Gar nicht so verkehrt, Katrin hat heute massive Probleme wach zu bleiben. So passieren wir die Grenze in die Slowakei (Grenze 18), durchqueren diese zügig. An einem slowakischem Einkaufszentrum in irgendeinem Ort halten wir um zwei Aufgaben zu erledigen: wir sollen uns eine Kühlerfigur besorgen und finden diese in Form eines Gummipandas im Spielzeugladen und sollen uns eine Torte von einem Fremden ins Gesicht drücken lassen. Letzte Aufgabe müssenalle drei Teams noch machen, die slowakischen Jungs auf dem Parkplatz sind etwas irritiert aber kommen der Aufgabe mit wachsender Begeisterung und Engagement nach.

Danach fahren wir schnurstracks Richtung Krakau über die nicht spürbare Grenze Nummer 19 nach Polen, die Lekers und die Benz Brothers entscheiden sich für ein Hotel mit Spa und Wellness, wir nehmen die etwas günstigere Variante in der Nähe, ein Tipp vom Low Budget Team. Dieses und das Auto Nik Team auf G—Klasse treffen wir im Hotel dann auch wieder, hier haben wir etwas Zeit zum chillen und treffen uns dann mit The Lekers, Benz Brothers und Low Budget zum gemeinsamen, abendlichen Spaziergang durch die Krakauer Altstadt und zum Essen gehen. Auto Nik repariert derweil mit Plexiglas das Beifahrertürfenster, das mussten sie in Budapest einschlagen da der Wagen verriegelt und die Schlüssel in ihm waren.

Zurück im Hotel drucken wir die bereits vorhandenen Fotos für das Roadbook und geniessen gute Betten.

Kleine Seitennotiz: endlich gibt es wieder Toiletten auf Parkplätzen und Raststätten bei denen man die Türen verriegeln kann.

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