Etappen 14 bis 16

Ambulant geschrieben, geschönt wird später.

Tag 14

Gefahrene Kilometer: 229

Getankt: 18

Nachgefüllt: —

Roadtime: 11:30—17:00

Pipipausen: 1

Start: Hotel Vienna Easy, Krakau

Über: nichts

Ende: Zlota Dolina Camping, Pokrzywna bei Prudnick, Polen

Bevor wir losfahren laufen wir noch durch Krakau zur Wawel—Kathedrale und gucken uns kurz die Knochen vom Smok Wawelski, dem Drachen der den Legenden und Sagen zu Folge in einer Höhle in der Nähe der späteren Stadt Krakau gelebt haben soll. Natürlich mit allem Pitz und Patz der sich für so eine Drachengeschichte gehört: Zerstörung, Jungfrauenopfer, haufenweise tote Ritter und einem Schusterlehrling der den Drachen mit einer List tötet und so die Prinzessin bekommt. Die letzten übriggebliebenen Knochen dieses Drachens hängen jetzt jedenfalls am Eingang der Wawel—Kathedrale und sehen verdächtig nach Walknochen aus.

Dann geht es los. Mal wieder arbeiten wir nur mit unseren Strassenatlanten und vermissen die Detailtiefe der Reise KnowHow—Karten. Für diesen Abschnitt hatten wir keine besorgt, ein Fehler. Notiz an uns selbst: für alle Streckenabschnitte gute Karten! Südpolen ist im Atlas ein Gewirr aus Strassen und Orten, wir hangeln uns an den Schildern entlang. Die Sonne scheint wieder, es ist trocken und warm, aber nicht heiss. Angenehmes Cruisingwetter. An einer Tankstelle, böse Zungen behaupten ja das sich die Likedeeler mehr an Tankstellen rumtreiben als Rallye zu fahren (je nach Strassenart kommen wir im Schnitt 350km mit einem Tank, tanken also recht häufig) treffen wir wieder auf die Benz Brothers und The Lekers. Gemeinsam checken wir einen Zeltplatz in der Tageszielregion aus und fahren ab da zusammen weiter. Der Zeltplatz liegt in der Nähe der tschechischen Grenze, wir sind superfrüh da so dass wir im Hellen unser Zelt aufbauen und Nudeln mit Pesto kochen. Das fühlt sich fast wie Luxus an. Nach und nach stossen weitere Teams zu uns, am Ende stehen acht oder neun Teams hier.

Der Zeltplatz wird durch einen Fluss mit Furt geteilt, niemand traut sich so richtig da durch zufahren. Am Ende machen es die Jenaer Asphaltpiraten mit ihrem Subaru, wir stehen alle mit Handys drumrum und sind megaaufgeregt. Grade sind die Asphaltpiraten durch kommt eine Polin mit ihrem Skoda und fährt ohne zögern durch. Der Campingplatz amüsiert sich köstlich auf unsere Kosten und wir lernen das ein Auto nicht geländetauglich sein muss um 30cm tiefes Wasser zu durchfahren.

Viel aufregendes gab es heute nicht, zum Durchfahren ist Südpolen eher langweilig, das Handynetz ist im Vergleich zu den Ländern vorher schlecht und auch sonst passierte ausser der supernetten Kolonnengesellschaft The Lekers und Benz Brothers nicht viel. Das war eher wieder ein Transittag.

Tag 15

Gefahrene Kilometer: 429

Getankt: 50l

Nachgefüllt: —

Roadtime: 08:15—19:30

Pipipausen: 1 plus lange Pause im Shoppingcenter

Start: Zlota Dolina Camping

Über: Mlada Bravisla

Ende: Camping Rehbocktal, Klipphausen bei Meissen

Den Tag starten wir mit einer immer noch nicht erledigten Roadbookaufgabe, einer Wasserschlacht. Mit uns haben diese Aufgabe die Teams Biberle Racing, Pathfinder und die Asphaltpiraten noch nicht erledigt also haben wir uns alle für früh morgens zum Shootout verabredet. Trotz in den Zelten und den Knochen hängender Kälte und Feuchtigkeit der Nacht tragen wir das aus und zumindest Team Likedeeler kann sich als Sieger fühlen: niemand traf uns ernsthaft. Lediglich der Volvo hat Wasser abbekommen, aber das wird er überleben. Was er auch überleben muss ist die nächste von uns noch nicht erledigte Rallyeaufgabe: Kochen im Motorraum. Herdplatte wird unser Kühlwasserausgleichsbehälter, es soll Bockwürstchen geben. Im Konvoi starten wir mit The Lekers, den Benz Brothers, Pathfinder und Biberle Racing und machen uns auf den Weg Richtung Tschechien (Grenze 20) vorbei an vielen Burgen und Gefängnissen. Beides scheint hier eine höhere Gesamtdichte zu haben als alle anderen Streckenabschnitte bisher gemeinsam hatten. Erwähnenswert weil der beste Flachwitz des Tages: direkt neben dem Ortsschild von Klodzko ist ein relativ rechteckiger Fels neben der Strasse. Der Klotz von Klodzko. (BaDumm Tssss)

Wir halten lange an einer tschechischen Shoppingmall, einige müssen noch Fotos drucken, andere nutzen die Zeit zum um was zu essen und letzte Besorgungen (aka günstige Kippen) zu machen. Per Zufall bekommen wir mit das vor uns eine Vollsperrung liegt so dass wir kurzfristig unseren Weg umplanen und durch kleine und kleinste Strassen ins Elbsandsteingebirge fahren. Hier ist dann auch das erste Mal eine deutsche Stadt auf den Schildern angeschlagen, ein wenig Wehmut kommt auf bedeutet dies doch manifestiert das Ende des Abenteuers. Das Elbsandsteingebirge ist zum Durchfahren noch einmal richtig schön, es ballert sich nicht so heftig wie viele andere Landstriche auf unserer Tour setzt der Tristesse des Vortages aber noch einmal stark etwas entgegen. Spätestens die Strecke an der Elbe entlang Richtung Deutschland ist absolut malerisch (und in Gedanken sind wir auch ein paar Kilometer weiter stromabwärts in Hamburg, immerhin steht eine spannende Fussballsaison bevor). Kaum überqueren wir unsere letzte Grenze nach Deutschland (Grenze 21, wer sich wundert wie bei 20 Ländern 21 Grenzen sein können: nach Kroatien sind wir zweimal eingereist, einmal von Sloweinien und einmal von Bosnien—Herzegowina aus) fängt diese unrythmische, mittig anzusiedelnde Klappern und Scheppern unter Volllast wieder an. Schneller Blick unters Auto: der Auspuffhalter ist es nicht. Wir sehen nix und drehen das Radio lauter. Soll ja manchmal helfen. Wir fahren über Dresden und versuchen dort in der Gegend einen Campingplatz zu finden — und haben ein DejaVu zum Baltic Sea Circle 2016. Entweder haben die Campingplätze bereits geschlossen oder sie behaupten uns gegenüber völlig überfüllt zu sein. Bei offensichtlich leeren Wiesen. Es ist einfach nur zum Brechen dass man 7000km durch die Gegend fährt und überall irgendwie sein Zelt aufbauen kann und mit einem „kommt an, baut auf, lasst es euch erst einmal gut gehen, den ganzen offiziellen Kram machen wir einfach morgen“ begrüsst wird und in Deutschland auf Engstirnigkeit und Ablehnung trifft nur weil man kein klassischer Camper ist. Also so einer, der den Wohnwagen hinprügelt und noch seinen Markisenbereich mit Jägerzaun abgrenzt.

Also, bei Dresden ist nichts mit Campen, telefonisch finden wir einen Campingplatz bei Meissen der noch Plätze hat. Allerdings müssen wir innerhalb von 45 Minuten da sein, sonst schliesse er.

Also ballern wir im Tiefflug die Elbe entlang Richtung Meissen, kurz dahinter ist der Campingplatz. Wir fahren vor, gehen rein und bekommen eine Ladung sächsische Gastfreundschaft: entgegen der telefonischen Auskunft sei für solche Autos und Leute wie uns kein Platz mehr. Dem Grossteil der Leute platzt der Arsch, Matthias hat die Schnauze gestrichen voll. Katrin hingegen behält einen kühlen Kopf und redet mit der inzwischen aufgetauchten Betreiberin, der Mann an der Rezeption ist zwar ihr Mann aber offensichtlich ohne wirkliche Entscheidungskompetenz. Katrin regelt das Ganze und wir dürfen uns am Ende des wirklich schönen Platzes am Grillplatz niederlassen. Wieder stossen noch einige Teams später hinzu. Wir grillen und sitzen ein letztes Mal in grosser Runde beisammen. Wir machen noch unsere letzten Roadbookeintragungen und kleben die letzten Fotos ein und helfen einem anderem Team noch mit dem Fotodrucker aus. Insgesamt merkt man, dass die Luft ein wenig raus ist und sich jetzt alle tendenziell auf den Zieleinlauf und zuhause mit all dem daran hängendem Komfort freuen.

Tag 16

Gefahrene Kilometer: Rallye—Kilometer 525, insgesamt 860

Getankt: Rallye 55, insgesamt 99

Nachgefüllt: 1,5l Öl

Roadtime: Rallye 08:15—15:00, insgesamt bis 01:30

Pipipausen: —

Start: Camping Rehbocktal

Über: Zieleinlauf Bremen

Ende: Köln

Der Tag beginnt mit einem Novum, zumindest für die letzten 14 Tage: wir dürfen Autobahn fahren. Und das machen wir. Auf dem kürzesten Weg fahren wir im Konvoi mit The Lekers und den Benz Brothers zur Autobahn und fahren über A4 und A14. Es fängt wieder an zu regnen, 20 Grad kommen uns mittlerweile recht kühl vor. Verrückt wie sich Kälteempfinden verschiebt wenn man zwei Wochen in einem ungedämmten Bratschlauch vor sich hinköchelt. An den Rasten kommen uns die Menschen unfreundlich und verbissen vor, gefühlt begegnete uns man trotz häufiger Sprachbarrieren in den durchreisten Ländern freundlicher und gutgelaunter. Matthias latenter Menschenhass, die letzten zwei Wochen eigentlich ziemlich abhanden gekommen ist wieder in voller Ausprägung da als er seinen Platz in der Schlange beim Rast—Macces gegen renitente Seniorinnen verteidigen muss, danach stellt sich fast Lethargie ob des Zustandes dieser Menschen ein. Auch im Strassenverkehr ist der um sich greifende Egoismus zu spüren. War der Verkehr zeitweilig absurd chaotisch und obwohl es so schien das manche Fahrer_innen in völliger Ignoranz jeglichen Selbsterhaltungstriebes fuhren so war der Verkehr deutlich entspannter und weniger auf das eigene Recht pochend als der „geordnete“ Verkehr in Deutschland. Spätestens auf der Autobahn sind sie wieder alle da: die Leasing— und Dienstwagentiefflieger mit Dauerlichthupe, die LKWs, die einen nicht wirklich beschleunigenden Oldtimer nicht auf die Bahn auffahren lassen, die Erzieher…hach, home, sweet home.

Die autobahnbedingten höheren Geschwindigkeiten machen sich direkt auch beim Spritverbrauch bemerkbar, dafür läuft der Volvo konstante 120km/h. Wir essen die letzten Zitronenwaffeln, sie fanden hier bisher keinen Eintrag begleiten uns aber die ganze Rallye über schon als kleiner Stimmungsaufheller.

Im Radio wird eine Vollsperrung (oder Stau, die verschiedenen Verkehrsmeldungen sind sich da nicht einig) auf der A7 durchgesagt, wir umfahren über Hodenhagen in der Nähe von Walsrode und fahren über Land direkt auf die A27 Richtung Bremen. Kurz vor Bremen kommt die Sonne wieder raus, Katrin lässt sich zu der untypischen, aber ernst gemeinten Aussage „endlich wieder 30 Grad“ hinreissen.

Bremen und den Zieleinlauf am Schuppen erreichen wir genau in der Mitte des offiziellen Zeitfensters, gut eine Stunde vor Ende des Zieleinlaufs sind alle Teams eingetroffen. Einige haben in den letzten Tagen aufgegeben und sind frühzeitig über die Autobahn nach Hause gefahren, teils Lustbedingt, teils krankheitsbedingt. Zum Ziel sind sie trotzdem gekommen. Ein Team kommt ohne Auto, ihr T3 hat kurz vor der deutschen Grenze den Geist aufgegeben. Sie kommen mit ADAC—Leihwagen.

Bei der Zieleinfahrt werden alle Roadbooks eingesammelt und dann heisst es warten denn die Orga—Jungs sind jetzt mit der Auswertung aller Roadbooks beschäftigt. Die Zwischnezeit nutzen wir um mit den Jenaer Asphaltpiraten Döner zu bestellen und einen letzten Rallyeschnack mit den anderen Teams zu machen. Drinks gehen wieder auf die Orga, so ist die Sonne nicht ganz so schlimm. Für ungewohnten Anblick sorgt das Biberle Racing Team (mit dem zweitältesten Auto im Starterfeld, ihr Karmann ist mit Baujahr 73 nur ein Jahr jünger als unser Volvo) deren Karmann Ghia von einem Haufen Frauen in Pettycoats für ein Fotoshooting ausgeliehen wird.

Gegen 18:30h ist es soweit: Max und Alex verkünden nach einigen persönlichen Worten zur Rallye, zur Orga und vor allem zu den letzten 16 Tagen die Sieger_innen: den ersten Platz belegt das Low Budget Team auf Traant 601 Universal, den zweiten Platz das Schlibo Adventure Team auf Hyundai Galloper und den driten Platz The Lekers auf Chevrolet Impala Bestattungswagen. Und, und das ist ja nicht ganz unwichtig für diese Rallye, die Teams haben insgesamt mehr als 28.000€ für ihre verschiedenen Spendenprojekte gesammelt. Am Ende liegen wir mit unserer Sammlung bei 2703€, einer phänomenalen Summe!

Das Verabschieden zieht sich, alle wollen nicht so wirklich los, quatschen noch ein wenig und tauschen Kontaktdaten aus. Der Wunsch nach Wiedersehen ist gross. Die Siegesflasche alkoholfreien Sekt, leider gut durchgewärmt, teilen wir noch mit den Asphaltpiraten, und machen uns dann alleine auf den Weg nach Hause und begeben uns auf für uns ausgefahrene Wege: die gute A1 hat uns wieder. Zweimal überholen wir noch hupend und winkend die Schlibos, machen natürlich halt an unserem Pflichtstop auf Dammer Berge und haben danach noch einmal die Lekers vor uns. Sie einzuholen erfordert Vollgas und wir gucken überrascht:140km/h sind ohne Stress drin. GPS—gemessen. Denn das dürfen wir ja auch wieder. Zugegeben: es ging ganz leicht bergab. Niedersachsen—bergab. Bei Osnabrück biegen die Lekers ab und damit ist die Rallye und Rallyefahren endgültig vorbei. Bei Münster geht es auf die A43, von dort Richtung Duisburg unseren Hund bei Matthias‘ Eltern abholen. Hier hat er es sich die letzten zwei Wochen gut gehen lassen, freut sich aber ziemlich uns jetzt wiederzusehen. Nach kurzem Bericht über die Rallye geht es nach Köln. Um 01:30h parken wir den Volvo im Hof, hier schnaufen die E—Lüfter noch eine Zeit vor sich hin und wir fallen in unser eigenes Bett. Das nach wie vor beste Bett der Welt.

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