Tag 6 – Tromsø bis Alta

Gefahrene Kilometer: 279

Getankt: 0l

Gefahrene Zeit: ca. 6 Stunden

Das Smart Hotel in Tromsø ist smart. Mit für die Region akzeptablem Preis bietet es „2-Bett“-Zimmer mit den Ausmaßen eines Schuhkartons. Das Bett ist maximal 1,40m breit und steht mit Kopf- und Fußende an den Wänden links und rechts. Und mit einer Seite an der Vorkopfwand unter dem Fenster. Bedeutet: wenn der hinten Schlafende auf Klo muss, muss er über den vorne Schlafenden rüber klettern. Semioptimal. Die Matratze ist dann auch noch sehr weich und schaukelig was eine entsprechend unruhige Nacht nach sich zieht.

Dafür überzeugt das Frühstück, hier treffen wir noch ein anderes Team und schnacken ein wenig. Im Anschluss machen wir uns auf die Strasse. Schnell das Auto aus der Tunneltiefgarage geholt und an der Polarkathedrale vorbei auf die Strasse Richtung Norden.

Wir entscheiden uns für den direkten Weg nach Alta der aber nicht zwingend der schnellere ist. Kleine Strasse und zwei Fährpassagen stehen auf dem Programm, dafür erhoffen wir uns schöne Landschaft. Und kurz hinter Tromsø bekommen wir, wofür wir hergekommen sind: einsame Strassen voller Schnee und Eis, überhaupt, Schnee und Eis überall. Das fahren ist, wie bereits erwähnt, dank der Spikereifen richtig gut, der Wagen lässt sich supergut lenken, nur bei rapidem Beschleunigen und plötzlichen Bremsmanöver gilt es den Untergrund zu bedenken. Physik lässt sich halt auch durch ein paar Metallstoppel nicht austricksen.

Wir folgen der 91, nehmen bei Breivikeidet und Lyngseidet die kurzen Verbindungsfähren. Bei Sørstraumen windet sich die Strasse auf über 400m über die sichtbare Vegetationsgrenze und bietet eine phänomenale Aussicht auf Fjord, Berge und Massen an Weiß.

Die 91 schlängelt sich weiter durch stark verschneites und vereistes Land, Autos sind nur wenige unterwegs, immer mal wieder ballert uns ein LKW entgegen. Ich war bereits im Sommer schwer beeindruckt von Geschwindigkeit und Zielgenauigkeit der Fahrer auf diesen engen und kurvigen Strassen, bei den derzeitigen Strassenverhältnissen ist das ganze aber doppelt beeindruckend. Und ein bisschen beängstigend, wenn so 40 Tonnen mit 100 und riesiger Schneeschleppe einem entgegen kommen.

Dieser ganze Abschnitt Strasse, vor Tromsø über Alta bis Honningsvåg ist pure Liebe. Bereits 2016 bin ich mit offen stehendem Mund hier entlang gefahren. Fahrerisch ein bisschen anspruchsvoll – sicherlich nicht zu vergleichen mit vielen Abschnitten auf der 20 Nations, aber die Streckenführung wird nie langweilig, Tunnel, Pässe, Kurven, Täler, Hügel und Kuppen und lange Geraden wechseln sich ständig ab – und landschaftlich ein absoluter Kracher. Gigantische Berge bis ans Wasser ran, tief ins Land einschneidende Fjorde, kleine Siedlungen und Industrie und vollkommen menschenleere Landstriche. Durch und durch toll. Und jetzt im ständigen Kontrast weißer Schnee, schwarze Felsen, dunkelblau bis grünes Wasser der Fjorde und eisblaue gefrorene Wasserfälle. Unglaubliche Bilder, kaum zu beschreiben und auch kaum mit Kameras auf Video und Foto einzufangen.

Die Temperaturen liegen aktuell knapp unter Null, irgendwas oberhalb von minus zehn Grad. Wenn Wind hinzu kommt wird es wirklich empfindlich kalt und ich treffe die Entscheidung morgen meinen Schneeanzug nicht nur anzuziehen um ihn anzuziehen sondern ihn tatsächlich benutzen zu wollen.

Alta durchqueren wir und machen Halt in Aronnes, quasi ein Vorort. Dort wartet für die Nacht ein Lavvu, ein kleines Zelt mit Bollerofen in der Mitte. Man kennt es auch als Tipi, also ein kegelförmiges Zelt. Wir schlafen auf Ren- und Schaffellen in unseren mitgebrachten Schlafsäcken. Das Feld, auf dem das Lavvu steht soll eine Elchtiefflugstrecke auf dem Weg zu leckeren Ästen am nahen Fluss sein, grade Nachts kann man sie dort wohl häufig beobachten. Und dank klarem Himmel hoffen wir auf Aurora Borealis, das Polarlicht. Bedeutet aber, wir müssen immer mal wieder einen Kopf aus dem Zelt halten.

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