Tag 3 – Der Tag, an dem unser Plan nicht aufging

Von Heiligenblut bis Dorf Tirol

km: 231

Start: eigentlich 11 Uhr, Ankunft: 18 Uhr

getankt: 20l

Pausen: Autoreparatur 30 Minuten, einkaufen 45 Minuten, einmal Abkühl- und Pipipause, einmal Jungspipi, einmal Aussicht mit Pipi und eine dringend notwendige Bremsen-Cooldown-Pause von 45 Minuten

Wir starten den Tag wieder entspannt, gemütliches Frühstücken, dabei mit dem Campingplatzhausmeister geschnackt und dann Zusammenpacken. Noch kurz die Übernachtung an der Rezeption bezahlen und dann….erstmal einen Gang zurückschalten. Die Tür vom 145 hat gestern schon beim öffnen und schliessen seltsam geknackt, jetzt knackt es einmal laut und die Tür ist a) seltsam weit geöffnet und b) geht nicht mehr zu. Diagnose Fangband im Eimer. Da bleibt nichts anderes als eben jenes auszubauen. Dafür muss Armlehne und Fensterkurbel ab, dann die Türpappe runter, dann die Wasserschutzfolie gelöst werden. Und dann endlich kann man das Fangband nicht nur losschrauben sondern auch rausholen. Unschöne Nebenerkenntnis: der Innenraum von Autotüren ist voller ekligem Schmöck, vor allem wenn sie mit Mike Sanders Fett rostversiegelt wurden. Schöne Nebenerkenntnis: dank diesem Schmöck kein Rost. Am Fangband (der Name ist irreführend, es ist eine federgelagerte Gleitschiene mit zwei Vertiefungen in die ein Bolzen greift um die Tür auf bisschen geöffnet und ganz geöffnet zu arrtieren) ist der genietete Sperrbolzen ausgebrochen. Hier zahlt sich der Schnack mit dem Hausmeister aus, der sucht uns netterweise einen passenden Bolzen aus dem Schraubenfundus seiner Werkstatt raus und würde denn auch gerne auf Maß flexen, wir nehmen den aber gerne in lang, schließlich können wir das nach unten nicht befestigen und so steckt er auf jeden Fall sicher im Fangband und kann nicht rausspringen.

Dann machen wir uns auf den letzten Rest der Großglockner Hochalpenstrasse die entspannt durch Felder und Dörfer Richtung Gailtaler Alpen ausläuft. Landschaftlich wunderschön, die Strasse unaufgeregt und entspannt zu fahren. Am Ende biegen wir westlich Richtung österreichisch-italienische Grenze ab. Die 100 ist eine Talstrasse und somit die Hauptverkehrsstrasse der Region. Also schleichen wir hinter LKW, Bussen und Touristen her, das alles bei drückender Hitze. Schön ist dieser ganze Teil wirklich nicht, aber leider notwendig. Wir wollen ein bisschen Distanz überwinden und die Region wechseln. Dabei durchqueren wir die Dolomiten, allerdings nur auf der Talsohle immer der inzwischen italienischen SS49 folgend.

Wir unterbrechen diesen ganzen, nervigen Teil nur durch eine Eis- und Kaltgetränkepause im Schatten einer Tankstelle und freuen uns als wir in Brixen auf die SS12 abbiegen. Die SS12 ist besser bekannt als der alte Brenner, also die Strasse, die Urlauberfamilien im deutschen Aufschwung nach dem Krieg für den ersten Italienurlaub voller Vorfreude auf „La dolce Vita“ genommen haben. Mittlerweile kann man eine gut ausgebaute Autobahn über den Brenner nutzen, die SS12 hat also nur noch regionale Bedeutung. Entsprechend übersichtlich befahren ist sie. Endlich wieder eine schmale, sich den geographischen Gegebenheiten anpassende Strasse durch kleine Dörfer und schöne Landschaft. Gesäumt wird sie immer wieder von Burgen, Festungsanlagen und Zollposten. Hieran lässt sich die historische Bedeutung dieser Strasse ablesen. Auch fahren wir am Tiroler Sparta vorbei, in der Sachsenklemme wurden 2500 sächsische, französische und bayrische Soldaten von lediglich 500 Tiroler Schützen 1809 aufgerieben.

Vom Brenner aus biegen wir in Sterzing auf die unscheinbare SS44 und damit den Einstieg zum Jaufenpass ab. Und erleben eine Offenbarung. Der Jaufenpass katapultiert sich unmittelbar in die Liste der Lieblingspässe. Keine durchgehend krassen Steigungen erlauben Geschwindigkeiten zwischen 50 bis 70 km/h im dritten Gang, der 145er rennt den Berg grade zu hoch. Der Strassenbelag wechselt laufend, hat Risse, Dellen und Senken aber nichts, was das Befahren unsicher macht. Grade soviel, das es nicht langweilig wird. Im unteren Teil durchschlängelt die SS44 vor allem Wald und anfangs kleine Siedlungen, höher hinaus Weiden mit freilaufenden Kühen um dann Richtung der auf 2014m liegenden Passquerung durch schroffe Gebiergslandschaft zu kurven. Oben trotz Lift und Wanderpfaden nur zwei kleine Erfrischungskioske, nicht der so häufig auf den Pässen anzutreffende, nervige Touristen-Quatsch. Leider ist es ziemlich diesig, so bleibt uns phänomenale Aussicht verwehrt.

Die Abfahrt offenbart noch einmal einen neuen Charakter des Passes. Die Strasse ist richtig schmal, schmiegt sich eng an die Felswand und teilweise mussten Brücken an dem Hang gebaut werden um die Strasse überhaupt möglich zu machen. Auch die Abfahrt glänzt mit ausreichend Gefälle ohne zu krass abzufallen. Auch hier fahren wir mit 50 bis 70km/h, sowohl Volvo als auch BMW scheinen richtig Bock auf diese Strasse zu haben.

So sehr, dass der Volvo am genau am Fuss des Berges, in St. Leonhard in Passeier keinen Druck mehr auf dem Bremspedal hat. Eigentlich sind wir es gewohnt, das wir vorher geruchstechnisch gewarnt werden, diesmal stinken die Bremsen nur geringfügig sind aber trotzdem kochend heiss. In einer Kurve ist eine große Einfahrt zu einem Kieswerk, hier rollen wir aus und machen eine Dreiviertel Stunde nicht viel. Wir müssen einfach warten, bis die Bremsen soweit runtergekühlt sind dass in den Leitungen wieder Druck aufgebaut werden kann.

Was wir in dieser Zeit allerdings machen ist feststellen, das unsere beiden Tagesziele heute für uns nicht mehr machbar sind, wir sie also auf Morgen verschieben müssen. Und ein kurzer Blick in die Wetteraussicht lässt Camping eher unattraktiv erscheinen. Es soll stürmen, regnen und gewittern. Also neuer Plan für den Abend. Ein booking.com-Check ergibt horrende Zimmerpreise (startend bei 200irgendwas und gefühlt nach oben offen) und so versuchen wir einfach nach Schildern bei „Zimmer frei“ etwas auf dem Weg zu finden. Nach kurzem Fail auf dem ersten Campingplatz mit Appartments landen wir bei der Pension Götsch im Dorf Tirol bei Meran. Hier bekommen wir ein Dreier-Zimmer mit Frühstück zu einem fairem Kurs und haben sogar die Möglichkeit zum unmittelbar startendem Grillen dazu zukommen. Die Pension ist von einem altem Ehepaar geführt, das Ganze ist einfach aber funktional. Genau das, was wir jetzt brauchen. Noch während des Grillens beginnt das Unwetter, die Entscheidung gegen Camping war genau richtig.

2 Gedanken zu “Tag 3 – Der Tag, an dem unser Plan nicht aufging

  1. Boah! Wir lesen parallel auf 2 Endgeräten und sind dadurch doppelt neidisch!
    Es liest sich toll aufregend und genau wie eine Rallye getreu dem Motto ersten kommt es anders und zweitens als man denkt!
    Wir freuen uns jetzt schon auf den morgigen Bericht!
    Lg die Hamburger

    Gefällt 1 Person

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