Tag 8 – der Tag, an dem wir ein bajuwarisches Sonnendeck um die Ecke bringen

Von Finale Ligure nach Finale Ligure

97km gefahren

Start um 12:15 Uhr, Ankunft um 18:OO Uhr

41l getankt

Den Tag beginnen wir in Ruhe, heute hetzt uns ja nun wirklich nichts. Wir liegen relativ lange im Zelt, frühstücken entspannt, duschen und überlegen, wie wir den weiteren Tag verbringen. Wir wollen auf jeden Fall nach Balestrino, eigentlich noch Tagesziel vorgestern, hätte der Volvo nicht die Grätsche gemacht. Kurzer Kartencheck und Einigkeit darüber, dass wir nicht den direkten sondern den schönen Weg nehmen. Kleine Strassen durch die Berge Liguriens. Das klingt nach einem Plan. Der E30 wird ein wenig um- und ausgeräumt, das Dach zurückgeklappt und alle nehmen auf dem bayrischen Sonnendeck Platz.

Wir fahren kurz beim Volvo vorbei, das liegt auf dem Weg. Da ist alles in Ordnung, einsam und alleine steht er im Industriegebiet vor der Werkstatt. Von dort aus fahren wir auf die SS1, sie verläuft fast 700km von Rom bis zur italienisch-französischen Staatsgrenze bei Ponte San Luigi. Den Großteil verläuft sie direkt an der Küste, teilweise unmittelbar in Strandnähe (die hier in dem Bereich der Riviera di Ponente in dem wir zur Zeit festhängen rappelvoll sind). Die SS1 folgt weiträumig immer noch der historischen Via Aurelia, einer von Gaius Aurelius Cotta im Jahr 241 v. Chr. in Auftrag gegebener Staatsstrasse. Sie hatte für das römische Reich strategische Bedeutung, sowohl was Handel als auch Militärbewegungen angeht. Für die Region ist sie immer noch von tragender Bedeutung, sie ist der schnelle Weg zwischen den Küstendörfern und verbindet Latium, Toskana und Ligurien.

Bei Borghetto Santo Spirito biegen wir kurz auf die SP1, verlassen diese aber recht schnell bei Toirano und folgen der SP34 ins Cascina Valloni, einem beliebtem Wander- und Mountainbike-Revier. Die Straße schlängelt sich durch alte und offensichtlich nicht mehr bewirtschaftete Olivenhaine hoch bis zum Ort Balestrino.

Balestrino ist ein altes, historisches Dorf an einem Berghang mit einem altem Schloss auf der Bergspitze. Da das Dorf in einer seismisch aktiven Region liegt wurde es 1953 nach einer Erdrutschwarnung vollständig verlassen, die Bewohner siedelten sich einfach auf den nicht gefährdeten Hängen an. Das Dorf verblieb ungepflegt und zerfiel nach und nach. Dort angekommen müssen wir leider feststellen, das alle Zugänge zum verfallenen Dorf verrammelt und teilweise mit Videoüberwachung versehen sind. Uns bleibt also nichts anderes, als vom nahe gelegenem Parkplatz die Drohne zu starten und auf diese Weise ein paar Eindrücke sammeln zu können.

Für den Rückweg nehmen wir den langen Weg: wir folgen von Balestrino aus der SP44 bis Castelvecchiodi Rocca Barbara, biegen auf die SP52 bis Villagio Rocca Barbena und folgen einer nicht bezeichneten Strasse nach Osten in die Wälder und Berge. Leider endet diese für uns, abrupt hört der Asphalt auf und der dahinter liegende Schotterweg ist bei allem Wagemut mit dem E30 nicht machbar. Also Umkehr, zurück auf die SP52 Richtung Norden bis Bardineto und dort auf die SP1/60. Diese schlängelt sich mit langen graden und schnellen Kehren durch Wälder am Monte Carmo di Loano entlang Richtung Toirano. Und plötzlich, in einer Kehre bei Carpe, entdecken wir einen einsamen LostPlace. Ein Restaurant/Hotel/Superschurken-Villa mit Blick ins Tal. Und einem riesigem Haufen ausgeschlachteter Leihfahrräder im Pool und in mehreren Zimmern. Wir streifen hier durch und freuen uns, doch noch etwas entdecken zu können.

Von der SP 1 wechseln wir auf die SP52 nordwärts, fahren in Calizzano am B&B von vor zwei Nächten vorbei und legen auf dem Colle di Melogno zwei Vollbremsungen ein: auf der Auffahrt finden wir mitten im Wald verlassene und verfallene Baracken, auf Terrassen in Reih und Glied angeordnet. Wir vermuten Militär, dazu würde das nur wenig später auf der Passscheide liegende Forte Centrale passen. Dieses ist immer noch als militärischer Sperrbereich ausgewiesen, allerdings führt die knapp 3m breite Strasse mitten durch das Fort.

Wir durchstreifen die Baracken und machen Fotos, müssen dabei aber vorsichtig sein, durch die Karstlandschaft gibt es einige Absackungen und Löcher die auch teilweise unter dem dichten Laub auf dem Boden verbergen. Am Fort selber trauen wir uns nicht, den militärischen Sperrbereich zu betreten. Im nahegelegenen Gasthaus ist dank Feiertag auch viel los, unbeobachtet sind wir also nicht. Wir starten die Drohne und versuchen durch die über den Berg ziehenden Wolken ein paar gute Fotos zu bekommen.

Wir folgen der Strasse bis runter ans Meer, genießen Kurven mit einem Sportfahrwerk und suchen uns am Meer eine Gelateria um endlich italienisches Eis zu essen. Danach kaufen wir noch etwas ein, vor allem Getränke und Brot sowie etwas Salat und ähnliches. Den Abend verbringen wir auf dem Campingplatz, kochen Nudeln mit Peccorino-Tomatensoße und lassen den Tag ausklingen. Ein grober Plan für Morgen steht auch schon.

2 Gedanken zu “Tag 8 – der Tag, an dem wir ein bajuwarisches Sonnendeck um die Ecke bringen

  1. Cooler Bericht! Ihr habt ja einiges gesehen/entdeckt 🙂

    Das Restaurant welches ihr gesehen habt muss wohl die Diskothek ‘Domina’ sein (auf Youtube suchen). Es gab ja in den 80er und 90er in Italien teilweise absurd grosse Discos, ganz viele davon sind jetzt verlassen und faszinierende Lost Places.

    Ich hoffe ihr schafft es den Volvo wieder fit zu machen und dass die Reise weitergehen kann.

    Gefällt 1 Person

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