Ihr wollt ernsthaft…? Ja! 2

Ihr seid Euch sicher, dass ihr damit..? Ja. Und das bedeutet, dass ihr da lang…? Ja. Aber das ist doch bestimmt total….? Ja. Aber man weiß doch überhaupt nicht….? Ja. Aber warum wollt ihr das dann machen? Weil es völlig bescheuert ist. Und…hab ich diesen Texteinstieg nicht schon mal gelesen? Ja, hast Du;)

Diesmal steht das Abenteuer aber unmittelbar vor der Tür. Aber auch hier, am Besten fangen wir ganz von vorne an:

Am 01.03.1972 wurde unser Volvo 145 Express S erstzugelassen. Damals noch als regulärer Kombi, der Umbau zum Bestattungswagen erfolgte erst vier Jahre später. Das bedeutet: am kommenden ersten März wird unser Volvo 50 Jahre alt. Und das ist definitiv ein Grund zum Feiern.

Es stellte sich also die Frage, wie man so etwas am besten feiert? Und die Antwort lag irgendwie auf der Hand: wir machen einen Roadtrip. Nicht zu irgendeinem Zeitpunkt in 2022 sondern zum Geburtstag. Und auch nicht irgendwo hin, sondern nach Schweden, genauer nach Göteborg zum Volvo Werk. Und wenn wir eh schon im Winter nach Göteborg fahren nutzen wir die Gelegenheit und fahren einen klitzekleinen Umweg hoch über den Polarkreis und gucken Aurora Borealis. Das alles natürlich im 145er.

Klingt irgendwie verrückt – erscheint uns auch so. Und deswegen ist es die perfekte Partie zum fünfzigsten Geburtstag.

Also stiegen wir in die Vorbereitungen ein. Aus den Erfahrungen vom Winter BSC 2019 hat Matthias ein paar Ideen was wir so brauchen . es macht aber trotzdem einen riesigen Unterschied, ob man mit einem vergleichsweise modernem Auto oder einem richtigem Oldtimer in die skandinavische Kälte fährt. Im Kern bestehen die Vorbereitungen also aus drei Hauptthemen: persönliches Equipement, Vorbereitung des Autos, Routenplanung.

Der Part persönliches Equipement ist überschaubar einfach: nach den guten Erfahrungen mit einem Oneskee-Overall beim Winter BSC hat Katrin sich auch so ein Teil zugelegt. Wie Matthias damals im Sale nach der Saison (also im Frühjahr 21 bereits) und wie bei Matthias gab es deswegen nicht allzu viel Auswahl an Designs. Matthias wird also wieder in schicken Neonorange mit Schneetarn-Ärmeln unterwegs sein, Katrin ergänzt jetzt mit Zebraprint. Egal. Hauptsache warm. Ergänzt wird das Ganze um Thermounterwäsche, richtig dicke Socken, Schals, Mützen und Handschuhe sowie – superwichtig! – Spikeüberzieher für die Schuhe. Teile davon müssen noch geshoppt werden, das sollte aber kein Problem werden.

Matthias und Hinne am Nordkapp 2019

Die Vorbereitungen des Autos gestalteten sich umfangreicher: damit die Motoren nicht festfrieren ist es in Skandinavien üblich, Motorvorwärmer zu verbauen. Im Prinzip sind das Tauchsieder, die in den Motorblock eingebaut werden und dort das Kühlwasser erwärmen. Energie dafür bekommen sie über einen Landstromanschluß. Dafür haben die meisten Parkplätze in Skandinavien Steckdosen, teilweise mit Zeitschaltuhren. Die Firma DEFA bietet solche Vorwärmkits an, sogar für unseren Motor. Da die Nachfrage dafür wahrscheinlich überschaubar ist, haben sie den nicht auf Lager sondern produzieren auf Bestellung, entsprechend lange mussten wir warten. Gut drei Monate nach Bestellung ist das Teil bei uns gewesen und direkt eingebaut worden. Der Landstromanschluß wurde in die Stoßstange eingebaut, allerding von unten so daß er im Prinzip unsichtbar ist und sich gleichzeitig kein Wasser darin sammeln kann. Zusätzlich zum Motorvorwärmer wird noch eine Leitung in den Innenraum gelegt, diese wird einen Innenraumlüfter bedienen. Wenn das alles so klappt wie wir uns das denken bedeutet das einen angewärmten Innenraum und vor allem eisfreie Scheiben am Morgen. Außerdem werden noch zwei Batterieladegeräte mitangeschlossen um temperaturbedingten Batterieausfällen vorzubeugen. Praktischer Nebeneffekt: beim Camping haben wir die Stromversorgung für Kühlbox etc. immer durch das Fenster gelegt, in Zukunft erfolgt das elegant über diesen Landstromanschluß.

Motorvorwärmer und festverbautes Batterieladegerät

Natürlich haben wir uns auch über das Thema Korrosion Gedanken gemacht. Umso weiter wir in den Norden kommen um so weniger ist Salz auf den Strassen, aber bis dahin sind die Strassen im Februar gepökelt bis zum Abwinken. Sicherlich sind wir da mit den Lokari-Innenkotflügeln vorne und hinten, die wir angesichts der erwarteten Schotterpisten auf dem Sommer BSC 2016 montiert hatten, auf der sicheren Seite, trotzdem gelangt aber ja immer irgendwie Feuchtigkeit – und somit Salz – in irgendwelche Ritzen und Ecken. 2009 wurde der 145 vom Bestattungsinstitut Kuckelkorn, den Vorbesitzern, anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums ein bisschen auf Vordermann gebracht und erhielt in diesem Zug eine Hohlraumversiegelung mit Mike Sanders. Mike Sanders ist ein heiss zu verarbeitendes Hohlraumwachs mit einer extrem hohen Kriechfähigkeit. Dieses wird in alle Ritzen und Ecken eingespritzt, härtet dort aus und versiegelt dadurch. Wenn das Auto sich erhitzt – zum Beispiel im Sommer – weicht das Wachs auf und kriecht durch irgendeinen verrückten physikalischen Prozess in alle Richtungen, versiegelt dabei immer weiter und schliesst eingedrungenen Dreck, also auch Salz, luftdicht und somit reaktionsgehemmt ein. Unterm Strich: das Beste was es für Hohlraumversiegelung gibt. Nachteil des Kriechens: ab und an muss „nachgefüllt“ werden. Und das haben wir jetzt machen lassen. Mehrere Kilogramm Mike Sanders sind in alle Ritzen, Ecken und Kanten sowie die klassischen Hohlräume (Schweller, Türen, etc) gespritzt worden. Zusätzlich erhielt der komplette Unterboden eine Wachsversiegelung. Damit sollten wir Korrosion ordentlich vorgebeugt haben.

Im letzten Winter haben wir parallel zur Teilrestauration der Karosserie die Felgen aufarbeiten und in schwarz pulverbeschichten lassen. Anschließend wurden sie mit Sommerreifen bezogen. Diese jetzt runterziehen lassen und die (mittlerweile recht begehrten) Kronprinz-Felgen mit Winterreifen zu nutzen erschien irgendwie umständlich, zum Glück konnten wir einen neuen Satz Repro-Stahlfelgen ebenfalls in 5,5×15 ergattern. Damit können wir Winterreifen in der eingetragenen Größe montieren. Spannend wird das Ganze, weil das Design der Repro-Stahlfelgen älter als unser Auto ist, eigentlich ist dieses Design auf Amazonen und P1800 montiert gewesen. Wir sind gespannt, wie es aussehen wird. Aber Winterreifen reichen für einen Roadtrip durch den Winter Skandinaviens nicht aus: Nachfragen bei skandinavischen Volvo-140- und Leichenwagen-Foren und die Erfahrung vom Winter BSC haben eindeutig klar gemacht: wir brauchen zusätzlich Spikereifen. Zum Glück haben wir noch einen Satz Stahlfelgen in 5×15 in der Garage liegen, mit diesen Felgen haben wir 2015 den Wagen gekauft. Also ist der Plan: die nur grundiert gelieferten Repro-Stahlfelgen zum Schutz vor Eis und Salz einmal lackieren, Winterreifen in 195/60R15 drauf, die über zehn Jahre alten Winterreifen von den 5x15er-Felgen abziehen und Spikereifen in 185/65R15 aufziehen.

Das Thema Beleuchtung ist natürlich in einer Gegend, in der die Sonne saisonal nur kurz über den Horizont lünkert ein Thema. Die Hauptscheinwerfer mit integriertem Fernlicht und Bilux-Fassungen liefern dank Bilux auf H4-Adaptern eine recht okaye Lichtausbeute, wir hatten bereits zum BSC2016 ein Paar Zusatzscheinwerfer im Grill montiert. Diese sind jetzt mit gelben 55W-Birnen ausgestattet worden. Gelb vor allem weil gelbes Licht auf weissem Schnee und Eis stärkere Kontraste produziert und es so keinen Weiss-in-Weiss-Effekt gibt. Ebenfalls Gelb, allerdings bereits die Streuscheiben sind die neu unter die Stossstange montierten Hella Comet 550 Fernscheinwerfer. Während die Zusatzscheinwerfer im Grill auf das normale Fernlicht geschaltet sind sind die Hellas als „Arbeitsscheinwerfer“ autark geschaltet. Das hat zwei Gründe, einer davon ist sehr simpel und heisst „Strassenverkehrszulassungsordnung“. Der andere ist, das wir mit den an einer für Nebelscheinwerfer typischen Stelle montierten Fernscheinwerfern unter Schneegestöber und schlechtem Wetter „durchleuchten“ wollen ohne uns selbst zu blenden. So die Theorie. Bei der Gelegenheit wurde auch noch der ganze Kabelkram im Motorraum aufgeräumt und sortiert, ein paar Anfänger- und Flüchtigkeitsfehler behoben und die Nebelschlussleuchte wieder zum Leuchten gebracht.

Last but not least liegen hier noch Schaffelle bereit, aus denen wollen wir uns warme Sitzbezüge machen und diverse Kleinigkeiten im Innenraum müssen noch gemacht werden und es gibt immer noch ein Fragezeichen, ob wir einen Kühlerschutz basteln sollen, also eine Abdeckung die kalten Fahrtwind in den Motorraum verhindert. Und natürlich kommt kurz vor Abfahrt ein sehr leichtlaufendes Öl in den Motor und die Kühlflüssigkeit wird komplett auf Frostschutz bis -40 Grad ausgetauscht.

Was hingegen steht ist die Route. Wir nehmen uns insgesamt drei Wochen Zeit, wir wollen nach Möglichkeit im Tageslicht fahren und deswegen vor allem im Norden die Strecken kürzer halten und so auch Zeit für Dinge links und rechts der Route haben. Als Richtwert haben wir uns 300km vorgenommen, bei der An- und Abreise werden die natürlich an ein, zwei Tagen deutlich überschritten, aber wir wollen ja nicht im tiefen „Süden“ rumlungern, wir wollen das mit dem Schnee und das mit dem Eis.

Gestartet wird logischerweise in Köln, ein Zwischenstop in Hamburg ist eigentlich obligat. Von da geht es in zwei Tagen nach Stockholm. Dann werden wir die gesamte Ostseeküste über Sundsvall, Umea bis Lulea entlangfahren. Auf diesem Stück liegen diverse spannende Museen, Kultureinrichtungen und andere Angebote links und rechts der Strecke, nach Möglichkeit wollen wir uns auch davon das eine oder andere geben. Nachdem wir in Lulea die Iceroads über die OStsee zu den Schäreninseln ausprobiert haben geht es Richtung Norden, ein Schlenker nach Finnland wäre möglich, das nächste größere Ziel ist Alta. Von dort aus soll es durch die Lyngen Alps Richtung Tromsö gehen, dann über NArvik Richtung Arvidsjaur und Vilhelmina. Sveg ist – auf Grund eines völligem Insider – auf der Route, dann Karlstad und letztendlich Göteborg wo wir zwei Tage bleiben wollen um ausreichend Zeit für das Volvo Museum zu haben. Von Göteborg setzen wir über nach Dänemark und fahren die gesamte Nordseeküste ab bis wir keine Lust mehr haben, dann Hamburg, dann ab nach Hause.

Jetzt darf uns nur fucking Covid keinen Strich durch die Rechnung machen.

2 Kommentare

  1. Nach so vielen und gut durchdachten Vorbereitungen und empfundenen Vorfreuden sollte das Projekt gut gestartet und durchgeführt werden können. Ich drücke die Daumen, dass Pannen ausbleiben und Ihr beiden voller Eindrücke und bei stabiler Gesundheit zurückkehren können werdet. Wir werden ein „Willkommen-Abendessen“ – mindestens 6-gängig (wie bei etwas moderneren Volvos üblich -:) – für Euch vorbereiten. Und uns auf Eure Erzählungen und Bilder freuen. HG v Andreas

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  2. Hallo Matthias, bezüglich des Kühlerschutzes (der unbedingt zu empfehlen wäre) ist es vielleicht interessant zu wissen, dass es zu DDR-Zeiten für die verschiedensten Autotypen bereits solchen zu kaufen gab. Bevor ihr welchen selber bastelt, klappere doch mal das Internet ab. Vielleicht gibt es noch etwas passendes zu finden. Liebe Grüße Volker

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