Fertig? Nicht? Jetzt? Immer noch nicht? Jetzt aber?

Es ist wie so häufig: man denkt, man sei eigentlich gut vorbereitet, hat alles ganz in Ruhe geplant und umgesetzt und auf den letzten Drücker wird es dann doch noch stressig.

Wir hatten einen gut überlegten Zeitplan für die Vorbereitung von unserem Volvo, dienstlich eigentlich ein zwei ruhige Wochen unmittelbar vor dem Urlaub eingeplant und – um nicht auf den letzten Drücker noch Corona über den Weg zu laufen – soziale Kontakte reduziert. Und dann kommt das Leben und sagt „sorry, dein Schreibtisch ist jetzt voll, du musst noch ein paar Präsenztermine wahrnehmen und beim Auto sorge ich auch noch einmal für ein bisschen Adrenalin“.

Gegen Arbeit kann man wenig machen außer sie zu erledigen. Das liegt in der Natur der Sache, da brauchen wir nicht wirklich drüber jammern. Dass der Volvo aber parallel anfing nervige Maläste zu entwickeln war dagegen durchaus ärgerlich. So riecht es im Innenraum vermehrt nach Benzin. Eine sehr genaue Kontrolle aller Leitungen und Austausch der meisten hat keine Besserung gebracht, daraufhin haben wir noch Dichtungen wie die vom Tankgeber getauscht. Es roch weiterhin, also stand der Tank im Verdacht. Eine Druckprüfung ergab – nichts. Am Ende fanden wir einen undichten O-Ring am Vergaser, da nässte es minimal. Ausgetauscht, das war es aber auch nicht. Es riecht also irgendwie nach Benzin und wir haben keine Ahnung wo es herkommt. Zum Glück sind so alte Autos ja tendenziell kaum luftdicht, sobald man fährt ist es mit dem Benzingeruch vorbei, dafür sorgt die serienmäßige Durchlüftung selbst ohne offene Fenster.

Hätte als Adrenalinquelle gereicht wenn nicht bei einer kurzen Fahrt abends durch die Stadt auf einmal das Abblendlicht weg gewesen wäre. Heckbeleuchtung ging, Fernlicht ging, nur das Abblendlicht wollte nicht. Ein kräftiger Schlag auf das Relais konnte dieses dann zum Schalten überreden, Dauerzustand kann das aber nicht sein. Also ein neues Relais bestellt, dieses ist aber anders gepint als das Originale, dadurch durcheinander gekommen und am Ende einen solchen Knoten im Gehirn gehabt, dass der Volvo bei Andreas Schicks von der Wagenwerkstatt abgegeben wurde. Nebenbei: großartige Werkstatt. Andreas hat uns dann auch direkt noch die 220V-Landstromleitung durch die Spritzwand in den Innenraum gelegt, Öl und Kühlflüssigkeit dem skandinavischem Winter angepasst und den nicht funktionierenden Heckscheibenwischer wieder gangbar gemacht. Außerdem hat Andreas direkt noch eine Kurzbewertung für die Versicherung gemacht in der er zu dem Schluß gekommen ist, das unser Volvo 145 Express eine Zustandsnote 2 ist. Was ziemlich fett ist. Auf jeden Fall sind wir jetzt mit dem Gutachten für den hoffentlich nicht eintretenden Schadensfall gut vorbereitet.

Letzter kurzer Herzstillstand dann beim Verladen der Spikereifen. Extra für die Tour angeschafft, was in Deutschland nicht ganz so leicht war. Wir haben uns für Continental IceContact 3 in 185/65 R15 entschieden, diese waren ein guter Kompromiss aus Preis und Anzahl Spikes. Da gibt es nämlich Unterschiede. Jedenfalls stellt sich beim Verladen heraus, das einer der Reifen platt ist. Also zur Kontrolle noch einmal Druck drauf und das Wochenende abgewartet, wieder Druckverlust. Erneut hat uns Andreas aus der Patsche geholfen, Rost unter dem Ventil hat ein vollständiges Dichten verhindert. Reifen also runter, Rost abgeschliffen, Rostschutz drauf, neues Ventil und den Reifen wieder drauf. Jetzt ist es dicht und die Reifen sind schon einmal im Auto festgezurrt. Gleiches gilt für Werkzeug, Ersatzteile. Außerdem hat der Wagen noch einmal eine Schönheitskur bekommen, ist ordentlich gewaschen, mit einer Keramikversiegelung poliert, die Scheiben innen mit Anti-Beschlag-Spray und außen mit Rain-X behandelt (mal schauen, was das bringt) und einmal durchgesaugt. Wenigstens die ersten Kilometer soll er ja glänzen, dass das unterwegs verloren geht ist ja klar.

Und als wäre das alles nicht genug sprang dann auch noch der rechte Scheibenwischerarm von der Welle. Die Klemmarretierung ist ausgeleiert, den Arm gibt es aber nicht mehr als neues Ersatzteil. Also die Klemmung ein bisschen hingebogen, das hält jetzt erst einmal. Weil wir aber keine Lust haben, den Arm unter ungünstigen Umständen dauerhaft zu verlieren(und wir der Klemmung vom linken Arm jetzt nicht mehr richtig trauen) haben beide Scheibenwischerarme noch eine Sicherung mit sehr reissfester Drachenschnur bekommen.

In unserer Wohnung stapeln sich noch die Zarges-Boxen mit Anziehsachen, Vorräten und Material. Im Prinzip ist aber alles vorbereitet. Hosen und Jacken sind imprägniert, eine ordentliche Menge Gulasch, Bolognese-Sauce, Mangold-Kartoffel-Durcheinander und Rinderrouladen sind vorgekocht und eingeweckt, Brot, Aufstriche und Snacks eingekauft und eine große Menge warme Socken, Unterhemden und dicke Pullover eingepackt. Jetzt muss nur noch alles ins Auto und los kann es gehen.

Was auf jeden Fall bereits gut gepackt ist, ist unsere Playlist. Dank vieler Songspenden ist diese mittlerweile ziemlich verrückt. Reingehört haben wir noch nicht, wir freuen uns auf die ganzen Überraschungen, bekannte Lieder und unbekannte Bands und einen wilden Mix auf den gut 6000 vor uns liegenden Kilometern.

Wenn ihr die Tour verfolgen möchtet geht das natürlich hier im Blog mit hoffentlich tagesaktuellen Updates, zusätzlich kann man unseren Standort ab Freitag Nachmittag via GPS bei FindPenguin verfolgen.

4 Kommentare

  1. Lieber alter Volvo, nach so viel Fürsorge und Streichel-/ Basteleinheiten bist Du nun in der Bringschuld! Wie, Du weißt nicht, was das bedeutet? Also, alter Knabe, dann jetzt mal langsam und verständlich für Dich: „Bring Katrin und Matthes bitte möglichst pannenfrei zum Tour-Ziel und von dort ohne Nervenzusammenbrüche wieder zurück nach Köln. Kriegst Du das hin? Ich werde Dich im Auge behalten!! Gute Fahrt – Euch Dreien – und viele angenehme Abenteuer auf der Strecke …. wünscht Euch Andreas RB

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