Tag 0 – Prolog „on the road again“

von Duisburg nach Flensburg

Startzeit: 11:15 Uhr

Ankunftszeit: 20:20 Uhr

Km: 585

Pausen: 3 x Pipi, 1 x Kaffee m. Pipi bei Joliente, 1 x Kaffee & Pipi bei Hildegunde, 2 x tanken, 1 x Zierleiste reparieren

Liter: 31,6 (Literpreis 2,029€/Super Plus) + 23,8 (2,019€/L Super Plus)

Reparaturen: Halterung linke Zierleiste hinten

Sonnenaufgang Start: 5:24 Uhr (21:35 Uhr Untergang)

Sonnenuntergang Ziel: 21:43 Uhr (4:55 Uhr Aufgang)

Temperatur: 21 Grad bis 20 Grad

Fast anderthalb Jahre wurde hier kein Wort zu Roadtrips mit unserem 145 fallen gelassen. Letztes Jahr machten Fabi und Matthias die Routes des Grandes Alpes und Napoleon im Neuwagen. All das hat seinen traurigen und auch ärgerlichen Grund.

Während der Polar-Lights-Express-Tour 2025 führte eine dumme Fehleinschätzung zu einer schwungvollen Drehung und heftiger Schieflage im Straßengraben irgendwo in Nord-Norwegen. Die konsultierte Werkstatt vor Ort beschied, dass wir mit entsprechender Vorsicht wahrscheinlich bis nach Hause kommen. Was wir auch für die noch anstehenden gut 3500 Kilometer auf uns nahmen und heil zu Hause ankamen.

Zum Glück muss man sagen. Denn beim Werkstatttermin beim Alt-Volvo-Spezi in Duisburg wurde dem 145 ein kapitaler Schaden diagnostiziert und jede Weiterfahrt untersagt: Der Vorderachskörper war fast ganz durchgebrochen und auch die Hinterachsaufhängung komplett verzogen. Ein Schaden irgendwo zwischen sechs bis siebentausend Euro.

Wir mögen unseren 145 und haben ihm das Komplettpaket Oldtimer-Versicherung spendiert, Vollkasko mit Allrisk und allem Zipp und Zapp. Also sollte dieser Unfall ohne Fremdbeteiligung eigentlich easy darüber abgewickelt werden können. Was folgte war ein schier endloser Kampf mit der Versicherung. Alles in allem dauerte es über ein Jahr, bis alles reguliert, anschließend repariert und dann auch bezahlt war.

In all dieser Zeit stand der 145 beim Alt-Volvo-Spezi in Duisburg draußen auf dem Hof. Und hat darunter sehr gelitten. An diversen Stellen war der alte Spachtel aufgerissen, bildeten sich Rostblasen und entwickelte sich unser Auto zum hässlichen Entlein. Als wir ihn wieder bekamen, rutschte uns unser Herz in die Hose, das sah alles nicht gut aus.

Also brachten wir den 145 in die Wagenwerkstatt zu Andreas. Dieser bekam den Auftrag, Schadensbegrenzung zu betreiben, den Rost zu bekämpfen und alles ansehnlich wie möglich wieder herzustellen. Unter zu Hilfenahme eines externen Dienstleisters wurde im Rahmen der Möglichkeiten fast ein Wunder vollbracht: Der Wagen steht wieder einigermaßen okay da.

Letzte Woche Dienstag konnten wir ihn endlich abholen, fast 1,5 Jahre nach dem Unfall. Und gerade rechtzeitig. Rechtzeitig für‘s Probecampen zu Pfingsten und einen ganz besonderen Trip: Unsere Rallyegang wird dieses Jahr zehn.

2016 lernten wir im Rahmen des Baltic Sea Circle Micha, Hauke und Hinne kennen. Und irgendwie haben wir uns gegenseitig behalten, trotz der teils großen räumlichen Entfernungen zwischen uns. Und mit der Zeit sind wir mehr geworden, zu Hauke gehören Mulle und Ida, zu Micha Marvin und zu Hinne Bente, Philip und Henry. Und es hat sich etabliert, dass wir jedes Jahr zu Fronleichnam gemeinsam campen gehen.

erstes gemeinsames Campfoto vom 18.06.2016

Für unser Jubiläum soll es aber was Besonderes sein. Etwas, bei dem wir zehn Jahre Rallyegang gebührend feiern und natürlich kann das eigentlich nur ein Roadtrip sein. Und fast logischerweise muss der durch Skandinavien gehen.

Der Plan stand also, Urlaub wurde eingereicht und Matthias setzte sich hin und began mit der Planung für einen 10-tägigen Roadtrip durch Süd- und Mittelschweden. 10 Tage für 10 Jahre. Leider fällt Team Hamburg um Hinne aus, weswegen sich heute drei Autos an der Startlinie in Flensburg einfinden: Mulle, Hauke und Ida fahren in ihrem VW Bus, Marvin und Micha sind im 1986er BMW E23 angereist und Katrin und Matthias sind froh, im bekannten 145 zu reisen. Übrigens dem einzigen Auto, das auch vor zehn Jahren schon dabei war.

Um das Ganze spannend zu gestalten, hat jedes Auto-Team die Aufgabe bekommen, für einzelne Etappen ein Roadbook zu schreiben und so neben Kilometerfressen den Tagen etwas Besonderes zu geben.

Für uns startete die Tour bereits vorgestern. Sachen zusammen suchen, alles ordentlich und systematisch in den Zarges-Boxen verstauen und im Auto verzurren. Zusätzlich kochten wir noch Kartoffelsuppe für alle, weckten diese ein und finaliserten unsere Teile des Roadbooks.

Der Tag fängt wuselig aber geordnet an. Wir gießen noch einmal alle Blumen auf Vorrat, die letzten Tage ist es ja überraschend warm geworden. Zwischen neun und zehn schlagen Micha und Marvin im Likedeeler-Hauptquartier auf. Wir frühstücken in Ruhe, packen den letzten Kram zusammen und hauen uns dann gemeinsam auf die Autobahn. Kilometerfressen ist heute angesagt, wie immer zum Start eines Roadtrips heißt es erstmal Strecke machen.

Doch bevor wir über A42 und A43 Richtung A1 gondeln, wartet hinter unserem Scheibenwischer die erste Aufgabe auf uns: Marvin und Micha haben eine wilde Geschichte für uns parat, quasi eine kombinierte Schatzsuche mit Transportaufgabe.

Unseren ersten Zwischenstop identifizieren wir recht schnell, zufälligerweise kennen wir ihn gut: direkt neben der A1 vor Bremen liegt die Kaffeerösterei Joliente mit kleinem Café. Auf unseren Touren nach Hamburg halten wir hier häufig an und füllen unsere ToGo-Becher mit hervorragendem Kaffee. Turns out: Micha und Marvin sind auch Fans.

Die Aufgabe: eine große Box Kaffee abholen, vorher verköstigen und diese dann in Bremen ausliefern. Das Fräulein Hildegunde aus der Geschichte stellt sich als Marvins Mutter heraus, auch hier legen wir einen kurzen Stopp ein.

Der tut auch Not: Bereits im Ruhrgebiet standen wir immer wieder im Stau, um Bremen herum wird es richtig nervig. Gut gestärkt fahren wir weiter und nehmen Kurs auf den nächsten vorprogrammierten Stau am Elbtunnel. Hinter diesem lichtet sich der Verkehr, wir spulen Kilometer um Kilometer durch die sonnenbeschienene schleswig-holsteinische Landschaft. Ein letzter Tankstop. Für die Zielgrade wählen wir ab dort die Landstraße und genießen den beginnenden Abend.

In Flensburg werden wir herzlichst begrüßt, besonders Ida freut sich merklich, dass wir endlich da sind. Es gibt Chilli con Carne und niemand braucht lange, um warm zu werden. Wir sind da und direkt beisammen. Der lange Tag und die vielen Kilometer Autobahn stecken uns aber ziemlich in den Knochen, so dass wir heute nicht sehr alt werden. Außerdem geht es morgen schon wieder zeitig los, auch morgen werden noch Kilometer gefressen.


aus „Von KRAWATTENMÄNNCHEN, VIELFRASSEN und FAULPELZINNEN“ von Juri Johansson, Kraus Verlag

1 Kommentar

  1. Ich wünsche euch allen nur das Beste für den Road Trip – habt viel Spaß und keine Panne 👍

    vielleicht sehen wir uns ja 2027 bei der Leipziger Leichenwagenprozession wieder – würde mich riesig freuen 🖤😉

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