Tag 1 – 3 Länder, 3 Brücken, 3 Autos

Flensburg nach Åhus

Zeit: 10:00 Uhr > 19:40 Uhr = 9:40 Stunden

Km:  502

Pausen: 0 x Pipi, 1 x tanken, 1 x Luftdruck, 1 x Hirschröhren m. Pipi, 1 x Essen m. Pipi, 1 x Tilde o. Pipi, 1 x Navigationsbesprechung

Liter: 33,73 (Literpreis 17,29DK/95er)

Reparaturen: keine

Sonnenaufgang Start: 4:54 Uhr (21:44 Uhr Untergang)

Sonnenuntergang Ziel: 21:35 Uhr (4:28 Uhr Aufgang)

Temperatur: 20 Grad bis 21 Grad

Der Wecker klingelt verhältnismäßig früh. Roadtrip eben. Vor allem an Tagen, an denen man Kilometer fressen will, macht es Sinn, nicht allzu spät in den Tag zu starten. Unsere Abfahrt ist für zehn Uhr angepeilt, gegen sieben kommt Leben ins Haus, es wird noch mal geduscht und nach und nach trudeln alle am Frühstückstisch ein. Während wir essen bekommen wir von Mulle, Hauke und Ida unser Roadbook sowie eine Tüte mit diversen Utensilien, die sich im Laufe der Tour nach und nach freischalten.

Für heute haben wir eine Tagesaufgabe, diese besteht aus einem Tagesbingo – es gilt diverse Dinge links und rechts neben der Straße zu entdecken. So halten wir die Augen auf, um einen Volvo zu finden, dessen Insassen jünger als das Fahrzeug sind, müssen ein dänisches Softeis mit bunten Streuseln finden oder das erste typisch schwedische Haus fotografieren. Die Beweise sind in unsere Chatgruppe zu posten.

Wir haben genug Zeit für einen gemütlichen Start in den Tag und pünktlich um Zehn sitzen alle auf ihren Plätzen. Eigentlich sind sogar alle schon um 09:30 Uhr fertig, dann werden aber noch einmal obligatorische Sicherheits-Klogänge absolviert. Zehn Uhr starten wir jedenfalls die Motoren und rollen aus der Wohnsiedlung Richtung Flensburger Innenstadt.

Am Hafen und der Förde fahren wir Richtung Norden. Kurz hinter Wassersleben wechseln wir auf die B200 und überqueren kurz danach die Grenze zu Dänemark. Unsere erste Routen-Challenge führt uns nach Hindsgavl. Dabei queren wir den Lillebælt über die alte Lillebælt-Brücke. Die 1925-1935 gebaute, knapp 1200 Meter lange Brücke hat eine Durchfahrtshöhe von 33 Metern. Die Gerberbrücke ziert den 100-Kronen-Schein und seit 2015 kann man im Rahmen einer Bridgewalking-Tour oben über das Fachwerk in 57 Metern Höhe über dem Wasserspiegel laufen. Nix für Matthias.

Im Naturpark Hindsgavl wartet unsere erste Aufgabe: Wir müssen aus Naturmaterialien ein Geweih basteln, uns in eine majestätische Pose schmeissen und laut röhren wie ein brünstiger Hirsch. Videos wurden zum Beweis für die Ewigkeit in unsere Chatgruppe gepostet, zu sehen wird sie niemand bekommen. So viel sei gesagt: So viel Inbrunst legen selbst originale Hirsche selten an den Tag. Mulle und Katrin knacken sogar den Jackpot und brunften mit Holzgeweih während im Hintergrund eine originale Hirschkuh chillt.

Wir spannen noch ein wenig auf dem Spielplatz ab und genießen die frische Luft – und die wirklich hervorragenden Sanitäreinrichtungen. Wir befinden uns jetzt auf der Insel Fünen und haben direkt die nächste Aufgabe vor der Brust – bzw. dem Bauch. Wir müssen irgendwelche Geister und das eigene Wohlbefinden gnädig stimmen, indem wir einen original dänischen Hotdog essen, ohne das dabei etwas zu Boden krümmelt. Sollte das doch passieren, so muss zwingend ein Softeis gegessen werden, anders sind die Geister kaum zu besänftigen. Wir suchen links und rechts neben der E20 und werden in Sorø fündig. Hotdogs direkt auf dem Marktplatz, daneben ein (Soft-)Eisladen und öffentliche Toiletten direkt gegenüber. Die Bedienung verspricht uns, ihr Bestes zu geben und macht uns hervorragende Hotdogs. Leider krümmeln Röstzwiebeln trotz aller Vorsicht auf den Boden. Wir ergeben uns demütig in unser Schicksal und ergänzen den Mittagssnack um Softeis mit bunten Streuseln – und können praktischerweise direkt ein Bingo-Feld abhaken. Außerdem muß hier ein Auto „repariert“ werden: Der BMW braucht einen halben Liter Kühlwasser. Die feine Sensorik hat dies dauerhaft beansprucht. Um dem roten Lämpchen genüge zu tun, bekommt der Wagen was er will.

Wir folgen der E20 weiter und queren den großen Belt über die insgesamt gut 18 Kilometer lange Storebæltbrücke. Die Brücke ist eine Kombination aus Spannbeton-Hohlkastenbrücken und einer 2654 Meter langen Hängebrücke, die die größte, vollständig in Europa liegende und weltweit viertgrößte Hängebrücke ist. 65 Meter ist die Durchfahrtshöhe, dabei dürfen die Schiffe maximal 15,4 Meter Tiefgang haben. Denn die Storæbelt-Brücke ist ausschließlich für den Autoverkehr, der parallel laufende Bahnverkehr kreuzt den großen Belt durch einen auf dem Meeresboden liegenden Tunnel. Eine Herausforderung bei der Querung ist der Wind. Mehrere Messstationen überprüfen die Lage und im Zweifelsfall (ab 30m/s Wind) wird der Verkehr ganz eingestellt. Wir merken den Seitenwind deutlich, er kommt fast im rechten Winkel zur Brücke und zerrt stark an Auto und Dachaufbau. Entsprechend queren wir die Brücke langsam und fahren nur so um die 80km/h.

Bei Vallensbæk fahren wir in ein Wohngebiet und parken unsere Autos. Hier wartet unsere nächste Aufgabe. In einem kleinen Wäldchen warten riesige Trolle. Denen müssen wir uns getarnt nähern. Dafür wurden in unserer Roadbook-Tüte einige Gegenstände freigeschaltet. Entsprechend ausgestattet macht sich unsere Crew auf den Weg. Vorbei an blühenden Wildwiesen geht es an das Ufer eines kleinen Sees. Diesen müssen wir mit einer manuellen Seilfähre überqueren – allerdings scheint die Fähre gesunken. Ohne die Erlaubnis der Trolle wollen wir allerdings nicht die Überquerung des Øresund wagen. Also laufen wir zurück zu den Autos, fahren einmal um den See, parken auf dem offiziellen Parkplatz und laufen zu dem großen Holztroll Tilde. Matthias bleibt bei den Autos. Für die letzte Etappe muss er noch ein kurzes Nickerchen einlegen.

DSGVO-konform nur Team Likedeeler im Bild – der Rest der Gang war ebenfalls verkleidet

Ab hier heißt es dann Endspurt. Auf der Mitte der Øresundbrücke müssen wir noch eine Aufgabe erledigen: Während der Fahrt muss ein bekanntes schwedisches Kinderlied über Fröschlein gesungen werden. Im Volvo sorgt das für etwas Stress. Trotz guter Vorbereitung – das Lied auf YouTube rausgesucht, YouTube mit der Anlage verbunden, das zweite Handy für das Beweisvideo im Anschlag, Frösche im Mund – klappt auf der Grenze gar nichts. Wir improvisieren und erledigen die Aufgabe. In den anderen Autos klappt es problemlos. Die Beweisvideos landen wie bisher auch in der Chatgruppe.

Ab hier spulen wir nur noch Kilometer. Zwei Stunden erst noch Autobahn, irgendwann dann Landstraße durch die schwedische Idylle. Der Verkehr nimmt immer mehr ab und gegen Ende können wir entspannt unseren Törn fahren. Einzig die immer wieder einsetzenden heftigen Schauer machen uns Gedanken. Dankenswerterweise bleiben wir ab Ankunft am Campingplatz davon aber verschont & genießen einen schwedischen Waldsonnenuntergang.

Unser Campingplatz gehört zu einem Missionshaus. Es liegen Bibeln aus, es gibt Werbung für die Bibel-App und einen Self-CheckIn. Wir finden ein nettes Plätzchen, bauen unser Camp auf und reißen unsere eingeweckte Kartoffelsuppe auf. Nach dem Essen verlassen Katrin und Matthias die bereits müde Crew, spazieren durch den dunkel werdenden Wald & genießen noch ein wenig die nahegelegene Ostsee samt Mondschein über dem Meer. Nach unserer Rückkehr ist bereits gespült und es wird die obligatorische Candy-Bar eröffnet – ohne wäre Ida nicht mitgekommen. Gegen Mitternacht krabbeln alle in die Dachzelte und schlummern bei leichtem Wind durch die Nacht.

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