Tag 6 – der Sonne entgegen, vorerst

Von Gräsmark nach Norane

Zeit: 11:15 Uhr > 16:40 Uhr = 5:25 Stunden

Km:  174

Pausen: 1 x Park in Karlstad, 1 x tanken, 

Liter: 30,3 (Literpreis 18,94 SEK/98er)

Reparaturen: Wackelkontakt der Kühlbox beim VW

Sonnenaufgang Start: 3:54 Uhr (22:18Uhr Untergang)

Sonnenuntergang Ziel:  22:14 Uhr (4:02 Uhr Aufgang)

Temperatur: 22 Grad bis 28 Grad & dann 23 Grad

Wir sind sehr verliebt in den Platz. Ein weitläufiges Gelände unter großen Nadelbäumen, vollkommene Stille in der Nacht und ein ruhiger und idyllischer See direkt daneben. Gestern Abend haben wir noch ein Lagerfeuer in einer einseitig offenen Hütte gemacht und waren alle länger wach als geplant. Es war einfach so ein Abend, der nicht planbar ist und wunderschön wird.

Katrin wird morgens von seltsamen Geräuschen geweckt. Vorsichtig schaut sie aus dem Zelt und sieht eine Elster die gerade dabei ist, unseren Bio-Müll zu plündern. Vorher hatte sie sich schon Bananenbrot gesichert. Das lag als ein sich über die Tour entwickelter Witz als Auffahrkeil unter den Reifen des Busses. Das Bananenbrot war um und wir haben – eigentlich bevor es weggeworfen werden sollte – den bisher theoretischen Witz in die Realität umgesetzte. Und vor dem Schlafen gehen natürlich vergessen. Sehr zur Freude der Elster. Diese war gerade dabei, fein säuberlich die Maisreste vom Rest des Biomülls zu trennen.

Katrin schält sich also aus dem Bett und entsorgt erst einmal den Biomüll. Anschließend legt sie sich in die aufgehende Sonne zum lesen & kommt dann doch noch einmal ins warme Zelt gekrochen. Dort bleiben wir noch ein Stündchen oder so bevor sich auch draußen das erste Leben regt. Wir starten völlig entspannt in den Tag, peilen gar keine Abfahrtszeit ein. Unsere Etappe heute ist kurz, wir haben keinen Zeitdruck. Also frühstücken wir ganz gemütlich und können auch ganz in Ruhe Duschen und uns fertig machen. Und trotzdem sind wir um kurz nach elf abfahrbereit. 

Der Tag verspricht sonnig zu werden, die Meisten von uns haben zum ersten Mal seit längerem auf kurze Hose und T-Shirt gesetzt und sie sollen nicht enttäuscht werden. Wir verlassen den Platz, heute wieder in gewohnter Formation mit dem Volvo vorne, dem BMW in der Mitte und dem VW Bus am Ende.

Die Gestaltung des Tages hat heute Team Düsseldorf. Eröffnet wird der Tag mit einem Fotobingo: in einem 3×3-Raster sind Fotomotive an denen wir auf der heutigen Etappe vorbeikommen. Wer es schafft, diese Motive zu entdecken und zu fotografieren, darf sie im Bingo abkreuzen. Wer zuerst ein Bingo hat, hat gewonnen. Also halten wir die Augen nach Skulpturen, einem Ikea, einem Parkeingang und ähnlichem auf. Mit einer schadenscheinigen Pipi-Pausen-Anfrage werden wir sogar auf einen Parkplatz gelotst, um unter Umständen das dortige Fotomotiv zu entdecken.

Doch das ist noch nicht alles: schon knackt es im Funkgerät und Team Düsseldorf moderiert ein Quiz zwischen Duisburg und Flensburg an. Wir müssen in den Kategorien Natur & Tiere, Geografie, Essen & Trinken, Pop & Kultur und Funfact Fragen beantworten. In einem heißen Kopf-an-Kopf-Rennen liegt Duisburg am Ende um einen Punkt vorne und gewinnt damit das Quiz.

Erster Zwischenstop des Tages ist der MarienSkogen-Volkspark in Karlstad. Karlstadt hat den Beinamen Sonnenstadt, sie gilt als die Stadt mit den meisten Sonnenstunden in Schweden. Sie liegt eingebettet in eine saftige, grüne Landschaft direkt am Vänern-See, dem größten See in Schweden. Der Park ist ein kostenfreier, öffentlicher Park in beeindruckendem Zustand. Supersauber und gepflegt, mit Waldflächen, großen, angelegten Wiesen und Pflanzbeeten, einer Freilichtbühne, Badestrand, Sportstätten, einem Zoo mit heimischen Nutztieren und Spielplätzen. Außerdem beherbergt der Park ein Naturmuseum. 

Wir schlendern durch den Zoo, in der Hoffnung, dass man die Tiere auch streicheln kann. Sehr zum Ärger von Ida ist aber jeder Zugang abgeschlossen. Nach kurzem Spielplatz-Check spielen wir eine Runde Minigolf (Mulle gewinnt, Hauke ist Zweiter und Matthias Dritter) mit Blick auf den tiefblauen See. Zur Belohnung gibt es Snacks und Eis bevor wir uns wieder in die Autos setzen und Richtung Campingplatz fahren.

Nach wenigen Kilometern fällt uns im Volvo auf, dass wir etwas essentielles Vergessen haben. Offenbar hat uns die gestrige Verantwortungsabgabe schluderig werden lassen: Wir haben einfach nicht ans Tanken gedacht. Katrin recherchiert schnell und findet eine Tankstelle in der Nähe, erreichbar durch einen kleinen Umweg. Sie hat sogar 98er-Sprit. Schnell biegen wir von der Schnellstraße ab und fahren in einen kleinen Ort abseits der Strecke. Tatsächlich wären wir eh fast genau hier, nur etwas weiter südlich vorbei gekommen. Wir haben uns gegen die Hauptstrecke und für eine landschaftlich reizvolle Backroad entschieden. Jetzt, wo der Tank voll ist, können wir diese auch ohne Bedenken angehen. 

Und wie gut ist es, dass wir uns keine Gedanken machen müssen. Vor uns liegt eine dieser Traumstraßen. Wunderschöne Landschaft links und rechts. Wälder, Wiesen, Felder, immer wieder glitzert Wasser in allen Größen. Gleichzeitig ist die Straße wunderbar gewunden, geht über Hügel und durch lange Senken, schlängelt sich in das Land, geschmiegt durch Postkarten-Motive. Volvo und BMW saugt es förmlich vorwärts, der VW Bus lässt es etwas ruhiger angehen. Ab und zu machen wir deswegen Zwischenstops, um wieder in erreichbarer Nähe miteinander zu sein.

Während der Fahrt klärt Mulle mit dem Campingplatz die Abendessenversorgung und ordert Pizza für uns alle. Dort angekommen finden wir schnell ein schönes Plätzchen direkt am Wasser und Spielplatz. Leider quitiert die Sonne ihren Dienst und übergibt an schwere Regenwolken. Wir bauen das Camp diesmal also wasserfester auf, der Pavillon bekommt seine Seitenwände und wir richten uns darauf ein, heute etwas kuscheliger zusammen zu sitzen. 

Pünktlich zur warmen Pizza und Katrins Reispfanne setzt der Regen auch ein und prasselt seitdem intervallartig auf die Zeltdächer. Begleitet wird er immer wieder von starken Windboen. Da unser Pavillon letztes Jahr bei einem Campingtrip in der Eifel bereits gelitten hatte, verstärken wir die Querstreben mit Tarp-Stangen. Insgesamt macht der Pavillon danach einen stabilen Eindruck. 

Der Regen wird uns die ganze Nacht bis ca. 04:00 Uhr laut Wetterbericht begleiten, es wird also wahrscheinlich ungemütlicher als die letzten Nächte werden.

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