Tag 4:
Radolfzell am See bis Naturcamping Lärchwiese, Italien
Roadtime: 7 Stunden
Km: 402
Pausen: 3 x Pipi, 2 x tanken
Getankt: 29,2l (Literpreis 2,184 €/Super Plus) + 28,2l (2,158€/L 100 Oktan)
Reparaturen: ./.
Temperatur: 22 Grad
Schon beim Frühstuck mit Steffi und ihrer Familie fassen Katrin und Matthias unabhängig voneinander den Entschluss, anders als geplant nur eine Nacht in Südtirol zu bleiben. Christian, ein befreundeter Kollege von Katrin, ist mit seiner Familie auf einem Campingplatz am Faaker See und eigentlich hatten wir einen Kaffee-Besuch auf der Strecke eingeplant, haben aber jetzt irgendwie mehr Bock auf etwas mehr Zeit. Wir halten Rücksprache mit Christian, wir wollen uns ja nicht einfach so aufdrängen. Aber auch Christian und Familie haben nix dagegen und obwohl ihr Campingplatz ausgebucht ist, sind sie bereit für Besuch ein Fleckchen zu finden – also disponieren wir im Kopf schon mal um.
Wir winken noch einmal Steffi und Familie und sind auf dem Weg. Heute ist noch einmal Strecke machen angesagt, einen Großteil davon werden wir via Autobahnen abreißen. Dafür haben wir noch schnell online die Maut für Österreich und Slowenien gebucht plus ein Flexticket für Österreich, dass es uns ermöglicht, die zusätzlich gebührenpflichtigen Tunnel via Fastlane und Abrechnung per Kennzeichenerfassung zu passieren.

Tunnel gibt es heute jedenfalls mehr als genug. Zwischendurch haben wir das Gefühl, Sonnenlicht nur als Ausnahme zwischen all den Tunneldecken zu sehen. Die Tunnel sind wenig über 100 Meter bis hin zu 13,972 km lang. Letzteres ist die Länge des Arlbergtunnels (gebührenpflichtig), immerhin der längste Tunnel Österreichs, zur Zeit seiner Eröffnung 1978 sogar der längste Straßentunnel der Welt. Ein kleines bisschen ist dabei geschummelt, der Haupttunnel ist 10,311 Meter lang, wird dann von der Rosannaschlucht unterbrochen und überquert diese auf einer eingehausten Brücke. Wir stellen das trotzdem nicht in Frage, der zweitlängste Tunnel Österreichs, der Plabutschtunnel ist mit 10,085 Metern Länge nämlich immer noch kürzer.
Inzwischen haben wir auch eine alte Bekannte getroffen. Auf der E45 sind wir sowohl 2022 als auch 2025 in Schweden, Norwegen und Dänemark etliche Kilometer gefahren. Die E45 beginnt in Alta in Norwegen, geht durch Finnland, Schweden, Dänemark, Deutschland (hier weite Teile A7 und A3), Österreich und Italien und endet nach 5190 Kilometern in Gela an der Südküste Siziliens. Bereits damals merkte Matthias an, dass das ja eigentlich auch ein ganz spannender eigener Roadtrip sein könnte – wobei mittlerweile bis auf den italienischen Teil bereits alle Straßen mal so oder so unter unseren Rädern waren.

In den Tunneln bemerken wir ein spannendes Phänomen, besonders im Roppener Tunnel macht sich das bemerkbar: Die Temperatur steigt zunehmend und merklich, zusätzlich steigt die Luftfeuchtigkeit rapide an, überall im Auto bildet sich eine dünne Kondenswasserschicht. Kaum aus dem Tunnel raus, fällt die Temperatur wieder und das Kondenswasser lüftet ab.
Am Brenner fahren wir kurz hinter der Mautstation von der Autobahn ab, um neben der Strecke zu tanken. Und haben richtig Glück. Ab der Tankstelle leitet die freundliche und ortskundige Dame im Radio uns über italienische Landstraßen unter und neben der Brennerautobahn entlang, denn auf eben jener ist endloser Stau. Und wir haben ein Dejavu: Auf der 20Nations-Rallye sind wir auf dem Weg Richtung Udine am Abend in einer Baustelle im Regen gelandet und hatten keine Ahnung, wie es weiter gehen könnte (GPS war ja verboten), als uns eine offensichtlich ortskundige Italienerin irgendetwas zurief, winkte, in ihr Auto sprang und mit einem Affenzahn in der Baustelle verschwand. In Ermangelung von Alternativen ballerten wir damals mit Team Danex hinterher und rasten in einem Affenzahn über halb zugewucherte Neben-Neben-Straßen unter der Brennerautobahn entlang, um irgendwann wieder zwischen zwei Bruchhäusern auf der Hauptstrecke zu landen. In die Rallye-Analen ging diese Episode als die Jurrasic-Park-Etappe ein. Diesmal bleiben wir auf der Hauptstrecke und „verpassen“ den Autobahn-Stau.

Aber es herrscht insgesamt schlimmer Reiseverkehr und es geht trotzdem nur zäh voran. Man merkt, dass ein Haufen Menschen unterwegs sind, die normalerweise nur bekannte Strecken fahren – no front. Irgendwann kommen wir am geplanten Campingplatz an, der Naturcamping im Namen trägt. Und sind froh, dass wir bereits eine Alternative für Morgen geplant haben. Mit Natur hat das Camping hier wenig zu tun. Kaum Büsche oder Bäume, dafür staubiger Schotter überall. Dichtgedrängte Weißware und zu allem Überfluss wird uns Stellplatz 1 direkt neben der Einfahrt und dem Spielplatz gegeben. Natürlich haben wir auf Stellplatz 2 neben uns auch noch eine bis sehr spät (und morgen ab sehr früh) dauerpalavernde laute Familie als Nachbar:innen. Einziger Lichtblick: Die Sanitäranlagen sind funkelnagelneu und top sauber, die Aufenthaltsräume sind ein Kracher. Das Restaurant hat heute und morgen aber zu. Wir hatten vorgebucht und eigentlich ist hier „gebucht ist gebucht“; ob wir eher abreisen und das Geld wiederbekommen, kann erst morgen geklärt werden. Wundert uns ein bisschen, der Campingplatz ist rappelvoll, die vermieten sogar die Parkplätze für die Wohnklos, die da mit weniger als 2m Abstand nebeneinander stehen für 45€/Nacht!! Sounds like Geldmache.

Wir sind etwas angefressen und gehen erst einmal in einer Pizzeria in der Nähe essen. Spätestens jetzt sind wir fest entschieden, am nächsten Tag weiter zu fahren, egal ob wir doppelt zahlen oder nicht. Der Campingplatz auf dem Christian mit Familie ist kann nur schöner sein und ein bisschen Zeit mit netten Menschen zu verbringen erscheint deutlich charmanter als das alles hier.
Zu essen gibt es überschaubare Portionen, für Katrin leider nur Salat. Stimmungsmäßig kein Upper. Den bringt der abendliche Spaziergang den Berg hoch. Ein paar Kälber auf einer eigenen Wiese machen Quatsch den wir beobachten. Ziemlich erschöpft vom Tag krabbeln wir zeitig ins Bett und kuscheln uns tief in unsere Schlafsäcke. Die Nacht wird ordentlich kalt. Irgendwann drückt leider die Blase bei uns beiden, jede Diskussion mit uns selbst ist zwecklos: wir müssen raus. Und werden mit einem unglaublichen Sternenhimmel belohnt.
Tag 5:
Von Naturcamping Lärchwiese, Südtirol Italien nach Camping Poglitsch, Faak am See, Österreich
Roadtime: 5 Stunden
Km: 236
Pausen: 1 x Pipi mit tanken, 2 x Pipi, 1 x tanken, 1 x einkaufen
Liter: 11 (Literpreis 1,979 €/Super) + 13,6 (2,028 €/L 100 Oktan)
Reparaturen: ./.
Temperatur: 23 Grad bis 27 Grad
Der Campingplatzrummel weckt uns früh. Matthias versucht nochmal sein Glück bzgl der Stornierung der zweiten Nacht und überzeugt mit einer Pannengeschichte: wir bekommen eine Gutschrift 🥳.
Wir machen uns zügig vom Acker und scheppern über italienische Landstraßen. Zwar stehen wir zweimal im Stau, jedes Mal jedoch unter fünfzehn Minuten. Um uns herum entfaltet sich wunderschönes Alpenpanorama, vor uns zirkelt eine kurvenreiche und bebaumte Straße durch das Pustertal am nördlichen Teil der Dolomiten entlang. Links von uns liegen Hohe Tauern und der Großglockner, rechts die Drei-Zinnen-Dolomiten. Die Berge um uns herum gehören zu den südlichen Kalkalpen, gemeinsam mit den nördlichen Kalkalpen zwei round about 600 Kilometer lange Gebirgszüge, die die Zentralalpen begleiten. Während diese primär aus Kristallingestein (sowas wie Granit, Gneis oder Schiefer) bestehen, bestehen die Kalkalpen aus – wer errät es? – porösem Kalk durchmischt mit Dolomit, Mergel und Kalksandstein. Erkennen kann man die Kalkalpen vor allem am deutlich helleren Farbton. Bedeutung haben sie vor allem als Trinkwasserquellgebiete.

Eher unspektakulär überqueren wir die Grenze nach Österreich, zu schnell sind wir für ein Foto von einem Schild in einem der Grenzhäuschen. Auf diesem steht: „Eine Linie ist keine Grenze“. Ob damit echte Kritik an terrotorialem Verhalten geäußert wird oder hier nicht vielleicht doch eher auf kulturelle Grenzen in Bezug auf Südtirol angespielt wird, wissen wir natürlich nicht. Historisch und kulturell eher dem deutschsprachigen Raum (zB dem Habsburger-Reich und Österreich-Ungarn zugehörig), fiel die inzwischen reichste Region der EU 1918 durch Besetzung und 1920 auch völkerrechtlich offiziell an Italien. Seitdem gibt es verschiedenste Bestrebungen Südtirols, nicht zu Italien zu gehören. Ein Ergebnis ist, dass seit 1972 umfassende Autonomie- und Selbstverwaltungsrechte eingeräumt wurden.
Irgendwie sind wir im Gedanken-Flow und verpassen dadurch unsere Abzweigung nach rechts. Die Alternativroute ist aber nur unwesentlich länger und führt uns direkt durch den Ort Villach. Uns kommt das sehr gelegen. In einer Stadt mit fast 67.000 Einwohner:innen sollte ein Supermarkt zu finden sein, wo wir uns mit Vorräten fur das spätere Grillen eindecken können.
Der Campingplatz ist wirklich rappelvoll. Christian hat zum Glück mit ein paar Dauercampern geklärt, dass wir uns hinter deren Wohnwagen stellen können. Zwar ist der Platz wirklich hanglagig, mit unseren Unterfahrkeilen kriegen wir das Auto aber ansatzweise gerade. So laufen wir nicht Gefahr, nachts übereinander zu rutschen.

Christian und Familie freuen sich sehr über unseren Besuch. Auch wir haben richtig Lust auf einen schönen, gemeinsamen Abend. Schnell ist uns klar, ein Kaffee auf dem Weg wäre zu kurz und zu wenig gewesen. Gemeinsam grillen, Christians und Marjas drei Jungs sind kurz mit am Tisch, anschließend ruft der Bolzplatz.
Während wir so gemütlich beisammen sitzen, eröffnet uns Christian ein Feature des Campingplatzes, der wirklich besonders ist: Neben der Einfahrt ist ein kleiner See, eher ein Teich. War uns beim Ankommen aufgefallen, ziemlich viele Leite plantschten darin herum. Sah nicht sonderlich attraktiv aus. Die gegenüberliegende Seite des Teiches ist mit dichtem Schilf bestanden. Dahinter liegt das, was liebevoll auch als die Kärntner Everglades bezeichnet wird: ein naturbelassenes und geschütztes Feuchtgebiet. Durch dieses schlängelt sich eine etwas mehr als einen Kilometer lange natürliche Wasserstraße, um die Fauna zu schonen ist das befahren ausschließlich mit lautlosen Wasserfahrzeugen wie Kanus oder SUPs erlaubt. Der Campingplatz liegt unmittelbar am Startpunkt dieser Wasserstraße und verleiht – jetzt kommt der Kracher – Blechkanadier ohne Anmeldung für lau. Die Teile liegen einfach am Ufer, die Stechpaddel ebenfalls und wenn eines frei ist, dann nimmt man sich das. Marja war bereits mit den Jungs auf dem Wasser und schwärmt uns davon vor. Katrin ist nicht so für Wassersport zu haben, mag aber Boot fahren, Matthias hat richtig Bock und gemeinsam mit Christian bekommt Katrin das Angebot, gepaddelt zu werden. Der Preis: sie dokumentiert die Fahrt. Nichts leichter als das!

Wir laufen zum Ufer und sehen, dass auf dem Parkplatz des Campingplatzes gerade eine Trachtenkapelle aufbaut. Das hält uns ganz sicher nicht davon ab, einen Kanadier auszusuchen, Paddellängen zu checken und abzulegen. Das Wasser ist angenehm warm und unglaublich klar. Schnell verschluckt uns das Schilf, in unzähligen Kehren geht es mal mehr und mal weniger eng Richtung Faaker See. Christian macht den Kapitän im Heck, er lenkt das Boot und sagt Matthias, der im Bug den Motor macht, an, was er paddeln soll. Relativ schnell finden wir einen gemeinsamen Rhythmus und titschen nur ein oder zweimal ans Schilf. Über uns versinkt die Sonne und taucht den Faaker Hausberg Mittagskogel in goldenes Licht, rosa-blau schimmernde Wolken rahmen das Ganze herrlich ein.

Auf einmal öffnet sich vor uns das Schilf und wir paddeln auf den spiegelglatten Faaker See hinaus. Das Abendrot zaubert eine ganz besondere Stimmung und wir sind alle drei ein bisschen hin und weg. Wir richten unser Boot so aus, dass wir den Mittagskogel und die julischen Alpen im Blick haben und lassen uns ein bisschen treiben. Ein wirklich wunderschöner Moment, den wir drei da teilen dürfen.

Irgendwann zieht es uns dann doch zurück. Wir paddeln durch das Schilfmäander wieder zum Ausgangspunkt. Schon als wir treibenderweise den Blick auf die Berge genossen haben, hörten wir aus weiter Entfernung Musik. Umso näher wir dem Campingplatz kommen, umso lauter wird sie. Die Trachtenkapelle Finkenstein am Faaker See gibt ihr Bestes. Sie feiert dieses Jahr 70-jähriges Bestehen und der Bürgermeister aka Betreiber des Campingplatzes hatte sie zu einem kleinen, kostenfreien Konzert eingeladen. Marja sitzt bereits auf einer Wiese und hört sich das Ganze an, wir gesellen uns dazu und nehmen diese Portion Lokalkolorit mit. Ordentliche Blasmusik, eine böhmische Polka und ein Medley mit Interprationen „moderner“ Lieder aus den 80ern bieten Kurzweil und Unterhaltung. Wir bekommen leider nur die letzten fünfzehn oder zwanzig Minuten mit.
Zurück am Platz beobachten wir noch Fledermäuse die zwischen den Zelten und Wohnwagen langflitzen, genehmigen uns noch ein Getränk bis es uns auch ins Bett zieht.

Tag 6:
Camping Poglitsch, Faak am See, Österreich über Kamp Klin, Soča nach Camp Koritnica, Grahovo ob Bači, Slowenien
Zeit: 4,5 Stunden
Km: 156
Pausen: 2 x Pipi, 1 x tanken, 1 x einkaufen, 2 x Campsuche
Liter: 16,44 (Literpreis 2,016 €/100 Oktan)
Reparaturen: ./.
Temperatur: 22 Grad bis 27 Grad, ab Gewitter nur noch 16 Grad, danach wieder 22 Grad
Heute soll es ein kurzer Tag werden. Entsprechend entspannt starten wir, frühstücken mit Christian, Marja und den Jungs und machen uns nach diesem ganz wundervollen Zwischenstop auf die geplant nur 80 Kilometer lange Etappe. Aus irgendeinem Grund führt uns die freundliche und ortskundige Dame im Radio kurz durch Italien bis wir in Slowenien direkt in den Triglav Nationalpark einfahren. Wir legen noch einmal einen Zwischenstop ein, um ein paar Vorräte aufzufüllen und um Cockta und Trüffelchips zu bunkern. Doch Skandal: es gibt keine Trüffelchips. Es gibt eigentlich gar nichts mit Trüffel. Während 2020 gefühlt jedes Produkt mit Trüffelzusatz erhältlich war, herrscht jetzt gähnende Leere. Ein bisschen sind wir enttäuscht und überkompensieren mit mehreren Litern Cockta. Das auf Hagebutten basierende Getränkt hat etwas von einer Kräutercola, beinhaltet jedoch kein Koffein. Zusätzlich bunkern wir noch diverse alkoholfreie Radler und andere wilde Mixgetränke mit zB Mango oder Orange-Minze zum durchtesten – eine liebgewonnene Urlaubstradition, gegründet 2020 mit unseren Freund:innen Philipp & Joanne in Slowenien und seitdem bei allen Auslandsreisen durchgezogen. Das hat uns bereits einige sehr gute Softdrinks beschert (die beiden oben erwähnten gehören definitiv dazu), wir haben aber auch einige besondere Erfahrungen wie Gurke-Limette-Radler oder Kirsch-Apfel-Limo machen dürfen.

Anschließend ist es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem Ziel Kamp Klin. Matthias war dort 2023, Christian hatte den Platz empfohlen. Bereits der Weg dorthin ist schwierig. Die 2-3 Kilometer lange Zufahrt entlang der Soča ist rappelvoll mit Autos und Menschen. Uns schwant übles und wir werden an der Campingplatzschranke enttäuscht. Ein Schild mit „Booked out“ macht unmißverständlich klar, dass der Platz voll ist. Matthias fragt trotzdem nach und bekommt die verdient passende genervte Antwort.

Wir checken kurz die Umgebung und steuern einen Campingplatz in der Gegend an, ohne Glück. Nervigerweise hat es auch noch angefangen wie aus Eimern zu schütten und zu gewittern. Die Zahl der orientierungslos herumirrenden Wohnmobile sagt uns ganz deutlich: Wir werden keinen schönen Campingplatz hier in der Gegend finden. Die werden alle voll sein. Außerdem erscheint es uns wirklich unattraktiv in diesem Unwetter mit Blitz und Donner und sintflutartigen Regenfällen unser Zelt aufzubauen.Unsere einzige Chance ist es also, etwas weiter zu fahren, idealerweise auf der Strecke der nächsten Etappe. Irgendwohin, wo das Unwetter vielleicht nicht festhängt wie im Soča-Tal und wo nicht jeder Reiseführer Hinweise zu hat.
Wir finden einen Platz der gut aussieht, rufen dort sicherheitshalber an und bekommen die freundliche Einladung, einfach vorbei zu kommen. Einziges Manko: wir machen jetzt nochmal 1,5-2 Stunden Strecke. Im Unwetter. Froh sind wir, dass die Scheibenwischer nochmal gefettet und repariert wurden, die hatten uns in Schweden ja jeden Nerv geraubt, jetzt wischen sie beide wieder lautlos. Oder so lautlos, wie Volvo sich das 1972 gedacht hat. Der Regen tromelt gegen Dach und Windschutzscheibe und wir überlegen, ob wir auf wärmere Klamotten wechseln müssen. Die Temperatur liegt nur noch bei ~16 Grad.

Doch irgendwann blinzelt die Sonne durch das Dunkelgrau des Unwetters und fast stehenden Fußes klettert das Thermometer. Die Zeit fliegt und unter unseren Reifen rauscht der slowenische Asphalt dahin. Mal neu aufgelegt, mal rissig und wellig. Wir fahren durch kleine Dörfer, ab und an rücken die Felsen so nah an die Fahrbahn, dass zwischen den Gegenverkehr und uns nur ein Haar passen würde – in solchen Fällen bleiben wir lieber stehen und warten darauf, wieder freie Bahn zu haben.

Bald erreichen wir unser Ziel, der Campingplatz liegt an dem kleinen Gebirgsbach Koritnica. Dieser rauscht hörbar über einige kleine Stauungen und über riesiges Felsgeröll. Wir stellen den Motor ab und in exakt diesem Moment gewinnt die Sonne über das Gewitter und lässt die überall von den Bäumen fallenden Regentropfen glitzern. Der Platz ist an einem Hang, über mehrere Terrassen verteilt liegen Nischen und Campingwiesen. Den Ort zum Campen kann man sich nach Bock selber aussuchen. Zusätzlich gibt es etliche einfache Hütten. Die Rezeption ist eine Kombination aus Sanitärhaus, kleiner Bar und Restaurant, außenliegend gibt es eine gut ausgestattete Küche mit Kühlschrank und allem, was man zum Kochen braucht. Ergänzt wird alles um so nette Kleinigkeiten wie eine Community-Box, wo man beim Abreisen übrig gebliebene Lebensmittel für andere Gäste hinterlassen kann.

Wir finden eine kleine Nische, in der wir unser Lager aufschlagen, diesmal bauen wir auch ein Tarp als Regen- und Sonnenschutz auf. Wir bleiben zwei Nächte, da loht sich die Mühe. Die Betreiber sind superfreundlich, die Umgebung sehr schön – wir sind gar nicht traurig, hier gelandet zu sein.
Zum Abschluss – und weil es noch einmal für eine Stunde regnet – gehen wir ins Restaurant, trinken eine fritz kola (!!!) und bestellen uns etwas zu essen. Ein paar Verständigungsschwierigkeiten bezüglich der Bestellung sind schnell ausgeräumt und wir werden beide satt. Die letzten kleinen Löcher im Bauch werden noch mit Snaks gefüllt und die damit hergestellte Bettschwere zieht uns auch alsbald in die Waagerechte.



