Von Duisburg über Mannheim bis nach Radolfzell am Bodensee
Tag 1 – von Duisburg bis Mannheim
Roadtime: 4,5 Stunden
Km: 331km
Pausen: 1 x Pipi, 1 x tanken, einkaufen, 1 x Kühlwasser nachfüllen, 1 x Wagenwerkstatt, 1 x Kaffee holen in Limburg
Getankt: 31l (Literpreis 2,379€/Super Plus)
Reparaturen: Massefehler direkt zum Start, Schloss Handschuhfach
Temperatur: 31 Grad bis 20 Grad (nach Regen unterwegs), dann wieder 33 Grad (Westerwald/Limburg)
Irgendwann im November sitzen wir beisammen und snacken ein bisschen. Aus heiterem Himmel haben Katrins Geschmacksknospen einen Flashback: „Ich hätte mal wieder richtig Bock auf diese Trüffelchips aus Slowenien“ wirft Katrin in den Raum. „Voll, lass im Sommer nach Slowenien fahren“, meint Matthias daraufhin.
Das ist also der Plan: wir fahren nach Slowenien und essen Trüffelchips. Bereits bei der 20 Nations 2018 waren wir in Slowenien, 2020 kurz nach Ende des ersten großen Lockdowns waren wir mit lieben Menschen erneut mit mehr Zeit dort (hiervon gibt es keine Blogartikel, wir waren mit unserem Daily dort) und 2023 hat Matthias auch ein paar Tage in dem Land verbracht. Jedesmal haben wir uns sehr willkommen gefühlt und waren von den unterschiedlichen Landschaften, den türkisfarbenen Flüssen, hohen Bergen und grünen Wäldern beeindruckt. Wir sind uns einig: 2026 Slovenia it is.

Der Plan: wir fahren in Ruhe durch die Gegend, nehmen uns Zeit vor Ort und fahren nicht zwingend jeden Tag weiter. ABER: Was noch fehlt, ist ein Thema. Trüffelchips sind zwar ein guter Aufhänger, zwei Wochen über Trüffelchips zu reden könnte aber einige Längen produzieren. Deswegen kommen jetzt die geneigten Leser:innen zum Zuge.
Unsere Frage: was soll das Thema dieser Tour sein? Slowenien bietet einige Möglichkeiten an, Natur, Geologie, Architektur…aber vielleicht fällt Euch ja noch etwas besonderes ein? Schreibt es uns hier als Kommentar oder bei einem der anderen SocialMedia-Kanäle.
Seit der Schweden-Tour hat unser Volvo noch einmal einen kleinen Werkstatt-Besuch hingelegt, die Heckklappendichtung hat nicht wirklich gehalten. Jetzt ist eine neue drin, damit ist jetzt hoffentlich Dichtigkeit hergestellt. Kurz wechselt Matthias das Thermostatventil noch von einem Winterventil mit 91 Grad Öffnungstemperatur auf ein Sommerteil mit 81 Grad. Somit wird der Kühler deutlich früher durchströmt und der Motor sollte nicht allzu heiß werden. Was Matthias in dem Moment vergisst, ist das dabei übergeschwappte Kühlwasser nachzufüllen – einem kurzen ablenkendem Schnack mit dem Nachbarn sei Dank.
Es ist Donnerstag, unser erster Urlaubstag. Wir stehen früh auf, frühstücken, tragen das vorbereitete Gepäck runter, packen die letzten Sachen ein und verladen alles im Kofferraum. Eine Erfrischungsdusche später sitzen wir im Auto und starten den Motor. Wollen starten. Denn der Motor würgt ein bisschen vor sich hin, zündet aber nicht. Dann gibt der Anlasser noch ein paar Klackergeräusche von sich, anschließend tote Hose, noch nicht einmal die Kontrolllämpchen glühen. Mit dem externen Starterpack springt der Motor dann jedoch sofort an, viel unverbrannter Sprit nebelt die Straße ein. Eine Wackelprüfung zeigt einen Massefehler, der Batterietrennschalter hatte sich losgerüttelt. Kein Weltuntergang also und wir parken aus. Kurzer Zwischenstop um beim Supermarkt noch Wasser zu bunkern, dann sollte es losgehen. Perfekter Moment für das Handschuhfachschloss den Geist aufzugeben. Reparieren lässt es sich nicht und wird so nach kurzer Überlegung einfach durch einen kurzen Spanngurt ersetzt. Das war es dann hoffentlich jetzt mit Pannen. Auf der Autobahn angekommen fällt Matthias jedoch noch das verlustig gegangene Kühlwasser ein, die nächste Tanke – immer noch in Duisburg – ist also unsere. Gut ein halber Liter geht rein und wir sind wieder auf dem glühenden Asphalt.

Es ist bullenheiß. Die Sonne ballert. Wir spulen Kilometer Richtung Süden bis es irgendwann anfängt zu zuziehen, Vor uns türmen sich Gewitterwolken, ihre Ausläufer sprenkeln den Staub auf der Motorhaube mit dunklen Wasserflecken.
Zum Glück trifft uns das Unwetter nicht, es hinterlässt uns nur eine überflutete Autobahn. Kurz sind alle gezwungen, in den Bootsmodus zu schalten, einige reagieren mit hektischen Fahrmanövern – mitunter nicht das Klügste in der Situation. Jedoch kommen alle um uns herum soweit wir das beurteilen können heil aus der Situation und ab jetzt wartet wieder glatter deutscher Asphalt mit strahlendem Sonnenschein auf uns.

Bei Köln verlassen wir die A3 kurz, wir tanken und bezahlen noch eine offene Rechnung bei der Wagenwerkstatt. Weiter geht es auf der A3, irgendwo im Auf- und Ab zwischen Taunus und Westerwald überholt uns der Kaffeedurst. Wir haben gar keinen Bock auf Autobahn-Kaffee, Limburg ist der nächste Ort. Also fahren wir ab und kontrollieren, ob es dort mehr als einen ICE-Bahnhof gibt. Immerhin gibt es hier archäologische Siedlungsfunde die auf ca. 5000 vor Christus datieren, 500 vor Christus siedelten Kelten auf dem heutigen Domplatz und Julius Caesar ließ hier ein großes Heerlager errichten. Ab 760 nach Christus ist Limburg dauerhaft befestigt und stetig ausgebaut. Wir vermuten also, dass es guten Kaffee geben könnte.
Uns empfängt ein wunderschönes kleines Örtchen mit viel historischen Häusern. Beim Durchfahren packt uns die Neugierde und weil jetzt keine Zeit ist, kommt Limburg auf unsere To-Visit-Liste. Grade findet irgendein Stadtfest statt, alle Parkplätze sind voll. In einer Ladezone halten wir kurz, Katrin läuft in die Fussgängerzone und holt bei der erstbesten Gelegenheit Kaffee. Zu unserem Glück ist das ein Feinkost-Italiener. Mit hervorragendem Koffeinschub in Pappbechern durchqueren wir Limburg und klemmen uns wieder auf die A3.

Ab hier spulen wir im Schweiße unseres Angesichts Kilometer um Kilometer bis wir vor Frankfurt Richtung Mannheim abbiegen. Dort wohnt Matthias Schwester mit Familie und wir haben einen Zwischenstop eingeplant. Wie oben geschrieben: wir haben diesmal keinen Bock auf lange Etappen.
Der Abend endet mit aufgeregten Nichten und Neffen, einem ausgedehntem Spaziergang, ein bisschen Herzenswärme und mit Quinoa-Bowls.
Tag 2: von Mannheim nach Radolfzell am Bodensee
Roadtime: 4 Stunden
Km: 263
Pausen: 3x Pipi, 1x tanken
Getankt: 25,7l (Literpreis 2,289€/Super Plus)
Reparaturen: /
Temperatur: 25 Grad bis 30 Grad
In Mannheim sind noch keine Sommerferien, die Kiddies dürfen also noch zur Schule gehen. Entsprechend früh startet deren Tag und weil wir uns noch verabschieden wollen, auch unserer. Wir genießen noch ein entspanntes Frühstück, packen dann unsere sieben Sachen ins Auto, tanken randvoll und machen uns auf den Weg.

Es ist relativ bedeckt, dadurch heizt sich das Auto trotz hoher Außentemperatur nicht so sehr auf wie gestern.
Wir fahren nicht auf dem direkten Weg Richtung Slowenien, bei Stuttgart biegen wir Richtung Südwesten ab. Nicht zufällig, wir nutzen den Moment, dass wir tendenziell Richtung Süden fahren um eine Freundin mit Familie von Katrin zu besuchen. Steffi kennt Katrin noch aus der Schule, inzwischen lebt sie bei Radolfzell am Bodensee. Also da, wo andere Urlaub machen. Und, auch wenn das manchmal nicht so aussieht, unsere Roadtrips sind ja unser Urlaub. Und da das südwestlichste Eck Deutschlands ja quasi fast auf unserer Route liegt, bietet sich hier ein Zwischenstop an. Und damit sich der Umweg auch lohnt, werden wir zwei Nächte bleiben.

Wir kommen am Nachmittag an, Steffi hat Pokebowls-Bausätze (also einen „befüll Dir Deine Bowl selbst“-Bausatz) vorbereitet. Anschließend chillen wir erst auf dem Balkon, später neben dem Pool.
Gegen Abend machen wir uns noch einmal frisch und fahren mit Steffi und der jüngeren Tochter nach Radolfzell. Wir gucken uns den wirklich süßen Ort an, erledigen ein paar offen gebliebene Besorgungen und kehren schließlich bei einem vietnamesischem Restaurant ein. Den vollen Bauch schließen wir noch mit einem Eis auf die Hand ab und spazieren am Seeufer entlang. Auf ein paar großen Steinen genießen wir den Sonnenuntergang, werfen noch ein paar Steinchen in den spiegelglatten See und lassen den Abend dann zurück bei Steffi auf dem Balkon ausklingen. Eine Dusche wäscht die Kleberei des heißen Tages ab und die kühle Nachtluft streichelt uns in den Schlaf.

Tag 3 – vor Ort
Irgendwann kitzelt uns die Sonne durch die Vorhänge und Rollos wach. In der Küche hören wir bereits Leben, heute morgen ist auch Robbie, Steffis Mann zurück gekommen. Eine paar Hände kaltes Wasser waschen den Schlaf aus den Augen. Nach einem entspannten Frühstück klappt Robbie Sitz 6 und 7 im Familien-Touran auf und wir fahren mit beiden Töchtern nach Gaienhofen. Nächstes Wochenende führt der Schulchor gemeinsam mit der Kantorei und den lokalen Philharmonikern Carmina Burana auf, heute ist Generalprobe. Wir sneaken uns durch eine Seitentür auf die Empore der Turnhalle und kaum sitzen wir auf den Treppenstufen ballert uns ein kräftiges „Oh Fortuna“ entgegen. Ein riesiger Chor mit Orchester probt zweieinhalb Stunden intensiv.

Genauso wie wir uns reingesneakt haben sneaken wir uns auf der Hälfte wieder raus um im Ort nach einer Eisdiele Ausschau zu halten. Wir finden eine, sie wartet mit der unfreundlichsten Bedienung der Welt, komplett fehlenden Deutsch-Kenntnissen und schlechtem Eis auf. Immerhin schützt uns ihr Terrassendach vor einem heftigen Regenguss. Als dieser durch ist, ist auch die Probe durch. Wir bekommen noch eine kurze Führung über den Campus der Schloss Gaienhofen Schule. Die Gemeinschaftsschule beherbergt sowohl Gymnasium als auch Realschule in gemeinsamen Klassenverbünden. Von 1946 bis 2013 wurde die Schule als Internat betrieben, jetzt ist sie eine reguläre Ganztagsschule in kirchlicher Trägerschaft. Bereits 1900 wurde hier ein Schulbetrieb gegründet, im deutschen Landerziehungsheim für Mädchen sollte mittels einer vielseitigen und fundierten Ausbildung jungen Frauen Selbstständigkeit und Voraussetzungen für Berufsausbildungen vermittelt werden. Mittlerweile ist die Schule ein moderner Schulstandort mit tollem Campus und phänomenalen Blick auf den See. Langsam melden sich unsere Bäuche, gemeinsam mit unserer Gastfamilie fahren wir deswegen zum Campingplatz Horn. Dieser hat ein Freibad mit Restaurant und wunderschönem Blick auf den Bodensee, die Insel Reichenau und Konstanz in der Ferne. Bei Pizza und Salat genießen wir die vom See hereinziehende Kühle und den Blick in die Weite. Als sich die nächsten dicken Tropfen ankündigen, machen wir uns auf den Weg zurück und hängen den Tag auf dem Balkon mit Snacks und Drinks aus.

