Episode 7

Tag 16:

Campingplatz Šenkova domačija, Zgornje Jezersko, Slowenien nach Camping Waldsee, Roth-Wallesau, Deutschland über Österreich 

Roadtime: 9,5 Stunden

Km:  668

Pausen: 2 x tanken, 2 x einkaufen, 3 x Pipi

Liter: 16,24 (Literpreis 2,019 €/98 Oktan) + 19,97 (2,038 €/98 Oktan) 

Reparaturen: ./.

Temperatur: 33 Grad bis 39 Grad (30 Grad im Tunnel)

Heute soll (und wird) der heißeste Tag unserer Reise werden. Und eine der längsten Etappen. Manchmal kommen Dinge zusammen, die will man nicht zusammen haben. Aber Wetter lässt sich nicht planen. Haben wir bereits die letzten Tage im Auto ziemlich geschwitzt und sind an unsere Grenzen gekommen, heute wird noch einmal eine ganz besondere Herausforderung. Deswegen haben wir uns dafür entschieden, heute ziemlich früh aufzustehen, ohne großen Aufriss einzupacken und möglichst viel Strecke zu machen, bevor die Hitze zu krass wird.

Wir frühstücken noch, packen dann alles ein, was wir gestern nicht bereits im Auto verzurrt hatten und fahren los. Erstmal in die falsche Richtung. Ein paar Kilometer südwärts ist ein kleiner Supermarkt in dem wir noch einmal eine Großladung Cockta bunkern. Und die letzte Hoffnung auf Trüffelchips haben wir auch noch nicht aufgegeben. Aber umsonst. Wir verstauen die Cockta-Ration für die nächsten drei Wochen, Mineralwasser für die Fahrt und haken das Thema Trüffelchips endgültig ab. Kurz machen wir uns Gedanke, ob unsere Mitbringsel für Eigenbedarf (15 Kilo Salz und eine zweistellige Litermenge Cockta) an der Grenze anmeldungspflichtig seien, denken dann aber nicht weiter drüber nach und entscheiden uns für den unangemeldeten Schmuggel.

Der Campingplatz lag ja direkt am Jezerski Vrh-Pass. Dessen Passscheide auf 1.218 m.ü.NN. ist auch die Landesgrenze zu Österreich. Sowohl Auf- als auch Abstieg sind ein Träumchen: Eine jener Bergstraßen, die nicht mit Superlativen in Steigung oder Kehren protz, sondern lange Geraden in wunderbar schwungvolle Kehren führt und dabei flankiert ist von abwechslungsreicher Waldlandschaft. Hinauf geht es naturgemäß gemächlich, hinab entlang der Vellach durchaus schwungvoller.

Relativ zügig landen wir auf der Autobahn und fahren durch unglaublich viele Tunnel. Wir fangen an mitzuzählen. Durch insgesamt 34 Tunnel fahren wir an diesem Tag, 21 davon alleine auf der A9 ab dem 5.425 Meter langen Bosruck-Tunnel. Angenehm an den Tunneln: die Sonne ballert nicht ins Auto und die Temperaturen sinken kurzfristig auf frostige 30 Grad.

Wir haben über den ADAC unsere Maut für Österreich und Slowenien gebucht. Was ein richtig nettes Gimmick ist, ist die Flex-Buchung der zusätzlich mautpflichtigen Tunnel und Straßen in Österreich. Per Kennzeichenerkennung kann man über die Fastlane am Stau vorbei fahren und die Abbuchung erfolgt fast unmittelbar über die hinterlegte Kreditkarte. 

Zwischendurch kommt die Info über ein Einschreiben aus Slowenien rein – wie sich später herausstellen wird, hat Matthias irgendwo bei Postojna eine Geschwindigkeitsbegrenzung übersehen. Ärgerlich auf einer Reise, auf der wir im Schnitt deutlich langsamer als erlaubt unterwegs sind. Aber das passiert. Das Verfahren der slowenischen Verwaltung ist spannend aufgestellt. Man bekommt ein Informationsschreiben über den Verstoß und entweder Fahrer:in oder Halter:in bezahlt innerhalb von 60 Tagen 50% der Geldbuße, damit kein Verfahren eröffnet wird. Aber mit Zahlung der 50% Geldbuße verzichtet man auf das Recht sämtlicher möglicher Rechtsfolgen, alles andere erledigt sich auch und man kann das Informationsschreiben zu den Akten legen. Sollte man die 50% nicht zahlen, wird ein Verfahren eröffnet. Dann müssen 100% der Geldbuße bezahlt werden, aber dafür stehen einem alle Rechtsmittel offen. Unsere Buße beläuft sich auf 40€ (außerorts 15 km/h gemessen zu viel, zur Last gelegt werden 10 km/h). Wir werden also 20€ überweisen, sobald wir zu Hause sind.

Unser Thermometer zeigt inzwischen 39 Grad. Im Auto sind es locker 45-50 Grad. Unser Wasser, das wir im Fußraum stehen haben, hat Heißgetränk-Temperatur. Auch ansonsten ist alles im Auto inklusive uns durchgeglüht. Katrin vernebelt Wasser gefühlt literweise, um etwas Abkühlung für uns zu organisieren. Helfen tut das nur noch bedingt.

Abkühlung braucht auch unser Motor. Obwohl wir um die 90 km/h fahren, läuft der E-Lüfter durchgängig. Das bedeutet, dass am Kühler trotz Fahrtwind 90 Grad plus anliegen. Der Motor wird zwischenzeitlich seine Hitze überhaupt nicht mehr los. Um irgendwie runterzukommen, nutzen wir den letzten Tankstop vor der Grenze zu Deutschland (wir haben uns extra eine Tankstelle in einem Ort rausgesucht) für einen kurzen Einkaufsstop. Nicht, weil wir irgendetwas brauchen würden, sondern vor allem weil die Klimaanlage des Supermarktes lockt. Langsam trocknen unsere T-Shirts, dicke Salzkrusten zeugen von starkem Elektrolytverlust.

Ab Passau sind wir auf der A3 und ab hier geht es nur noch geradeaus bis Duisburg. Abgesehen von einem kurzen Abstecher für den Campingplatz der heutigen Wahl. Wir ziehen konsequent durch, Pausen machen keinen Spaß, langsam zieht der Hunger uns Richtung Campingplatz-Restaurant. Mit kaum Verspätung kommen wir am Spot für die Nacht an. Wir hatten diesen vorgebucht, um auf der Rückreise keine Experimente machen zu müssen. Wie sehr uns diese Etappe gefordert hat, zeigen Katrins Füße. Sie sind so geschwollen, dass sie erstmal nicht in ihre Sandalen kommt.

Wir werden sehr freundlich in Empfang genommen und bekommen den sehr gut gemeinten Tipp, dass wir direkt ins Restaurant gehen und nach einem Tisch fragen sollen – es könnte sonst sein, dass wir auf Grund von Ausbuchung nichts mehr bekommen. Katrin kümmert sich also um den Tisch, Matthias parkt den Volvo schnell auf der zugewiesenen Parzelle. Einzige Möglichkeit noch etwas zu essen ist sofort. Der Aufbau des Zeltes wird entsprechend zeitlich nach hinten verlagert. Die Parzelle ist riesig. Sie liegt, wie der ganze Platz, wunderbar im Wald und ist von Bäumen eingerahmt.

Es ist bedeckt, aber immer noch superwarm. Die Eiswürfel in der Zitronenlimonade schmelzen schneller, als wir sie trinken können. Am Nachbartisch hinter uns sitzen Kolleg:innen eines Betriebsratsgremiums und diskutieren intensiv die Strategie für die Verhandlungen zum Arbeitszeitkonto. Wir müssen ein wenig grinsen. Es ist, als sollten wir langsam wieder in die Nachurlaubsrealität zurück gefadet werden.

Im Bauch Schnitzel mit Pommes und Kartoffelsalat machen wir uns an den Zeltaufbau. Aus irgendeinem Grund kommt bei unserem Auto kein Strom an – wir gehen davon aus, dass die Hitze irgendetwas durchgeschmolzen hat. Abgekämpft wie wir sind, lässt uns das beide erstaunlich kalt und wir genehmigen uns erstmal ein weiteres kühles Getränk. Irgendwann stellt sich raus, dass ein ganzer Teil des Campingplatzes gerade nicht mit Strom versorgt wird. Techniker sind informiert, wir stöpseln unser Auto an, sobald der Strom wieder da ist und dann fließt er zuverlässig durch unser Landstrom-System. Nochmal Glück gehabt. 

Anschließend duschen wir uns den Schmutz und die Salzkrusten des Tages vom Körper, Abkühlung gibt es aber trotzdem nicht. Auch nach dem Sonnenuntergang liegt eine drückende und schwere Schwüle über dem Platz. Nach all dem Sitzen drehen wir noch ein Ründchen zu Fuß über den Platz mit seinen vielen Dauercampern und ihrer ganz eigenen Camping-Welt. Zerlaufen und kaputt gehen wir ins saunawarme Zelt und versuchen ein paar Stündchen Schlaf zu erwischen.

Tag 17

Camping Waldsee, Roth-Wallesau, Deutschland nach Hause, Duisburg

Roadtime: 10 Stunden

Km:  514

Pausen: 2 x tanken (mit 1 x Bäckereistop), 1 x Pipi, 1 x Zelttrocknen (ca. 2 Std.), 1 x Kanistertanken & Pipi, 1 x Essen gehen (ca. 1,5 Std.)

Liter: 31,7 (Literpreis 2,289 €/100 Oktan) + 19 (Reservekanister) + 21,57 (Literpreis 2,329 €/Super Plus)

Reparaturen: ./.

Temperatur: 21 Grad bis 31 Grad

Was für eine Nacht! Durchschlafen ist nicht. Kaum liegen wir im Zelt, grollt es in der Ferne. Immer wieder zucken Lichter über den Himmel. Letztendlich ist das Gewitter sehr nah. Schwer prasselt der Regen auf das Zelt. Wir machen uns Gedanken über die Blitzgefahr, mitten im Wald, umgeben von läuter hohen Bäumen, auf dem Dach eines Autos. Wir zählen die Sekunden zwischen Blitz und Donnergrollen, merken aber schnell, dass sich das Gewitter entfernt. Und wieder näher kommt. Und sich wieder entfernt. Katrin nutzt den kurzen Wechselmoment des Regens und bringt die Getränke des Abends nochmal um die Ecke. Danach ist klar: Wir brauchen nach diesem Tag einfach etwas Schlaf, also lassen wir das Gewitter irgendwann einfach Gewitter sein und hören auf zu zählen. Der starke Regen wird jedenfalls vor dem frühen Morgen nicht mehr aufhören. Ein Gutes hat es: Es kühlt endlich ab.

Dafür sind wir gezwungen, am nächsten Morgen ein klitschnasses Zelt einzupacken. Zusätzlich hat der Regen haufenweise Nadeln von den Kiefern auf unser Zelt gewaschen. Und die lassen sich eigentlich nur von einem trockenem Zelt gut wieder entfernen. Wir geben unser Bestes mit mäßigem Erfolg und packen dann doch entnervt das Zelt mit dem halben Wald darauf ein. Wir brauchen einen Plan, aber zu allererst einen Kaffee. Eigentlich wollen wir diesen beim direkten Tankstop im Ort holen. Hinter der Tanke liegt aber eine große, regionale Bäckerei mit einem tollen und vielfältigen Angebot – das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Es gibt köstliche vegane und vegetarische Teilchen, ein Fakt, der nicht zu unserer Schublade für’s fränkische Hinterland passt. Der Kurs inklusive leckerstem Kaffee für Alles zusammen ist überraschend niedrig, das gleicht den sportlichen deutschen Spritpreis wenigstens ein wenig aus. 

Gut gestärkt klemmen wir uns wieder auf die A3. Es nieselt bis Nürnberg. Eigentlich wollen wir auf der Hälfte der Strecke einen Zwischenstop einlegen und das Zelt noch einmal aufklappen, damit es trocknen kann. Zwischen Nürnberg und Würzburg kommt die Sonne raus, es wird direkt merklich wärmer, trotzdem bleibt es primär bedeckt. Es weht ein leichter Wind. Ganz gut, um das Zelt zu trocknen. Bei Würzburg finden wir einen Pendlerparkplatz neben der Autobahn, auf diesem machen wir gute zwei Stunden Trocknungspause. Wir sind uns nicht sicher, wie sich das Wetter entwickeln wird und wollen deswegen diese akut trockene Phase unbedingt nutzen. 

Auch im weiteren Verlauf der A3 bleibt es bedeckt und unter 30 Grad. Nach gestern kommt uns das fast wie eine Polarexpedition vor. Ab Frankfurt überlegt die Sonne sich dann doch noch eine Etappe Vollgas zu geben. Neigten wir kurz vorher noch zum Frösteln, sind wir jetzt wieder auf Kurs Bratschlauch. Ob es am inzwischen sehr dichten und stressigen Verkehr oder nur an unübersichtlicher Ausschilderung liegt, können wir hinterher nicht mehr sagen, aber kurz hinter dem Flughafen Frankfurt verpassen wir in einer Baustelle die verrückte Streckenführung, um auf der A3 zu bleiben und sind plötzlich auf der A67. Die würde uns nach Mannheim führen, da hatten wir ja auf der Hinreise bereits einen Zwischenstop bei Matthias Schwester eingelegt. Allerdings ständen wir dort jetzt vor verschlossenen Türen – Lena und Familie sind bereits in ihrer ersten Ferienstation angekommen. Also bleibt uns nur der drive of shame aller Menschen, die ihre Ausfahrt verpasst haben: Wir fahren 4,5 Kilometer bis zur nächsten Abfahrt, um dort zu wenden und wieder zurück zur A3 zu kommen. Es ist einfach unglaublich voll. Es ist Samstag, ganz Deutschland hat aktuell Ferien und die Hälfte davon scheint auf der Autobahn zu sein. Trotzdem bleibt die Fahrt vollkommen ereignislos – zum Glück.

In Duisburg gehen wir noch in Ruhe essen. Bei einem kleinen Thai-Restaurant in der Duisburger Altstadt (lol) lassen wir den Urlaub Revue passieren, gehen unsere Highlights durch, was wir für Lehren für die nächsten Trips ziehen (Orte, wo wenig Menschen sind! Weniger Hitze! Mehr an einem Ort sein!) und freuen uns noch ein wenig wegen des schönen Urlaubs. Dann geht es nach Hause. Da wartet Auto ausräumen und entpacken auf uns. Vor allem aber wartet lieber Besuch: Matthias Schwester ist mit den Nichten und Neffen bereits am Morgen in Duisburg eingetroffen. 

Alle packen mit an und so geht es schneller als gedacht. Die Campingsachen werden wir allerdings noch nicht weit wegstellen: Matthias wird nächstes Wochenende mit dem Neffen noch einen Campingtrip in die Eifel machen. Campingnachlese sozusagen. 

Zu Hause wartet noch eine kleine Überraschung:

Keine original slowenischen Trüffel-Chips, aber besser als nichts…

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