Tag 14:
Medic 206, Kamnica, Slowenien nach Campingplatz Šenkova domačija, Zgornje Jezersko, Slowenien (Mi, 29.07.26)
Roadtime: 07:30 h
Km: 202
Pausen: 2 x tanken, 1 x Maribor (ca 1 Std), 1 x einkaufen, 1 x Campinplatzsuchstop mit Getränk (weil voll)
Liter: 15.65 (Literpreis 1,961 €/100 Oktan) + 7,77l (1,961€/100 Oktan) + 19 L Reservekanister (1,961€/100 Oktan)
Reparaturen: ./.
Temperatur: 33 Grad bis 40 Grad (immer am Autothermometer gemessen), unterwegs in der Kokra-Schlucht sind es dann plötzlich kühle 27, am Camp wieder 33 Grad
Wir stehen früh auf, um in dieser Oase des Friedens noch ganz in Ruhe zu frühstücken und anschließend unsere Sachen zusammen zu packen. Heiko fährt uns mit unserem Kram wieder den Berg im alten Pajero hoch. Wir quatschen zum Abschied noch etwas, verzurren dann alles Gepäck auf der Ladefläche vom 145 und tingeln dann Richtung Maribor. Wenn wir schon hier sind, dann wollen wir der zweitgrößten Stadt des Landes auch einen Besuch abstatten.

Von Anfang des 13. Jahrhunderts bis Ende 1918 hieß die Stadt Marburg, ein dezenter Hinweis auf die jahrhundertelange Einflußnahme deutschsprachiger Herrschaftsräume. Der Name Maribor wurde während des Aufkommens eines slowenischen Nationalbewusstseins in den 1830er Jahren vom Dichter Stanko Vraz geschaffen. Der Kunstname setzt sich zusammen unter der Verwendung der Wortstämme „marati“ (mögen, gern haben) und „boriti se“ (sich wehren, anstrengen/ kämpfen) und fand seine Verbreitung gut 30 Jahre später durch das Gedicht „Mar i bor“ des politischen Dichters und Juristen Lovro Toman, Mitgründer des noch heute existierendem Verein zur Förderung der slowenischen Kultur und Wissenschaft. Dieser Verein unterhält den ebenfalls noch existierenden zweitältesten Verlag Sloweniens.

Die Stadt selber ist nett, zieht uns aber nicht in ihren Bann. Die Außenbezirke, stabile, sozialistische Plattenbau-Orgien, hatten wir bei der Anreise aus dem Auto bereits in Augenschein genommen. Die an der Drava gelegene Altstadt ist ein Mix aus Barock, Klassizismus und Gründerzeit, gesprenkelt mit mittelalterlicher Bausubstanz. Nett, aber irgendwie nicht hinreißend. Es kann aber auch an der Sonne liegen. Während wir zur Mittagszeit durch die Stadt gehen, bemüht sie sich, das Thermometer Richtung 40 Grad zu orientieren. Wir gönnen uns ein hervorragendes Eis (noch ein Tipp von Heiko und Katja), danach verlassen wir die Stadt.

Auch heute gibt es für uns wieder Autobahn. Hier gewinnt die Sonne: Das Thermometer knackt die 40 Grad. Wir haben alles auf, was verkehrstechnisch erlaubt ist. Katrin lässt unsere Wasservernebler laufend kühlenden Nebel auf uns sprühen. Es ist trotzdem abartig heiß im Auto. Obwohl unsere Klamotten morgens frisch waren, zieren sie jetzt Salzkrusten.
Nach einem kurzen Einkaufsstop fahren wir in die Soteska Predaselj, eine entlang des Kamnik Bistrica (ein streckenweise ziemlich trocken aussehender Gebirgsbach) verlaufende Schlucht.

Sie ist eine Sackgasse, an deren Ende der ausgesuchte Campingplatz für die nächsten zwei Nächte liegt. Er ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen ins Gebirge oder – mit kurzer Seilbahnfahrt – über die Hochebene. Außerdem soll das Restaurant tolle, hausgemachte Gerichte anbieten. Es ist einer dieser Campingplätze, die keine Vorab-Buchung annehmen. Bereits als wir auf den kleinen Parkplatz vor der Rezeption fahren, ist uns klar, dass wir hier wahrscheinlich kein Glück haben werden. Der im Hang liegende Platz ist rappelvoll. Die Fahrzeuge stehen teils nur in halber Türbreite zueinander. Wir sprechen mit der Betreiberin. Sie bietet uns zwei Möglichkeiten an, beide in der Einfahrt zu Plätzen, wo mehrere WoMos stehen. Das bedeutet, wenn irgendwer von denen am nächsten Tag früh raus will, müssen wir das auch. Zusätzlich sind beide Möglichkeiten sehr steil. Das bekommen wir mit unseren Rampen nur mäßig ausgeglichen. Alles in allem nicht attraktiv.

Wir sind ziemlich durch und gerade nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Deswegen setzen wir uns erstmal auf die Terrasse des Restaurants, ordern Kaltgetränke und wollen eigentlich auch etwas essen. Ersteres kommt, für zweiteres fragt uns niemand nach unserer Bestellung. Als die Kaltgetränke leer sind, haben wir einen neuen Plan gefasst. Ein Tal weiter, tatsächlich auf dem Weg den wir eh nehmen wollten, unmittelbar vor der österreichischen Grenze, liegt ein Bauernhof mit Campingplatz. Telefonisch fragen wir nach Platz und haben Glück: Gerade hat jemand für zwei Nächte storniert (hier kann man vorab reservieren). Die zwei Nächte können wir haben.

Also hauen wir uns noch einmal für 1,5 Stunden ins Auto, obwohl wir nicht so richtig Bock haben. Es geht wieder über Landstraßen. Unterwegs tanken wir noch einmal günstigen 100-Oktan-Sprit und füllen diesmal auch den 20-Liter-Kanister auf. Das sind fast unsere letzten slowenischen Kilometer, ab dem Campingplatz gibt es bis Österreich keine Tanke mehr. So haben wir auf jeden Fall noch einmal das Maximum an günstigem Sprit für die Heimfahrt dabei (1,96 €/Liter zu 2,45 €/Liter in Duisburg).

Kurz vor Kranj biegen wir in das Kokra-Tal. Der Fluss hat einen tiefen Canyon in den Fels gegraben. Dicht am ebenfalls recht trockenen Fluss führt die Straße entlang. Hier kommt die Sonne nur kurz vorbei, so eng ist das Tal und zudem dicht bewaldet. Entsprechend sinkt die Temperatur schnell und merklich. Am Ende steht sogar ein 2 vorne. Die Straße ist eine von jenen, die richtig Bock machen: eine Auffahrt zu einem Pass, einem Flusslauf folgend durch Berg- und Waldlandschaft. Schöner Asphalt, leichte Kurven über Kuppen und Senken. Normalerweise schmeißt Matthias den 145 durch solche Passagen, doch heute sind wir und das Auto der Hitze geschuldet ziemlich undynamisch. Kurz bevor der eigentliche Passaufstieg mit seinen Serpentinen anfängt liegt der Bauernhof mit Campingplatz. Er sieht okay aus, unsere Reservierung per Telefon hat geklappt. Zwar stehen wir in einem relativ dicht parzellierten Streifen, die Aussicht ist jedoch phänomenal.

Außerdem laufen die Tiere des Hofes, vor allem Hühner und Enten, frei auf dem Gelände umher. Wir sind fein mit der Location und buchen zwei Nächte.

Abends machen wir uns Salat und werfen den Grill an. Mit Einbruch der Nacht zieht es uns ins Zelt. Wir sind auf knapp unter 1000 Metern Höhe, entsprechend kühlt es mit Sonnenuntergang schnell ab. Das beschert uns aber eine wirkliche angenehme Nacht. Zum Glück drückt zwischendurch die Blase: ein phänomenaler Vollmond steht in einem sternenklarem Himmel. Ein beeindruckender Anblick der zum Verweilen auf dem Weg zum Zelt zurück einlädt. Zumindest so lange, bis es anfängt zu frösteln.

Tag 15
Day Off
Wir hatten wandern für heute geplant. Gleichzeitig ist für heute wieder irgendwas in der Nähe von 40 Grad angekündigt. Wir lassen das mit dem Wandern also ausfallen.

Die Sonne treibt uns zu okayer Zeit aus dem Zelt, mit einem Kaffee in der Hand werden wir langsam wach. Und ergänzen das bereits aufgebaute Tarp mit einem weiteren, um die seitlich einstrahlende Sonne abzuschirmen. Das klappt super. Wir haben einen großzügigen Schattenbereich in dem wir in Ruhe frühstücken können.
Anschließend lassen wir den Tag an uns vorbei ziehen, lesen & schreiben ein bisschen. Irgendwann wechseln wir in den Schatten eines großen Baumes. Hier weht etwas mehr Wind. Den 145 lassen wir die offen stehen, so kann sich in dem Auto kein Hitzestau bilden. Mit 19 Litern Sprit im Kofferraum ist uns das ganz lieb.

Abends gibt es noch einmal Salat und Gegrilltes, bevor es uns früh ins Bett zieht. Morgen müssen wir früh raus und los, die erste von zwei langen Rückkehr-Etappen liegt vor uns.

