Tag 14 – Über Siauliai (Hill of thousend crosses) über Kaliningrad nach Fromborg in Polen (der 4-Länder-Tag!)

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Tageskilometer – 579

getankte Liter – 78

Zeit unterwegs – 20 Stunden

thumb_DSCN7207_1024Dass wir die letzten Tage uns und das Material geschont hatten, sollte sich jetzt auszahlen: Von unserem Schlafplatz aus ging es auf direktem Weg über die Grenze nach Litauen zum Berg der tausend Kreuze bei Siauliai. Ein nationales Heiligtum und eine Pilgerstätte der Litauer, eng verbunden mit dem tief verwurzelten katholischen Glauben und dem Streben nach Unabhängigkeit. Also ein Ort, an dem Spiritualität und Nationalbewusstsein völlig verdichtet zusammen kommen. Also ein Ort, der nicht unser ist. Das Roadbook wollte, dass wir hier ein selbstgebautes Kreuz aufstellen. Aus frisch geschnittenen Weidenästen und Gaffa schnell angefertigt, stellten wir unser Kreuz in zweiter Reihe auf, immer von der Sorge getrieben, sofort vom Blitz erschlagen zu werden. Nichts passierte. Was auch immer das heißen mag… Beim Aufstellen des Kreuzes darf man sich etwas wünschen, dies gehe dann in Erfüllung. Auch das kann ja helfen, weswegen wir uns beide etwas wünschten. Und es sei auch verraten: Beide Wünsche gingen in Erfüllung. Matthias wünschte sich, mit dem Volvo ohne Stress auf eigener Achse durch das Ziel zu fahren und Katrin wünschte sich, dass der Wunsch von Matthias in Erfüllung geht. Doppelt gemoppelt ist nämlich besser abgesichert😉

thumb_DSCN7217_1024Auf dem Rückweg zum Auto trafen wir auf einen Birbyne-Spieler, einem litauischen Blasinstrument mit Saxofon-Mundstück und Holzmittelteil und Horntröte am unteren Ende. Hört sich nett an, wenn man so Folklore-Sachen mag. Viel wichtiger aber: Wir konnten die Fotochallenge „Fiddler on the roof of your car“ erfolgreich lösen.

thumb_DSCN7312_1024Von dort ging es auf direktem Weg zur kurischen Nehrung, wieder eine Fährfart, wenn auch nur eine kurze, und über die Nehrung zur russischen Grenze bei Nida. Drei Stunden Wartezeit, Zöllner_innen, die sich alle Mühe gaben, schlechte Laune zu verbreiten, einen mit Formularen zu verwirren und überhaupt das Erlebnis „internationale Grenze“ so nervig wie möglich zu machen. Wir hatten jedoch noch Glück, bei anderen Teams dauerte alles viel länger, war noch nerviger, musste noch mehr ausgeräumt und dargestellt werden als bei uns. Also beschweren wir uns nicht, auch wenn thumb_DSCN7313_1024wir dadurch im Prinzip alle Zeit für Kaliningrad verloren haben. Was die russische Grenzarbeit übersehen hat: Wir hatten keine Versicherung für Russland. Im Internet stand, die sei an der Grenze zu kaufen. Ist sie aber nicht. Also ging es mit flauem Gefühl im Magen weiter Richtung Kaliningrad.  Mit doppelt flauem Gefühl, denn keinen Kilometer hinter der Grenze, also dort, wo der ACE nicht mehr abschleppt, fing unser hinteres rechtes Radlager an zu schleifen und zu quietschen. Kurze Abwägung: Was bisher geklappt hat, wird auch diesmal klappen. Wir fahren weiter! Mit kürzerem Ziel: Nicht mehr Hamburg, sondern wieder in die EU zu kommen, war das neue Ziel. Also eigentlich nur in den Abschleppbereich des ACE. Der Rest war egal.

thumb_DSCN7325_1024Um ca. null Uhr kamen wir in Kaliningrad an und mussten feststellen, dass anders als auf der ganzen Strecke von Murmansk nach Sankt Petersburg alle Schilder nur in kyrillisch gehalten waren. Es gab noch nicht einmal Schilder, auf denen die Straßennummern angegeben waren. Und somit waren alle unsere Karten für den Eimer und wir hatten keine Ahnung, wo wir uns in dieser Stadt befanden. Das Ganze kombiniert mit wirklich katastrophalen Straßenzuständen, Spurrillen in denen man aufsetzt, Kopfsteinpflaster aus der Zarenzeit, Straßenbahnschienen die bis zu 30cm aus dem Boden ragen, keine Markierungen oder Orientierungshilfen und einem Straßenverkehr, bei dem einen die Haare zu Berge stehen. Wir waren froh, mitten in der Nacht dort lang zu fahren, nicht auszudenken, was da tagsüber abgeht. Und wir mit kaputter Vorderachse und ohne Versicherung mitten drin. Da ging uns wirklich der Arsch auf Grundeis.

thumb_DSCN7327_1024Per Zufall landeten wir am russischen Spezialitäten-Restaurant McDonalds mit DriveIn-Parkplatz am Hauptbahnhof und stärkten uns dort erst einmal etwas. Und besprachen das weitere Vorgehen: Alle (außer Avilius) wollten nicht mehr durch Kaliningrad eiern, sondern raus aus der Stadt und dem russischem Staatsgebiet – und das alles so schnell wie möglich. Also hingen wir noch eine Nachtschicht an den bereits langen Tag an und kämpften uns aus der Stadt Richtung Polen. Diesmal navigierte Gin Tourismo, wir waren einfach durch, fertig mit den Nerven und freuten uns über stumpfes Hinterherfahren.

thumb_DSCN7328_1024Der Grenzübertritt bei Mamonbro dauert noch einmal 1,5 Stunden – auch hier hatten wir ziemliches Glück, sowohl was Genauigkeit der Kontrolle als auch Geschwindigkeit anging. Ca. eine Stunde hinter der Grenze fanden wir einen Campingplatz bei Fromborg, auf dem wir gegen vier Uhr unsere Zelte aufschlugen. Und unsere Uhr eine Stunde zurück stellen mussten, denn wir hatten die Zeitzone wieder gewechselt.

weiter mit Tag 15 – Über Danzig nach Bansin

weitere Bilder des Tages: