Tag 15 – Über Danzig nach Bansin

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Tageskilometer – 509km

getankte Liter – 46

Zeit unterwegs – 15 Stunden

nachgefüllt: 1 Liter Öl

thumb_DSCN7337_1024Wir starteten den Tag entspannt bei strahlendem Sonnenschein und machten uns mit unserer Reisegruppe (Team Avilius ist immer noch voraus) in altbewährter Kolonnenreihung über wunderschöne schmale Alleenstraßen auf den Weg Richtung Danzig. Irgendwann wichen die Alleen gut ausgebauten Schnellstraßen, vorderachsenfreundlich aber fahrlangweilig. In Danzig hielten wir an – zum Leidwesen von Matthias teilte niemand seinen „Mother“-Ohrwurm und auch sein entsprechender Facebook-Post fand kaum Anklang (Danke, Hannah! You got it! #hannahultras). thumb_IMG_0771_1024Matthias´ Enttäuschung stieg ins Unermessliche, als das geplante Frühstück in Danzig nicht stattfinden konnte, weil die Küche kein Frühstück mehr machte, sondern nur noch Mittagessen. Matthias machte also das beleidigte Schnitzel und fand in Michael vom Polarkreisverkehr ob dieser Angelegenheit einen Schmollpartner. Von Danzig selber haben wir nur wenig gesehen: Die Stadt zu verlassen gestaltete sich dann dank diverser Baustellen etwas schwieriger und zwischenzeitlich verloren wir uns als Kolonne. Haben wir aber alles hinbekommen, Funk, Chat-App und Glück sei Dank!

thumb_IMG_0762_1024Also ging es Richtung deutsche Grenze und damit auch gefühlt Richtung Ende des Abenteuers. Für den Abend sah unser Plan vor, dass wir früh Feierabend machen, einen schönen Spot an der Ostsee haben und noch einmal gemeinsam abhängen und chillen können. Und uns ein bisschen feiern können. Deswegen wählten wir den Weg über Usedom und somit den Grenzübertritt bei Swinemünde. Aber das mit den Plänen war ja so eine Sache bei uns…

Den Weg machten uns die Pol_innen so schwer wie möglich: Was die Russ_innen an innerstädtischem automobilem Wahnsinn an den Tag legten, versuchten diese auf den engen und unübersichtlichen Landstraßen noch zu toppen. Und so war dieser Tag begleitet von heftigen Unfällen. Nicht mit uns, aber vor uns. Ein Gelenkbus der sich über vier Spuren durch die Leitplanke in den Gegenverkehr gebohrt hatte, ein mehrfach überschlagener BMW im Straßengraben auf der Landstraße. Und dann mitten im Stau auf der Gegenfahrbahn, verursacht durch den querstehenden Bus, haben wir das Absurdeste überhaupt beobachten können, was wir je im Straßenverkehr gesehen haben: Als den Menschen klar wurde, dass es vorne nicht weiter geht, wendeten sie einfach und fuhren durch die gebildete Rettungsgasse zurück. Was natürlich zu einer endgültigen Verstopfung der Fahrbahn führte – und vor allem dazu, dass keine Rettungskräfte zum Bus durchkamen. Völlig unverständlich.

thumb_IMG_3284_1024Beim lokalen Strassenhändler für gepanzerte Sonderfahrzeuge, Anhänger mit aufgepflanzten Großkaliber-Geschützen und sonstigen praktischen Militaria-Gedöns erledigten wir noch zackig unser Aufgabe ein Top-Gear-Bild zu schießen, auch wenn der Militärbezug nicht wirklich nachvollziehbar ist. Aber wann findet man bei einem Strassenecken-Schotterplatz-Gebrauchtfahrzeug-Händler auch schon mal Panzer und so anstelle von total gut checkheftgepflegten Gölfen aus vierter Hand?

Richtung Usedom wurde uns noch etwas klar: Wir sind schon wieder lange unterwegs, andere Teams berichteten, dass auf polnischer Seite wild zelten kaum möglich sei. Wir begaben uns somit auf die Suche nach einem Campingplatz, gerne einem, der Hütten oder ähnliches zu vermieten hätte. Fanden wir auch, leider war dort alles ausgebucht, lediglich Zelte könnten wir aufstellen. Während wir beratschlagten, was denn jetzt zu machen sei, wurde uns die Entscheidung abgenommen. Unsere Autos hatten in der Campingplatz-Gaststätte für Aufmerksamkeit gesorgt, dort lief grade ein EM-Deutschlandspiel und einige Deutsche kamen raus und begutachteten insbesondere unseren Volvo. Der, wenn man genau hinguckt mit den Sankt-Pauli-Aufklebern und denen von unserem großartigen Unterstützer Raccoone Records, als ein Auto mit linken Besitzer_innen zu identifizieren ist. Und wenn man genau hinguckte, waren die Deutschen, die sich für das Auto interessierten, das genaue Gegenteil von Menschen, die für ein friedliches und entspanntes Zusammenleben stehen. An unserem Auto standen handfeste Nazis. Das konnte durch ein wenig Smalltalk auch verifiziert werden und somit war klar: Wir verschwinden hier. Und zwar mit ausgeschalteten Trackern und bringen erstmal etwas Strecke zwischen uns und die Nasen. Also buchten wir ein Hotel in Swinemünde, nur wenige hundert Meter von der deutschen Grenze entfernt – 51 € für das Doppelzimmer mit Frühstück erschien wie ein fairer Kurs. Vor Ort stellte sich das jedoch anders dar: Keine Kartenzahlung möglich und wenn wir mit Euro zahlen wollten, dann müssten wir den Haus-Umrechnungskurs nehmen. Und der lag so seltsam, dass der Zimmerpreis auf über 60 € anstieg. Es war schon wieder spät, wir waren schon wieder lange auf und hatten da keinen Bock drauf, weswegen als Schnellschuss die Entscheidung fiel, noch weiter nach Deutschland zu fahren und dort zu zelten.

thumb_IMG_3288_1024Dass dort alles ein einziges Schickimicki-Villen- und Kurgebiet ist, haben wir dabei vergessen. Um es kurz zu machen: Wir haben nichts zum Zelten gefunden, die Wohnmobilparkplätze waren alle voll, so dass wir uns schließlich einfach in der Zufahrtsstrasse von einem an den Rand stellten. Dort konnten wir kein Zelt aufschlagen, GinTourismo schlief im sitzen im Saab, der Polarkreisverkehr in ihrem Dachzelt, Katrin unten im T3 und Matthias rückte die Kisten im Volvo so zurecht, dass eine halbwegs ebene Liegefläche entstand. Wir schliefen alle nicht super, aber an weiterfahren und andere Möglichkeiten suchen war einfach nicht mehr zu denken. Und vom Plan, den letzten Abend gemütlich am Wasser zu verbringen, hatten wir uns eh längst verabschiedet.

weiter mit Tag 16 – Nach Hamburg

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