Tag 2 – Bromölla bis Åsarna

Gefahrene Kilometer: 892

Getankt: 58l

Fahrtzeit: 12,25 Stunden

In den Tag starteten wir früh. Um sechs Uhr klingelte der Wecker, um zehn nach sechs quälten wir uns in die kamingeheizte und über Nacht völlig ausgekühlte Hütte, kurze Katzenwäsche, die freundlicherweise vom Vermieter schon gefüllte Kaffeemaschine gestartet, die letzten Sachen zusammen gepackt und ein paar Notwendigkeiten vor der Abfahrt noch besprochen.

Punkt sieben Uhr sind wir auf der Piste und ich bereite die ersten Knieschnitten vor (Knieschnitten sind, völlig überraschenderweise, Schnitten die vom Beifahrer während Fahrt geschmiert werden und so ein mobiles Frühstück ermöglichen – und somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Essen und fahren.). Aufstrich der Wahl ist ein Chilli-Pastinake-Aufstrich. Danach sind wir wach, der hat ordentlich Dampf. Im Anschluss geben wir uns vor allem bis Mittag alle Mühe die gebunkerten Vorräte zu dezimieren, entsprechend satt sind wir die zweite Hälfte des Tages.

Mit Start der Strecke bekommen wir immer mehr das, was wir erwartet haben. Zwar halten sich die Temperaturen durchgehend im Plusbereich aber links und rechts der Strasse türmt sich immer mehr im strahlenden Sonnenschein glänzender Schnee.

Und Schweden zeigt sich von seiner schönsten Seite: Wälder, unterbrochen von kleinen Seen mit dicken Findlingen drin, überall rote Häuschen und viele Volvos (😍).

Richtung Jönköping ändert sich alles: der Himmel zieht zu, es wird nebelig grau, die Temperaturen steigen auf um die zehn Grad, der Schnee ist komplett weg und die Landschaft wird tendenziell langweiliger und dicht besiedelter. Wir schlängeln uns zwischen den riesigen Seen Vättern und Vänern durch Richtung Kristinehamm. Irgendwo bei Mariestad entscheiden wir uns, von unserem ursprünglichem Plan abzuweichen. Wir hatten ein Hotel in Geijersholm reserviert, stellen aber fest, das wir dort recht früh ankommen werden. Gleichzeitig würde Geijersholm als Start für Tag 3 gute 800 plus Kilometer bedeuten. Und weil wir noch fit sind und es grade gut läuft stornieren wir das Hotel (zum Glück noch rechtzeitig und deswegen kostenfrei) und planen, erstmal weiter Strecke zu machen und gegen Abend irgendwo einzuchecken. Ab Filipstad Richtung Mora nimmt der Schnee wieder zu und die Temperaturen fallen wieder. Die Strassen sind, zumindest die Hauptstrassen, exzellent geräumt und frei.

Ein bisschen wurmt es uns ja grade: wir haben uns und das Auto auf bis zu 30/40 Grad weniger vorbereitet, hatten da sicherlich auch etwas Bammel vor, aber jetzt so gar kein Winterabenteuer (bisher) zu haben ist doch etwas lame. Zwischendurch erreichen uns dann noch Nachrichten, dass das Nordkapp schneefrei ist. Mmmmmh. Mal gucken.

Bei Mora stehen wir auf einmal im Stau. Tonnen an Autos, unendlich viele Fussgänger und verdächtig viele Memschen in Sportkluft mit Skiern auf der Schulter. Offenbar haben wir treffsicher das Ende eines Langlaufwettkampfes getroffen. Zum Glück wollen all diese Menschen nicht da lang wo wir lang wollen so dass wir uns an ihnen vorbei fudeln und wieder freie Strecke haben.

Hinter Mora hol uns die Dämmerung ein, und das mit einem Hammerschlag. Kurz wird es dunkler und von jetzt auf gleich ist es, als hätte jemand das Licht ausgemacht. Wir nutzen die Gelegenheit und stellen die Zusatzscheinwerfer auf der Stossstange und auf dem Dach richtig ein, jetzt haben wir im Prinzip auf ca. 130 Grad rund vor dem Auto und ca. 200m voraus ziemlich gute Sicht. Kommt auf den Bildern und Videos nicht ganz so gut raus wie es in echt ist.

Häufig benutzen können wir das trotzdem nicht, es ist immer noch viel – für hier oben – Verkehr.

Wir passieren Sveg, eine Stadt wo wir 2016 mit unserer Kolonne am Ortsschild ein sehr swages Poserbild gemacht haben, rechtzeitig klingelt auch der Kolonnenchat von Gin-Tourismo, Polarkreisverkehr, Avilius und Likedeeler und wir werden aufgefordert dies zu reproduzieren.

Leider eine Sache der Unmöglichkeit. Der Seitenstreifen auf dem wir damals hielten ist wegen hochgestapeltem Schnee nicht vorhanden und das Schild selber auch halb verschwunden. Das müssen wir Euch also leider schuldig bleiben. Sorry, friends! Wir hatten das genauso wie ihr auf dem Schirm.

Von Sveg geht es in einem Bogen Richtung Åsarna, unserem Endpunkt für heute. Hier checken wir im Big Moose Motel ein, einem sauberem und ordentlichem aber in die Jahre gekommenem Truckermotel. Abendessen „gönnen“ wir uns im Restaurant. Es gibt Buffet und ich will es mal so sagen: ich habe in einigen Kantinen für weniger Geld definitiv besser gegessen. Also, eigentlich in allen. Selbst im Krankenhaus wo ich meine Ausbildung gemacht habe.

Egal. Darauf kommt es ja nur bedingt an. Vielleicht kann das Frühstück ja was.

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