Tag 13 – der Tag, an dem wir die Autos parken

von Le Sappey-en-Chartreuse nach Beatenberg

377km gefahren

Gestartet um 10:30, angekommen um 17:30

20l getankt

zwei Pipipausen, zwei Stunden Bern, 30 Minuten an der Fabrik

Heute kommen wir nicht so recht in den Quark. Die Nacht war mild und angenehm, der Blick am Morgen toll. Wir hängen etwas rum, frühstücken in Ruhe und packen trockene (entgegen aller Camperweisheiten!!) Zelte ein. Zum letzten Mal. Heute machen wir uns, mit ein paar Umwegen, auf den Weg Richtung Köln. Wenigstens im Ansatz.

Wir fahren ab Le Sappey-en-Chartreuse auf der D512 noch ein bisschen durch die Berge, diesmal mit viel Wald. Wir überqueren den Col de Porte, ein ziemlich bekanntes Biathlon-Gebiet mit Loipen und Schiessständen. Unterwegs gabelt Micha wieder trampende Wanderer auf, diese wollen aber nur bis zur nächsten Abzweigung in La Diat mitgenommen werden. Wir biegen dort auf die D520B ab, eine kleine entlang des Massif de Chartreuse verlaufende Bergstrasse. Sie ist teils in die Felswand gehauen, große Überhänge über der Fahrbahn zeichnen den eigentlich Verlauf des Bergrückens nach, etliche Tunnel durchschneiden ihn. Rechter Hand fliesst die ganze Zeit der kleine Guiers Mort.

Kurz vor Saint-Laurent-du-Pont entdecken wir Spannendes: ein kleines hydroelektrisches Kraftwerk, dessen Stauung noch aktiver Teil der Guiers-Mort-Stauung ist. Das Kraftwerk selber sowie die daneben liegenden Fabrikhallen sind verlassen bis auf den hintersten Teil, viel ist zerstört und offensichtlich einsturzgefährdet. Wir laufen ein bisschen durch und fahren aber auch zügig weiter.

Unser Weg geht auf die D520, eine sowohl fahrerisch als auch landschaftlich recht langweilige Transitstrasse und bei Les Echelles auf die ebenso unspannende D1006. Nach dem kleinen Exkurs heute Morgen gibt es jetzt keine Experimente, wir wollen Strecke machen und das geht am besten auf geraden Strassen und Autobahnen. Zum Preis der Spannung. Konsequenterweise klemmen wir uns dann auch ab der ersten Möglichkeit auf die Autobahn. Auf der rollen wir Richtung Schweiz, inklusive Vignettenshopping beim Grenzübertritt vor Genf.

Einen Zwischenstop legen wir in Bern ein und bummeln zwei Stunden durch die Stadt. Beeindruckende, mittelalterliche Bausubstanz mit sehr repräsentativem Charakter. Überall in der Stadt stehen rote Liege- und Sitzstühle mit passenden Tischen. Diese sind frei bewegbar so dass man sie sich dorthin ziehen kann wo man grade sitzen möchte. Das ganze ist ein mittlerweile seit einigen Jahren laufendes Projekt zur Rückgewinnung öffentlichen Raumes durch die Menschen. Man soll die Möglichkeit haben, dort zu sein, wo man möchte. Die Annahme läuft hervorragend, Vandalismusschäden sind ausgeblieben und selbst eine befürchtete Vermüllung der Stadt ist ausgeblieben. Während deutsche Städte Rückgewinnung öffentlichen Raumes durch private Initiativen häufig verhindern wurde es hier von der Stadt initiiert.

Was ein bisschen nachdenklich macht ist der Fakt, das alte Städte in ganz Europa so aussehen könnten wie Bern. Historisch, eindrucksvoll. Orte, die etwas zu erzählen haben. Mit Steinen, die so, wie sie jetzt stehen, schon immer standen. So könnte ein Europa aussehen, das nicht am laufendem Band von Kriegen und Elend überzogen wurde. Das macht nachdenklich und ein Stück weit wütend.

Von Bern aus geht es über A6 und A8 Richtung Interlaken, ab dort per Landstrasse um den Thunersee herum und noch ein letztes Mal einem Berg hinauf nach Beatenberg. Beatenberg ist das längste Dorf Europas, liegt auf 1155m unter dem 1963m hohem Niederhorn. Von hier hat man einen phänomenalen Blick auf Mönch, Jungfrau und Eiger, bei gutem Wetter kann man die ganze Reihung der 4000er Berner Alpen sehen. Um diesen Blick zu beschreiben müssen neue Wörter erfunden werden. Wir haben für die nächsten zwei Tage eine Ferienwohnung mit Blick auf See und Berge und planen, hier ein wenig noch die Seele baumeln zu lassen, den ganzen Tag staunend auf die Berge zu gucken bevor wir uns am Samstag auf die letzte Autobahn-Etappe machen. In diesem Sinne ist Beatenberg unsere Ziellinie. Wir parken die Autos für die nächste Zeit, lassen uns die regionale Küche schmecken und legen die Füsse hoch.

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