Tag 2 – Transittage sind dafür da, um getransittet zu werden

von Hamburg nach Nymö

gefahrene km: 588

Uhrzeit Start: 10:00

Uhrzeit Ziel: ~20:00

getankt: 57l

2 Pipipausen, 2x getankt, eine Fährfahrt und einen Turbospaziergang an die Ostsee

Temperatur zwischen 0 und 4 Grad

Reparaturen: Lüfterthermostat, Kreditkarte

Wir wollen ja in den Norden. Weit hoch in den Norden. Mit einer HomeBase im Rheinland bedeutet das, dass erstmal einige Kilometer zu spulen sind. Gestern bis Hamburg, heute dann bis Nymö. Bei einem Blick auf die Karte könnte man sich die Frage stellen, warum grade Nymö das Ziel ist – und die Antwort liegt nicht auf der Hand: als wir gestern auf der A1 vor Münster uns Gedanken über den losen Stecker an der Lichtmaschine gemacht haben und überlegt haben, wen wir denn wo um Support bitten können, haben wir auch Andreas (nicht den von der Wagenwerkstatt) angefunkt. Andreas haben wir mit seinem Sohn auf dem Baltic Sea Circle 2016 kennen gelernt und seit dem losen Kontakt gehalten. Jedenfalls hat Andreas eine Hütte in Nymö und wir können sie für eine Nacht als Station nutzen. Der Preis: zwei Flaschen Jägermeister für den Nachbarn;) Das nehmen wir supergerne in Anspruch, immerhin deckt sich die Distanz in etwa mit unserer geplanten Route für den Tag.

Wir starten in Wedel mit einem frühen aber entspanntem Frühstück, verabschieden uns ungerne – fahren aber gerne los. Über Nacht ist unser Auto von dickem Raureif bedeckt worden, durch eine halbe Stunde länger frühstücken hat die Sonne das meiste davon aber bereits weggeschmolzen. Bleibt noch die Frage mit der Batterie. Durch die unzureichende Ladung bis Osnabrück hatten wir die Befürchtung, dass die Starterbatterie die Grätsche gemacht hat. Trotz frostiger Nacht hängt sie aber mit 13,irgendwas Volt im Motorraum – einen Umweg über einen Autoteilehändler für eine neue Batterie skippen wir aber. Die Schlösser sind ein wenig schwergängig, wahrscheinlich eine Kombi aus Kälte und Feuchtigkeit, wir schmieren noch einmal ein bisschen.

Schnell im lokalen Edeka Jägermeister gekauft (vier große Flaschen, zwei für den Nachbarn und zwei als Bestechung oder Dankeschön falls wir unterwegs noch einmal Hilfe gebrauchen können. Schadet ja nicht). Dann machen wir uns auf den Weg, von Wedel aus fahren wir GoogleMaps geführt einmal quer durch Hamburg, am Millerntor vorbei (das vermissen wir wirklich extrem!). Und da ab Hamburg auch gefühlt der Roadtrip erst anfängt starten wir jetzt unsere Playlist. Viele Menschen haben uns Songs geschenkt und auf diese Art und Weise uns eine sehr wilde Roadtrip-Playlist zusammen gestellt. Die shufflen wir jetzt durch und lassen uns überraschen, was da so kommt.

Hinter Hamburg fahren wir auf die Autobahn Richtung Fehmarn, ab Puttgarden geht die Fähre Rödby/Dänemark. Auf dem Weg dorthin überholen uns diverse Rallyeautos, der Carbage Run, eine niederländische Fun-Rallye mit starkem Schwerpunkt auf Fun hat auch eine Winter Edition die nach Skandinavien geht. Und offensichtlich ist dieses Wochenende Start. Auf der Brücke nach Fehmarn ist eine Baustelle (gibt es eigentlich relevante Brücken in Deutschland auf denen keine Baustelle ist?) und dadurch kann ein Teilstück nur einspurig befahren werden. Also stehen wir im Stau. Und während draussen knapp über null Grad sind steigt die Motortemperaturanzeige kontinuierlich. Eigentlich haben wir für genau diesen Fall einen Thermostatschalter verbaut der zwei blasende E-Lüfter vorm Kühler schaltet. Und eigentlich hat der bisher – also die seit wir ihn für die 20Nations Rallye eingebaut haben – immer klaglos seinen Dienst getan. Aber irgendwie ist ja grade der Wurm in den Kleinteilen. Aus irgendeinem Grund schaltet er nur unter 35 Grad, das ist natürlich Quatsch. Den Stau meistern wir dann ohne große Reparatur, auch im Wartebereich der Fähre machen wir keinen Aufriss. Wir sind auch relativ stressfrei: das passende Ersatzteil haben wir dabei, kann also jederzeit getauscht werden und so lange ein bisschen Wind durch den Kühler geht brauchen wir die Lüfter nicht.

Für die Fähre haben wir ein Flex-Ticket gebucht, Vorteil ist, man muß keine bestimmte Fähre nehmen, kann also jederzeit am Hafen aufschlagen, darf in die VIP-Spur und somit als erster an Bord und als erster wieder runter und bekommt dort auch noch einen Kaffee. Und wir stehen wirklich vorne, absolute Pole Position. Über die Fährfahrt gibt es nicht viel zu erzählen, ruhige Ostsee, ein „geht so“ Kaffee und schon sind wir wieder weg.

Vom Hafen aus direkt wieder auf die Autobahn Richtung Kopenhagen, links und rechts Felder und Wiesen, ein paar Wälder. Hinter Kopenhagen wartet das erste touristische Highlight der Tour, die Öresundbrücke.Tatsächlich ist sie aus der Ferne spektakulärer als über sie hinweg zu fahren – wobei auch das eine Wucht ist. Links und rechts der Fahrbahn erheben sich in der Mitte zwei riesige über 200m hohe Pylonenpaare an denen die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Strassen- und Schienenverkehr hängt. Bis zur Hängebrücke fährt man über zwei über drei Kilometer lange Rampenbrücken, das Hängebrückenfeld ist immerhin über 1000m lang. Ein phänomenales Bauwerk dass eine gute Milliarde Euros gekostet hat und in nur 40 Monaten gebaut wurde. Da erscheint die Brücken-Maut (im Kombiticket direkt mit der Fähre gebucht) fast lächerlich billig.

Die Brücke landet bei Malmö an, dort biegen wir direkt auf die E6 Richtung Trelleborg ab. Wir haben uns überlegt, große Teile der Strecke nach Norden direkt an der Ostsee entlang zu fahren. Zwar haben wir mit dem Baltic Sea Circle bereits eine Ostsee-Umrundung gemacht, allerdings nur formal – praktisch waren wir die meiste Zeit nicht einmal in der Nähe der Ostsee. Also ist das etwas, was wir irgendwie noch nachholen „müssen“. Die E6 fährt von Malmö Richtung Trelleborg noch ein wenig hinter der Küste, doch ab Trelleborg läuft sie in ständiger Sichtweite teilweise direkt neben den Stränden entlang. Es macht Spaß sie zu fahren, nur der böige aber sehr starke Wind zerrt ein wenig an den Nerven. Nicht schlimm, aber permanent. Irgendwo auf der Strecke halten wir kurz an und gehen kurz an die Ostsee, genießen das Abendrot und die kalte Seeluft im Gesicht. Nicht lang, immerhin haben wir noch ein paar Kilometer vor uns. Und es ist im Wind wirklich sehr kalt.

Ab Ystad (ca. 17:30 Uhr) ist die Sonne dann endgültig weg und wir sehen nicht mehr viel links und rechts der Strasse. Mit Blick auf unsere leeren Mägen entscheiden wir uns, die Kurve Kåseberga und Örnahusen über die Landstrasse 9 Richtung Simrishamn abzukürzen und so etwas Strecke zu machen.In Ystad wollen wir noch einmal tanken, die Automatentankstelle kann nur schwedisch, was sie will bleibt ein tendenzielles Rätsel und Matthias gibt vor lauter Verwirrung dreimal in Folge die PIN der Debitkarte ein. Während die Kreditkarte im Schacht steckt. Die Bankapp bimmelt lustig vor sich hin und verweigert die Zahlung um letztendlich so viel Merkbefreiung mit einer Kreditkartensperre zu bestrafen. Macht natürlich Sinn – ist aber bei leerem Tank eher doof. Also suchen wir auf der Strecke nach einer Tankstelle mit Shop um dort noch einmal den Versuch „voller Tank“ zu starten – diesmal mit Debitkarte und der passenden PIN. Benzin ist schon einmal gesichert, ein Telefonat mit der Service-Hotline der Bank schaltet auch die Kreditkarte wieder frei. Um das zu überprüfen holen wir noch ein paar schwedische Kronen, so können wir im Fall der Fälle halt wenigstens Cash bezahlen.

Von Simrishamn aus fahren wir noch ein Stückchen auf der 9 um bei Brösarp auf die 19 abzubiegen. Bei Olseröd biegen wir auf die 118 ab, dieser folgen wir durch Åhus bis Rinkaby um uns dort ins Hinterland nach Nymö zu schlagen. Uns kommen kaum noch Autos entgegen, es ist weiträumig sehr dunkel bis auf die immer gut ausgeleuchteten Kreuzungen. Die Beleuchtungsumbauten zahlen sich aus: die normalen Scheinwerfer plus Fernlicht, die zusätzlichen Fernlichtscheinwerfer im Grill und die unter der Stossstange montierten Fernlichter (diese mit 100W-Birnen) leuchten ziemlich gut die Strasse und die Landschaft links und rechts vor uns aus, Wild wie Füchse, Rehe, Hasen und ein Wildschwein sehen wir mehr als rechtzeitig. Einziger Kritikpunkt: Matthias hat die gelben unter der Stossstange montierten Hellas autonom verkabelt, sie sind also völlig unabhängig von der anderen Beleuchtung zu schalten. Das bedeutet aber, dass, sollten wir den vollen Weihnachtsbaum anhaben und ein Auto entgegen kommen, man zuerst das Fernlicht und die Zusatzscheinwerfer im Grill über den Fernlichtschalter am Blinkhebel ausschalten muss und dann am separaten Schalter noch die gelben Hellas. Das ist nervige Fummelei beim Fahren im Dunkel, ist viel zu verzögert und so blenden wir ein, zwei Sekunden den Gegenverkehr. Uncool. Ins Lastenheft für Schraubertage bei schönem Frühlingswetter kommt ein SPDT-Schalter für die Hellas. Mit diesem kann dann entweder komplett autark oder über den Fernlichtschalter geschaltet werden. So, wie es grade gebraucht wird.

Gegen 20:00 Uhr kommen wir an der Hütte von Andreas an, der Nachbar hat seit heute Morgen bereits vorgeheizt so daß wir es warm und gemütlich haben. Wir schnacken kurz, der Volvo 145 ist natürlich Thema. Pünktlich zum Anpfiff FC Sankt Pauli auswärts gegen Jahn Regensburg haben wir unsere Sachen aus dem Auto ins Haus geräumt. Wir haben ein bisschen Sorge, dass uns unsere Vorräte einfrieren, spätestens geplatzte Weckgläser wären eine ärgerliche Sauerei. Den Tag beenden wir mit Fussball, Spaghetti Bolognese und den Planungen für die nächsten Tage.

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